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Festspiele präsentierten Barock-Schätze

Schwerin Festspiele präsentierten Barock-Schätze

Alte Musik wurde lebendig vorgetragen in der Konzertserie „Pavillon Barock“

Schwerin. Ein wundersamer Widerspruch: Je mehr sich die Aufführungen Alter Musik ihrer eigenen Vergangenheit zuwenden, sich der historischen Aufführungspraxis bedienen, desto lebendiger, frischer und zupackender werden sie. Gleich sieben Mal war dieses Wunder vergangenes Wochenende in der dreitägigen Konzertserie „Pavillon Barock“ zu erleben. Gemäß dem Anspruch der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, bedeutsame Musikereignisse mit den Schönheiten des Landes zu verknüpfen: am Sonntag in der barocken Residenz von Ludwigslust, im Goldenen Saal des Schlosses und in der Stadtkirche, am Sonnabend in Güstrow, im Renaissance-Schloss und im gotischen Dom, schon am Freitag in Schwerin, in der reinbarocken Schelfkirche und im Dom.

Wundertäter war die Akademie für Alte Musik Berlin, schon 1982 noch in der DDR gegründet, inzwischen weltweit maßstabsetzend. Ein Ensemble, auf historischen Instrumenten spielend, das sich ganz der ursprünglichen Spielweise dieser Musik verschrieben hat und hier unter der wechselnden Leitung ihrer beiden Konzertmeister Georg Kallweit und Bernhard Forck musizierte, die auch die solistischen Violinaufgaben übernahmen. Die Mitglieder haben ihre Auffassung der historischen Spielweise souverän verinnerlicht, bewegen sich ungezwungen und fantasievoll darin, agil und wie aus einem Guss, dennoch transparent bis in die letzte Note, prägnant und geschmeidig zugleich in Artikulation und Klanglichkeit, ohne ichbezügliche Gefühligkeit, ohne Schummrigkeiten, mit vorzüglichen Solisten aus dem Bestand des Ensembles (etwa die betörende Oboistin Xenia Löffler oder die energiereiche Cellistin Barbara Kernig). So entfalten sie in seelischer Hygiene eine geradezu befreiende Kraft.

Damit boten sie ein Programm, das mit großbesetzter Orchestermusik die entscheidende musikalische Leistung des Barock, die endgültige Emanzipation der Instrumentalmusik von der Vokalmusik, begeisternd erlebbar machte, mit den spielfreudigen Concerti für ein oder mehrere Soloinstrumente, mit Concerti grossi, mit Suiten bis hin zur prunkvollen höfischen Repräsentationsmusik – der ganze vielfarbige Fächer der Barockmusik mit bekannten, Telemann, Bach oder Vivaldi, und neu gefundenen Schätzen von kaum gekannten Komponisten. Dabei wurde die „Musica camerata“ nicht ausgespart, mit einem nächtlichen Kerzenschein-Konzert in der Schelfkirche, bei dem Forck Kleinodien des Violinvirtuosen Heinrich Ignaz Franz Biber spielte.

Auch Ausflüge ins Vokale gab es, mit einer Caldara- und einer weltlichen Bach-Kantate, von der Sopranistin Robin Johannsen mit gut vorn sitzender Stimme und geläufiger Kehle gesungen, oder beim eindrucksvollen Abschluss in der Ludwigsluster Stadtkirche mit einer „Kurzfassung“ des späten Händel-Oratoriums „Jephta“, mit eingeschobenen Concerti von Händels englischen Generationsgenossen, unter Mitwirkung des kraftvoll gestaltenden Tenors Lothar Odinius. Zu den attraktiven Reizen des Pavillon- Formates gehören die „bildenden“ Begleitveranstaltungen, hier konzipiert und moderiert von der Musikvermittlerin Anna Kussmaul. Wobei die „Expertenrunde“ zur Frage nach der kulturellen Eigenart des Barock nur im andeutenden Ungefähr verblieb, indessen eine praktische Hörschule zu Klang und Spielweise der Barockmusik, eine Unterweisung in die aristokratischen Kleidergeheimnisse (Niels Badenhop) und eine Tanzstunde fürs Publikum in der Contredance (Jutta Voß) von instruktiver Vergnüglichkeit waren.

Krönende Abschlüsse

Bis zum Abschlusskonzert am 17. September in der Konzertkirche Neubrandenburg mit der NDR Radiophilharmonie und dem Cellisten Daniel Müller-Schott (16 Uhr) bieten die Festspiele MV noch einige Höhepunkte: Musikalische Landpartien führen am Mittwoch nach Hohen Luckow (ab 16 Uhr, Konzert 19.30 Uhr) und am Donnerstag nach Wesselsdorf (14 Uhr, Konzert 19.30). Im Jagdschloss Granitz spielt Mittwoch das Signum Saxophone Quartet (19.30 Uhr). Das Ukulele Orchestra of Great Britain tritt am Donnerstag in der Rostocker Halle 207 und am Freitag in Stolpe auf (jeweils 19.30 Uhr).

Heinz-Jürgen Staszak

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