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00:05 01.02.2018
Der aus der Schweiz stammende Schriftsteller Jonas Lüscher am 30. Januar im Literaturhaus Rostock Quelle: Foto: Thorsten Czarkowski

Das war der letzte Termin der Literatour Nord 2017/18: Jonas Lüscher (41) las am Dienstagabend im Literaturhaus Rostock aus seinem Roman „Kraft“. Der Schriftsteller hat mit Richard Kraft eine Figur geschaffen, die zwar beruflich erfolgreich ist, aber in einer schwierigen (und teuren) Ehe festhängt. Um ihr und auch einem finanziellen Dilemma zu entfliehen, nimmt der Rhetorikprofessor ein ungewöhnliches Angebot an: Er reist in die USA, wo ein amerikanischer Milliardär eine wissenschaftliche Preisfrage ausgeschrieben hat. Sie steht in der Tradition von Gottfried Wilhelm Leibniz’ berühmtem Essay über die „beste aller möglichen Welten“. Richard Kraft soll begründen, weshalb alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können, Prämie: eine Million Dollar.

Das ist der Kern der Handlung, aber Jonas Lüscher hat auch einen philosophischen Roman geschrieben und wendet sich dabei politischen Fragen zu. Denn Richard Kraft ist in seiner wirtschaftsliberalen Haltung unter anderem der Politik der britischen Premierministerin Margaret Thatcher zugeneigt, die in den Siebzigern und Achtzigern regierte, auch Thatchers Weigerung, zu akzeptieren, dass so etwas wie die Gesellschaft überhaupt existiert. Dies war einer der Ausgangspunkte für das nachfolgende Gespräch, das der Rostocker Literaturwissenschaftler Lutz Hagestedt mit dem Schriftsteller führte.

Denn Jonas Lüscher hat nicht einfach einen Mann in eine Lebenskrise geworfen, er stellt die Handlung auch auf eine weltanschauliche Ebene. Und in Rückblenden beleuchtet der Autor die jüngere deutsche Geschichte. Aber Jonas Lüscher hat seine Romanfigur nicht autobiografisch gezeichnet, schon gar nicht in ihrer wirtschaftsliberalen Haltung.

Mit Jonas Lüscher ist die Lesereise der aktuellen Literatour Nord in Rostock beendet. Seit Oktober 2017 lasen außerdem Carmen Stephan, Mariana Leky, Jochen Schmidt, Michael Roes und Lukas Bärfuss in Hannover, Rostock, Oldenburg, Bremen, Lübeck und Lüneburg. Diese Lesereise ist ein Projekt von norddeutschen Kultureinrichtungen, Buchhandlungen, Universitäten, Hochschulen und der VGH-Stiftung. Sie stiftet den mit 15000 Euro dotierten Preis der Literatour Nord. Die Entscheidung über den Gewinner wird auf einer gemeinsamen Jurysitzung im Februar fallen.

Thorsten Czarkowski

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