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Kultur Fixstern und Zentralbild der Künstlerkolonie
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00:05 18.02.2017
Paul Müller-Kaempf: „Der alte Schifferfriedhof in den Dünen“ (1893) REPRO: KUNSTMUSEUM AHRENSHOOP

„Mein Schifflein eilt behände dem letzten Hafen zu / Die Reise ist zu Ende, Es folgt die seelge Ruh / Ich sehe schon von weitem des Leuchtturms hellen Schein / Ich tat mich wohl bereiten, Ich fahr zum Frieden heim.“ Die Inschriften auf den Grabsteinen lassen erahnen, das hier Menschen ruhen, die mit der Seefahrt zu tun hatten. Aber auch Freilichtmaler der Künstlerkolonie wie Anna Gerresheim (1852-1921), Friedrich Wachenhusen (1859-1925) und Elisabeth von Eicken (1842-1940) haben neben Persönlichkeiten des Kulturlebens wie dem Hinstorff-Verleger Peter Emil Erichson (1881-1963) auf dem Schifferfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Paul Müller-Kaempffs Bild „Der alte Schifferfriedhof in den Dünen“ (1893)

Es macht also Sinn, das Gemälde „Der alte Schifferfriedhof in den Dünen“, das Paul Müller-Kaempff (1861-1941) im Jahr 1893 malte, als zentralen Fixstern der Kunstsammlung des Ahrenshooper Kunstmuseums zu bestimmen. Das Bild, eine Dauerleihgabe der Kunsthalle zu Kiel, hängt ebenso dauerhaft im zweiten Ausstellungssaal des Museums. Um dieses Zentralbild herum entwickelt Kuratorin Katrin Arrieta wechselnde Ausstellungen aus der Sammlung. Sie alle, die Ahrenshooper Maler, ob Carl Malchin, Anna Gerresheim, Elisabeth von Eicken, Friedrich Wachenhusen, Alfred Partikel, Hans Emil Oberländer, Dora Koch-Stetter gruppieren sich um die Mitte – Müller-Kaempffs Schifferfriedhof.

Der Friedhof wurde bereits 1873 angelegt. Müller-Kaempff muss zu dem Zeitpunkt, als er es gemalt hat, noch immer unter dem Eindruck des Erweckungserlebnisses gestanden haben. Als er 1889 mit seinem Berliner Malerfreund Oskar Frenzel das Fischerdorf Ahrenshoop von Wustrow aus wandernd, erblickte, war das für ihn wie die Entdeckung des Lichts. Paul Müller-Kaempff malte das berühmte Gemälde „Weiter Blick über Ahrenshoop“ im Jahr 1890, ließ sich an der Ostsee nieder und gründete die berühmte Künstlerkolonie.

Doch der Schifferfriedhof zeigt mehr als reine Landschaftsidylle in moderatem Impressionismusanklang. Katrin Arrieta spricht von der frühen „Vergänglichkeitsmetaphorik“, die es auch im Werk Carl Malchins (1838-1923) gegeben habe. Arrieta: „Die Grundidee von der Vergänglichkeit des Lebens deutete Müller-Kaempff assoziativ in der dunkel gekleideten Frauengestalt, die den Kranz zum Friedhof trägt.“ Katrin Arrieta weist darauf hin, dass sogar „kompositorisch eine Affinität“ zwischen Müller-Kaempffs frühem Hauptwerk, dem „Schifferfriedhof“, und Malchins Bild „Alte Kate an der Düne, Ahrenshoop“ aus dem Jahr 1890 existiere.

Das Bild des Friedhofs zeigt die typische Ostseevegetation in den Dünen mit harten Gräsern und wilden Blumen. Hinter einer Art Koppelzaun sind die weißen Kreuze der Schiffergräber zu sehen. Eine Frau, schwarz gekleidet mit dunkler Haube über dem Gesicht, trägt, leicht gebeugt, einen Blumenkranz zum Friedhof. In dieser Figur der trauernden Witwe wird die Symbolik der Einsamkeit und der Traurigkeit transportiert.

Müller-Kaempff-Biograph Friedrich Schulz sieht in dem Bild auch die Beschreibung des „Hinterbliebenenschicksals“ abgebildet. Der Maler hat nach seiner Ankunft in Ahrenshoop 1889 auch von einem Bild des „Friedens und der Einsamkeit“ gesprochen, das sich ihm in diesem Fischerdorf bot. In diesem Bild nun findet sich beides, wenn auch mit der Trauer gepaart.

Der Friedhof selbst existiert heute noch zwischen der 1951 erbauten Schifferkirche Ahrenshoop, dem „Romantik Hotel & Café Namenlos“ an der Dorfstraße und der Düne zum Bodden hin. Es wirkt deutlich zugebauter dort im Dreieck von Schifferberg, Paetowweg und Düne als noch im Jahr 1893. Aber die Idylle erschließt sich noch immer, wenn man sich von der Seite des Boddens her dem Friedhof nähert, der nun dicht von Ahornbäumen gesäumt ist.

Paul Müller-Kaempff, mit Fritz Grebe, Thuro Balzer, Friedrich Wachenhusen, Oskar Frenzel und Theobald Schorn seit Ende des 19. Jahrhunderts in Ahrenshoop, war nie auf Ostsee und Künstlerkolonie beschränkt. Der Maler wurde in Oldenburg geboren, ging als junger Mann zum Studium nach Karlsruhe und Berlin und wirkte auch außerhalb Ahrenshoops. Er gründete nicht nur das Künstlerhaus Lukas und den Ahrenshooper Kunstkaten, sondern 1905 mit seiner Frau und früheren Schülerin Else Müller-Kaempff den Oldenburger Kunstverein und trat 1907 der Vereinigung nordwestdeutscher Künstler und 1908 dem Hamburger Künstlerverein von 1832 bei.

Seine Bilder verkauften sich bis nach Südamerika und China. Heute sind seine Werke im Kunstmuseum Ahrenshoop, im Kulturhistorischen Museum Rostock, in Museen in Schwerin, Hamburg, Kiel, Berlin und in zahlreichen Privatsammlungen zu sehen. 1922 kehrte der Maler nach Berlin zurück, wo er auch zuvor sehr erfolgreich war. So zeigte er seinen „Schifferfriedhof“ 1893 in einer Berliner Ausstellung. 1926 veröffentlichte er in den „Mecklenburgischen Monatsheften“ seine „Erinnerungen an Ahrenshoop“. Paul Müller-Kaempff starb am 5. Dezember 1941 in Berlin, wo er auch begraben liegt.

Jubiläum: „125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop“ 24. 3. bis 2. 4.

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Am 25. März 2017 eröffnet das Ostseebad Ahrenshoop einen Kunstpfad. Die OZ stellt alle zehn Bilder jeweils samstags vor.

14. Januar: Paul Müller-Kaempff „Weiter Blick über Ahrenshoop mit Ziegenhirten und Fischern“ (1890)

21. Januar: Hugo Jäckel „Hohes Ufer“ (um 1910 bis 1915)

28. Januar: Hans Emil Oberländer „Dorfstraße Ahrenshoop (das Schulhaus)“ (1939)

4. Februar: Anna Gerresheim „Küste im Morgenlicht" (um 1910)

11. Februar: Fritz Grebe „Am Waldesrand – am Ahrenshooper Holz“

18. Februar: Paul Müller-Kaempff „Der alte Schifferfriedhof in den Dünen“ (1893)

25. Februar: Carl Malchin „Boddenblick mit Mühle“ (1893)

4. März: Elisabeth von Eicken „Dornenhaus im winterlichen Tauschnee“ (um 1893/94)

11. März: Dora Koch-Stetter „Das rote Haus in Althagen“ (1911)

18. März: Elisabeth von Eicken „Stimmung an der Fulge" (1914)

Michael Meyer

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