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Kultur „Fichte“ verliert letzten Kampf
Nachrichten Kultur „Fichte“ verliert letzten Kampf
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00:00 17.03.2017
Greifswald

Für die meisten Zuschauer, für Fans der Störtebeker Festspiele in Ralswiek auf Rügen war er ein Likedeeler, später auch Mönch, Fischer oder Narr. Für das Störtebeker-Ensemble war er weit mehr. Ein gut gelaunter und professioneller Schauspieler, Vater eines erwachsenen Sohnes, aber auch Skatkumpel und Saxophonspieler, der die Kollegen am „Set“ immer wieder mit Einlagen unterhielt.

In der Nacht zu Dienstag ist Hans-Jörg Fichtner, Urgestein der Störtebeker Festspiele und langjähriger Schauspieler am Theater Vorpommern, nach langer Krebserkrankung gestorben. Einen Tag vor seinem 66. Geburtstag. Anna-Theresa Hick, Geschäftsführerin der Störtebeker Festspiele, sagt: „Wir sind unendlich traurig, dass er den Kampf verloren hat. Wir werden ihn sehr vermissen, ein toller Kollege und Schauspieler, Ein sehr lustiger und sehr kollegialer Mensch. Hans-Jörg Fichtner hatte nie schlechte Laune.“

20 Jahre war „Fichte“, wie er unter Schauspielern und Freunden genannt wurde, bei den Störtebeker Festspielen. Von 1993 bis 2012 gehörte er den Likedeelern an. Später war er in verschiedensten Rollen auf der Freilichtbühne zu sehen – als Fischer, Mönch oder Hofnarr.

Für Intendant Peter Hick und einige Kollegen geht auch ein Freund von Bord. Anna-Theresa Hick erinnert sich: „Die Skatrunden mit ihm, meinem Vater und Schauspielern des Ensembles sind für uns legendär. Außerdem war er leidenschaftlicher Saxophonspieler. Damit hat er uns oft unterhalten – auch das wird uns fehlen. Unsere Gedanken sind sehr bei seiner Frau und seinem Sohn.“

Hans-Jörg Fichtner wurde in Radebeul geboren. An der Hochschule für Musik und Theater „Hans Otto“ in Leipzig studierte er Schauspiel. Von 1978 bis 1980 war Fichtner am Theater Magdeburg engagiert, von 1980 bis 1994 am Theater Greifswald. Als freischaffender Schauspieler wirkte er unter anderem in Dresden in Kabaretts und Musicals mit und wurde 1997 erneut an den Theatern Greifswald und Stralsund engagiert. Von 1997 bis 2011 gehörte er fest dem Schauspielensemble an. In tragenden Rollen war er dort zu sehen in „Der Tag zieht den Jahrhundertweg“ nach dem Roman von Tschingis Aitmatow, in Inszenierungen wie „Frank & Stein“ und „Ladies Night“. Als das Theater Vorpommern Billy Wilders Komödie „Manche mögen’s heiß“ unter dem Titel „Sugar“ auf die Bühne brachte, trat Fichtner als Milliardär Sir Osgood Fielding auf. Im „Raub der Sabinerinnen“ hat er den Emanuel Striese gespielt, in der Komödie „Pension Schöller“ den Major a.D.

Erfahrungen sammelte er auch als Sänger. So wirkte er als Chormitglied in den Opern „Rigoletto“ und „Freischütz“ mit und war in Operetten, Musicals und Kabaretts zu sehen. In der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss hat er in Greifswald, Stralsund und Putbus den Frosch gespielt, in „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán zuletzt den alten Diener „Tschekko“.

Dirk Löschner, Intendant am Theater Vorpommern, bedauert Fichtners Tod zutiefst. „Hans-Jörg Fichtner war ein überaus sympathischer Charakterdarsteller, den das Publikum liebte. Unvergesslich bleibt mir seine sehr kultivierte und unverwechselbare Sprechstimme. Wir haben ihn auch nach seinem Ausscheiden aus dem Festengagement wegen seines hohen schauspielerischen Niveaus immer wieder gern als Gast engagiert.“

Michael Meyer

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