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Kultur „Was werden die Leute sagen?“: Eiertanz zwischen den Kulturen
Nachrichten Kultur „Was werden die Leute sagen?“: Eiertanz zwischen den Kulturen
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21:01 09.05.2018
Moment der Freiheit: Daniel (Isak Lie Harr) und Nisha (Maria Mozhdah). Quelle: Foto: Pandora
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Hannover

Draußen in der Schule oder auf dem Sportplatz ist Nisha so streetsmart wie alle anderen auch. Aber zu Hause in der elterlichen Wohnung wird ihr Blick dunkel, das Lächeln mechanisch und die Welt sehr klein für die Tochter pakistanischer Einwanderer in Norwegen. Es ist ein Eiertanz, den die 15-Jährige täglich vollführt. So sieht man Nisha ständig zwischen diesen grundverschiedenen Welten navigieren und zwischen den Versionen ihres Ichs switchen.

Dieses ungewollte Doppelleben kann auf Dauer nicht gut gehen. Davon erzählt Iram Haq in ihrem zweiten Langfilm „Was werden die Leute sagen“.

Als der Vater die Tochter mit Daniel (Isak Lie Harr) beim Knutschen erwischt, kippt sein Stolz in Scham. Gewalt bricht sich Bahn. „Was werden die Leute sagen“: In der pakistanischen Exil-Gemeinde ist die Frage zur Leitlinie für botmäßiges Verhalten geworden. Da wird das öffentliche Ansehen zum Halt für eine verlorene Identität.

Plötzlich sitzt sie im Flieger nach Pakistan

Dass da eine junge Frau ihren eigenen Weg sucht, ist nicht vorgesehen in der nach außen angepassten, nach innen streng sich abschottenden Gesellschaft. Und während man die Traditionen der fernen Heimat konserviert, bleibt die Realität der neuen Heimat ausgesperrt.

„Er hat sein Land verlassen, aber nicht seine Gewohnheiten“, sagt Nisha einmal mit resignierter Nachsicht über ihren Vater. Aber die albtraumartigen Konsequenzen dieser Zerrissenheit erfährt sie erst, als sie im Flieger sitzt – auf dem Weg zu den Verwandten in Pakistan. Erst ist dort das Handy weg, dann brennt ihr norwegischer Pass. Und trotzdem findet Nisha zunächst rasch Zugang zu den fremden Geschwistern und dem neuen Leben.

Die norwegisch-pakistanische Filmemacherin erzählt hier auch ihre eigene Geschichte. Auch sie wurde als Kind von den Eltern gekidnappt und nach Pakistan verschleppt, Eheanbahnung inklusive. Mit dem Vater konnte sie erst wieder am Ende seines Lebens reden.

System der sozialen Kontrolle

Iram Haq zeigt das schonungslos und mit brutaler Direktheit, mischt Entwicklungsgeschichte und den Widerstreit der Kulturen. Es entsteht das Bild eines verstörenden Systems der sozialen Kontrolle, in dem Väter, Brüder und Onkel zu dessen gewalttätigen Sachwaltern werden und die meist namenlosen Ehefrauen deren willige Helferinnen. In dieser bigott verkorksten Gesellschaft dreht sich alles um die makellose Fassade und das öffentliche Ansehen. Aber auch das norwegische Sozialsystem bleibt hier fragwürdig als eine Parallelwelt: Es fehlen die Mittel, ernsthaft einzugreifen.

Die Kamera irrt durch die Wohnung, als suche sie nach einem Ausweg. Sie drängt die Figuren in Ecken und an die Wände, malt verschattete Bilder, die nicht wirklich verraten, was der Familie nicht ins Bild passt. Und nie scheinen äußere Wirklichkeit und das Innere der Figuren aus dieser Schizophrenie heraus zu finden. Es gibt viele verschlossene Türen und Gitter – und vom Dach des Hauses in Pakistan erscheint die Welt so flirrend bunt wie ein fernes Versprechen.

Zuweilen mögen die feinen Zwischentöne fehlen, mit denen Iram Haq in ihrem Debüt „Ich bin dein“ leichthändig das Leben zwischen den Kulturen porträtierte. Aber den Hauptdarstellern gelingt es doch, die Verwirrung sichbar zu machen. Maria Mozhdah tobt mit hinreißender Unbefangenheit durch Nishas jugendlich widerstreitende Gefühle. Und Adil Hussain lässt unter der Unnachgiebigkeit des Vaters eine Ahnung von hilfloser Verzweiflung aufscheinen. Eine rasante wie verstörend aktuelle Coming-of-Age-Geschichte.

Von Ruth Bender / RND

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