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Kultur Fettes Jubiläum: Jamel feiert mit Ärzten und Hip-Hoppern
Nachrichten Kultur Fettes Jubiläum: Jamel feiert mit Ärzten und Hip-Hoppern
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02:18 29.08.2016
Proppenvoll und ausverkauft: rund 1200 Besucher kamen pro Festival-Tag auf der Wiese in Jamel.

Na, das ist mal ’ne Ansage. „Forstrock in Jamel“, meint Bela B., sei „derzeit wohl das wichtigste Festival in Deutschland“ – wegen seiner politischen Botschaft. Der Ärzte-Sänger rief das kurz nach Mitternacht den 1200 Leuten im Publikum des 40-Seelendorfs Jamel bei Wismar zu. „Jamel rockt den Förster“ 2016 ist der zehnte musikpolitische Ansatz gegen rechten Hass. Das Dorf ist von Neonazis als „nationalsozialistisches Musterdorf“ und „national befreite Zone“ bezeichnet worden. Die „höchste Eskalationsstufe“ sei 2015 ein Brandanschlag auf eine Scheune gewesen, sagt Birgit Lohmeyer. Sie und ihr Mann Horst – er Musiker, sie Autorin – zogen 2004 aus Hamburg nach Jamel und wehren sich seitdem gegen die Nazi-Szene. Dafür wurden sie mehrfach geehrt.

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Zum zehnten Mal „Forstrock“ / Coole Stimmung und erstklassiges Line-Up

Forstrock in Jamel ist derzeit wohl das wichtigste Festival in Deutschland – wegen seiner politischen Botschaft.“

Ärzte-Sänger Bela B. (53)

Nun der Ritterschlag der deutschen Musikszene. Neben Bela B. konnte Forstrock mit einem erstklassigen Line-up protzen. „Hier heißt es Flagge zeigen und sich zu solidarisieren mit Menschen, die vor rechter Gewalt nicht zurückweichen“, ruft Bela B. den Forstrock-Gästen zu. In Jamel liefert er mit der Gypsi-Swing-Band Danube’s Banks eine schräge Mischung aus Klezmer, Punk und Pop. Auch seine Band hatte sich spontan auf den Weg gemacht. So stand um Mitternacht die komplette Ärzte-Combo mit Bela B., Farin Urlaub und Rodrigo Gonzales auf der Bühne, um ihre musikalische Medizin gegen Naziland zu singen.

Der MV-Ausflug scheint Sommerpflichtprogramm für deutsche Musiker zu werden, seitdem Die Toten Hosen 2015 die Fans in Jamel beglückt hatten. Marteria, Campino und Feine Sahne Fischfilet vor einer Woche in Anklam. Nun Jamel mit den Ärzten, Captain Planet, Madsen, Sookee und anderen. Als Topact für Samstag kam Wolf Maahn. Ebenfalls spontan waren Freitag die Hip-Hopper Fettes Brot aufgetreten.

Um ein Zeichen gegen Ignoranz, Ausgrenzung und Dummheit zu setzen und Spaß zu haben, so ihr Credo. „Wir wollen zeigen, wie die große Mehrheit der Deutschen ist: weltoffen“, sagt Sänger Björn Warns.

Madsen-Sänger Sebastian Madsen ruft: „National befreite Zonen darf es in Deutschland nicht geben.“

Die Atmosphäre? Entspannt. Der Umgangston? Herzlich. Kinder springen herum, Mädchen tragen Blümchenkleider und Stroh-Hut, kurze Hosen, kurze Röcke; man lächelt, man lacht. Eine Gruppe hat es sich mit Cocktails gemütlich gemacht, darunter Moni und Jana aus Lübeck, und wenn man sie fragt, was sie hierher verschlagen hat, sagen sie, dass sie wegen der Musik gekommen sind, vor allem aber auch: „wegen der Nazis“.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), Schirmherrin des Festivals, dankt dem Ehepaar Lohmeyer Sonnabend persönlich dafür, dass sie ein Zeichen gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit setzen: „Sie sind Vorbild, dass wir alle für unsere demokratischen Werte einstehen und dass wir Menschenfeindlichkeit etwas entgegensetzen.“

Vonfrank Pfaff und Marion Hahnfeldt

„Lachen, Singen, Freude bringen“, so heißt das Programm am Freitag, 2. September, ab 18 Uhr in der Kunstkapelle in Weitendorf bei Proseken. Benjamin Nolze ist zu Gast.

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