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„Firlefanz und Relevanz“

Berlin „Firlefanz und Relevanz“

Bücher, Fernsehen, Bühne – der Arzt und Entertainer Eckart von Hirschhausen ist der „Doktor der Nation“ und ein Phänomen

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Witziges aus der Welt der Medizin und der Wunder: Eckart von Hirschhausen

Quelle: Foto: Michael Zargarinejad

Berlin. Jetzt also auch noch ein Magazin. „Gesund leben“ heißt es, ist ein Ableger des „Stern“, und sein neues Aushängeschild heißt Eckart von Hirschhausen. Also Dr. Eckart von Hirschhausen, so viel Zeit muss sein. Dabei sollte man meinen, er hätte eigentlich schon genug zu tun.

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Bücher, Fernsehen, Bühne – der Arzt und Entertainer Eckart von Hirschhausen ist der „Doktor der Nation“ und ein Phänomen

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Hat er aber nicht. Talkshow, Samstagabendshow, Bücher für die Bestsellertische, Vorträge, Kolumnen, Bühnenprogramm – er wird offenbar nicht so schnell müde. Und die Menschen seiner auch nicht. Der Mann, der auf diversen Kanälen die Republik bespielt, der Millionen den Puls fühlt und in Zeiten der Auflösung und Zerfaserung so etwas wie einen Ruhepol darstellt, der muss über Reserven verfügen.

Der ist ein Phänomen.

Wer ist Eckart von Hirschhausen? Schwer zu sagen. Er hält nicht viel davon, Privates auf den Marktplatz zu tragen. Im Grunde hält er gar nichts davon und davon noch nicht mal die Hälfte.

Vor acht Jahren hat das mal sehr erstaunliche Formen angenommen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte da mit ihm reden wollen, aber dazu sollte es nicht kommen. Er habe erst „auf Monate“ keinen Termin finden können, schrieb die Zeitung. Und dann habe seine Managerin ein paar Bedingungen geschickt als „Voraussetzung für die Zusage zum Interview“: Es sollte keine private Frage gestellt und nichts Privates über ihn berichtet werden. Man erbat den kompletten Text vorher zur Autorisierung, nicht nur die Zitate. Von Hirschhausen oder das Management sollten den Text im Zweifel ändern dürfen. Und würde ein Fotograf mitkommen, möge man „doch bitte auch eine Maske“ mitbringen.

Eine Maske.

Es war von Hirschhausen nicht angenehm, als der Fall bekannt wurde. Ja, räumte er ein, es habe solch ein Schreiben gegeben. Aber da sei wohl jemand übers Ziel hinaus geschossen. Beim Vorgespräch mit dem „SZ“-Autor habe seine Managerin Böses geahnt: „die Bedingungen . . . schlechte Erfahrungen . . . Missverständnis . . . Anruf beim „SZ“-Autor, alles wieder gut“. Wer in ein öffentliches Amt gewählt werde, der müsse vielleicht Privates preisgeben, sagte er später. Er aber habe nun mal kein Amt.

Wer also ist Eckart von Hirschhausen? Als gesichert gilt, dass er vor 50 Jahren in Frankfurt geboren wurde. Er ist in Berlin groß geworden, fand schon als Jugendlicher Kabarett und Komik sehr interessant und war mal Deutscher Meister in der Kategorie „Allgemeine Zauberei mit Vortrag“.

Er hat Medizin studiert und ist in Fußgängerzonen und Varietés aufgetreten. Er hat als Arzt im Praktikum in einer Berliner Kinderklinik gearbeitet und, als die Übernahme unsicher wurde, auf seine Mutter gehört und Wissenschaftsjournalismus studiert.

Er arbeitete in der Branche, auch für den „Stern“, und wurde 2010 Fünfter bei der Wahl zum Wissenschaftsjournalisten des Jahres. Vor allem aber fand er ins Fernsehen, fand zu Jürgen von der Lippe und Harald Schmidt, zu Rudi Carrell. Er wurde bekannt, eine Größe, und er war gekommen, um zu bleiben.

Sein Durchbruch gelang, als er bei seinen Auftritten das Zaubern wegließ und aus dem Krankenhaus erzählte, sagte er. Da stand plötzlich nicht mehr nur der Komiker auf der Bühne, sondern auch ein mit magna cum laude promovierter Mediziner. Einer, dem die Menschen vertrauen. Der „Doktor der Nation“ (Eigenwerbung). „Firlefanz und Relevanz“, sagt er, das sei die Formel.

Mario Barth erzählt irgendwas, und die Leute lachen. Eckart von Hirschhausen erzählt irgendwas, und die Leute lachen auch. Oder staunen, je nachdem. Aber er kann das alles auch mit Fußnoten und Literaturverzeichnis belegen, wenn da jemand in Reihe 12, Platz 18 im Norwegerpullover aufstehen, den Finger heben und Zweifel anmelden sollte.

Hirschhausen macht Wissenschaftscomedy, medizinisches Kabarett. Im Grunde, sagt er, habe er das entwickelt – „ich war da sicher ein Pionier“ – und sei sehr stolz darauf. Er sei immer noch Arzt und nicht das schwarze Schaf der Medizin, sonder „eher der bunte Hund“, der zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit vermittelt. Und das überaus erfolgreich.

Als vor einem Jahr sein Buch „Wunder wirken Wunder“ die Bestsellerliste anführte sagte er: „Es ist Erntedankfest für das, was ich mir über 30 Jahre aufgebaut habe.“ Und auf die Frage nach der Konkurrenz kam die Antwort: „Es gibt keine.“ Fast zu beneiden, der Herr von Hirschhausen. Also der Herr Dr. von Hirschhausen. So viel Zeit muss sein.

Peter Intelmann

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