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Kultur Flüchtlingskinder zeigen Talent
Nachrichten Kultur Flüchtlingskinder zeigen Talent
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00:00 11.11.2015
Noch 3Tage
Rostock

Wenn Kinder malen, herrscht mal hochkonzentrierte Stille, dann große Fröhlichkeit. Besonders lustig kann es werden, wenn die sprachliche Verständigung nicht so klappt. Immerhin: Der achtjährige Mohamed kann schon alle Farben auf Deutsch benennen, andere Kinder aus Syrien wie Roa (6) helfen sich, indem sie zeigen. Und wenn‘s richtig Spaß macht, muss hinterher — wie überall auf der Welt — der Pullover gewaschen werden.

Seit Mitte September läuft an der Kunstschule in der Rostocker Frieda 23 der Kurs „Art is human“, bei dem mehr als zehn Flüchtlingskinder einmal die Woche im Atelier zum Pinsel greifen. „Es ist sehr spannend, die Kinder sind aufgeschlossen, neugierig und bringen sich sehr gut ein. Einige haben wirklich Talent“, sagt Kunstpädagogin Irina Tschirner, die seit zehn Jahren an der Kunstschule arbeitet. Dass sich das Team für die Flüchtlinge engagiert, war für Geschäftsführerin Annette Winter sofort klar: „Wenn man sieht, wie viele Menschen nach Deutschland flüchten und was für eine gefährliche Reise sie hinter sich haben, berührt einen das. Mit den Malkursen möchten wir den Kindern, die alles zurücklassen mussten und ihr vertrautes Umfeld verloren haben, die Möglichkeit geben, das zu tun, was Kinder gerne tun.“

Bilder malen — für Winter ist das nicht nur eine Möglichkeit, ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen, sondern auch, die kindliche Gedankenwelt in individueller Sprache mitzuteilen.

Doch wer annimmt, dass sich in den Werken der Kinder das Trauma von Krieg und Flucht widerspiegelt, der irrt. „Es sind eher Bilder der Glücksseligkeit, die die Kinder malen. Sie malen sich als Prinzessin, einen Vogel, die Sonne, einen Regenbogen. Nachdem die Kinder ihr bedrohliches Umfeld hinter sich gelassen haben, scheint sich in den Bildern die Sehnsucht auf eine bessere Zukunft auszudrücken und die Hoffnung, dass es hier besser wird“, interpretiert Winter. „Für die Kinder ist der Kurs eine Möglichkeit, über Farbe, Gestaltung und Form ihre Gefühle rauszulassen“, hat auch Tschirner beobachtet.

Rund zehn Kinder im Alter zwischen sieben und 13 Jahren aus verschiedenen Ländern, darunter Syrien und Afghanistan, kommen einmal in der Woche für zwei Stunden in die Kunstschule. „Einige können schon Deutsch sprechen, andere nicht. Aber alle helfen sich gegenseitig. Der Vorteil an der Kunst ist, dass es eine universelle Sprache ist“, sagt Kunstpädagogin Angela Schneider. „Wir arbeiten viel mit Gestik, Mimik und Körperspannung“, fügt Tschirner hinzu.

Im Wechsel mit weiteren Dozenten betreuen beide ehrenamtlich die Flüchtlingskinder. „Sonst könnten wir so einen Kurs nicht machen, weil er in unserem Etat bisher nicht vorgesehen war“, sagt Winter.

Die Materialien werden durch Spenden finanziert. „Wir würden unser Engagement aber gern noch ausweiten und einen zusätzlichen Kinderkurs und einen Kurs für Jugendliche anbieten“, sagt die Leiterin der Kunstschule, die dabei vor allem junge Männer im Auge hat. „Die kommen zum Teil mit 15 Jahren allein nach Deutschland, gerade für diese Gruppe, die nach Zugehörigkeit sucht, gibt es meist wenig Angebote.“

Das zu ändern, dazu will künftig auch die Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG beitragen. In deren 23. Ausgabe werden an diesem Sonnabend in der Hochschule für Musik und Theater Rostock 56 Kunstwerke von 14 Künstlern versteigert. Der Erlös, der über das Künstlerhonorar hinausgeht, fließt in das Flüchtlingsprojekt der Kunstschule Rostock.

„Davon könnten wir beispielsweise Materialien kaufen, die wir uns im Moment nicht leisten können“, sagt Winter und blickt auf die farbigen hoffnungsvollen Bilder der Kinder. „Ihre Zuversicht ist eine gute Botschaft, sie ist wie eine Pflanze, die man hegen und pflegen muss.“

Bei der 22. Kunstbörse im vergangenen Jahr wurden 41 der insgesamt 52 angebotenen Kunstwerke verkauft. Dabei kam ein Rekordumsatz von 24040 Euro zusammen. 6653 Euro davon gingen an den Verein „Ferien für Kinder von Tschernobyl“.

Kunstwerke kommen unter den Hammer
Der Countdown läuft. Noch drei Tage bis zur 23. Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG. Am Sonnabend, 14. November, kommen in der Hochschule für Musik und Theater in Rostock insgesamt 56 Kunstwerke von 14 Künstlern aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und dem sächsischen Meerane unter den Hammer. Mit dabei auch das Ölgemälde „Altes Gehöft“ von der Rostocker Malerin Mechthild Mannewitz.
Tickets gibt es in allen OZ-Service-Centern und telefonisch unter ☎ 01802/381367.
Alle Bilder auf:

www.ostsee-zeitung.de/kunstboerse
14 Künstler dabei
An der 23. Kunstbörse der OSTSEEZEITUNG nehmen
in diesem Jahr insgesamt
14 Künstler teil.



Mit dabei sind die Künstler:

Helga Manowski und Mechthild Mannewitz aus Rostock, Tino Bittner und Krys Robertson aus Schwerin, Ramona Czygan und Hubert Schwarz aus Greifswald, Wulff Sailer und Nora Arrieta aus Berlin, Anne Hille aus Starkow), Dieter Prange aus Meerane in Sachsen, Annette Stüsser-
Simpson aus Langen Jarchow, Jan Witte-Kropius aus Neu
Karin, André von Uehm aus
Woserin und Franziska Hesse aus Linstow.
Schriftliche Gebote (bitte mit Adresse und Telefonnummer) bis zum 12. November an die OZ-
Kulturredaktion, Richard-Wagner-
Straße 1a, 18055 Rostock oder per Mail an: kunstboerse@ostsee-zeitung.de



Stefanie Büssing

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