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11:02 15.05.2018
Einmal Lebensgefahr und zurück: Deadpool (Ryan Reynolds) und sein neuerdings kampflustiger Taxifahrer Dopinder (Karan Soni). Quelle: Fox
Hannover

„Kinder geben uns die Möglichkeit, bessere Menschen zu sein“, sagt Vanessa (Morena Baccarin) zu Wade (Ryan Reynolds) alias Deadpool. Und Wade lächelt dazu wie Pu, der Bär. Es sind Vanessas fruchtbaren Tage. Sie wollen jetzt eine Familie gründen, der Superheld und sein Mädel, wollen kleine Deadpoolchen zeugen. Wenn es ein Junge wird, soll er Connor heißen, wenn’s ein Mädchen wird, Mae.

Ein Familienfilm aus dem sowieso familiären X-Men-Universum

So sitzen sie wie ein altes Ehepaar zufrieden in Knautschgarderobe vorm Fernseher und schauen „Yentl“ mit Barbra Streisand – zwei im Friede-Freude-Eierkuchen-Land. Aus heiterem Himmel stürmt ein Killerkommando die Wohnung, Gangster, die sich für irgendetwas an Deadpool rächen wollen. Und Vanessa fängt sich eine tödliche Kugel ein, was der Grund ist, warum wir Deadpool in den ersten Sekunden seines zweiten Films bei einem Selbstmordversuch angetroffen haben. Das Leben macht keinen Sinn mehr. Selbstmord aber macht noch weniger Sinn, vor allem wenn man ein Superheld mit Sofortregenerationskraft ist.

„Deadpool 2“ ist der Film, der dem rotschwarz gewandeten Einzelkämpfer mit den Samuraischwertern Gruppendynamik und Verantwortungsgefühl beibringen soll, ein wildschräger Familienfilm aus Marvels seit je recht familiärem X-Men-Universum. Das geht so: Der Held trifft eines Tages auf den zornigen jugendlichen Mutanten Russell (Julian Dennison), der Feuerfäuste schleudern kann, im Begriff scheint, Amok laufen zu wollen, und akut eine vertrauenswürdige Vaterfigur braucht. Der depressive Einzelgänger Deadpool ist da freilich zunächst ein Totalausfall.

Ebenso freilich bekommt er eine zweite Chance: Denn aus der trüben Zukunft reist in Terminatorenlaune ein Cyborg namens Cable (Josh Brolin) an, der den Jungen Russell töten will, um zu verhindern, dass dieser eines Tages seine Frau und Tochter zu Asche verbrennt. Vanessas Geist redet Deadpool ins Gewissen. So gründet er die X-Force, um Russell alias Firefist zu retten.

Die Buddy-Filme der Achtzigerjahre lassen grüßen

Und Action! Was bei „Deadpool“ nicht nur heißt, dass während der üblichen Superheldenfilmefights infrastrukturelle Superschäden angerichtet sondern dass auch Superhelden supermakabre Todesarten erleiden. Wie im ersten Film wendet sich der Antiheld dabei immer wieder mal direkt an den Zuschauer. „The talking Deadpool“ reißt die sogenannte vierte Wand (die Leinwand) ein, wenn er etwa bemerkt, dass Cable aufgrund seines heiligen Grimms wohl aus dem konkurrierenden DC-Comic-Universum stammen müsse, Batmans Heimat.

DieBuddy-Filme der Achtzigerjahre mit ihren Coole-Sprüche-Gefechten lassen grüßen. Es ist witzig, wenn Domino (Zazie Beetz) bei der X-Force anheuert und mitten im wildesten Holterdipolter diskutiert wird, ob deren notorisches Glück jetzt als Superkraft gewertet werden darf.

Viel vom Besten hier ist nur Mehr vom Selben

Verschenkt wird indes die Figur des schnauzbärtigen Peter (Rob Delaney), der Deadpools Helden-Anzeige interessant fand und sich bei der X-Force bewirbt, ohne über irgendeine besondere Gabe zu verfügen. Selbstironie regiert, Erwartungen werden unterlaufen. Und insgesamt hat man schon den Eindruck: lustig.

Aber nicht so lustig wie der erste Film. Was vielleicht nicht einmal so sehr daran liegt, dass Regisseur Tim Miller wegen kreativer Differenzen mit Ryan Reynolds (Schauspieler mit Mitspracherecht!) ausschied, und David Leitch mittendrin als Ersatzmann einspringen musste.

Sondern dass das Überraschungsmoment einfach weg ist, und viel vom Besten hier nicht besser sondern nur Mehr vom Selben ist. Ein wenig stört auch die Story, die freilich übersteigert erzählt und mit allerhand Kitschpop von Enya bis zu den unsäglichen Air Supply garniert wird. Daddy Deadpool? Schmalz und Tränen? Ja, sind wir hier denn in „Bambi“?

Statement für ein menschlicheres Erziehungssystem

Wobei dem Schulsystem des gegenwärtigen Amerika, dessen Paralleluniversumsversion die X-Men-Welt ja ist, mächtig einer übergebraten wird. Mutanten sind die Außenseiter jener Welt, wer da nicht in der Privatschule des Professor Xavier landet, bekommt weder Verständnis noch Hilfe, wird ignoriert, an den Rand gedrängt, oder – wie im Fall der auch noch recht korpulenten Waise Russell – gemobbt, bis er sich radikalisiert. „Deadpool“ ist ein ungewöhnliches Statement für eine neue, bessere, Schüler umarmende staatliche Erziehung.

„Familie ist kein F-Wort“, ist die Lehre, die Russell ziehen darf, die wir alle aus diesem Film mitnehmen. Schade, dass wir Deadpool ab jetzt wohl nur noch mit seiner „Familie“ erleben werden. Wahrscheinlich werden sie im nächsten Film Cable helfen, den Teddybär seiner Tochter zurück in die Zukunft zu bringen. Ehrliche Antwort? Einsam wie Batman war der schandschnäuzige Streiter Deadpool uns lieber.

Von Matthias Halbig / RND

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