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Flügelfeste in mageren Zeiten

Rostock Flügelfeste in mageren Zeiten

Die Norddeutsche Philharmonie in Rostock feiert ihre 120. Saison mit einer Konzertserie

Rostock. „Flügelfeste“ nennt sich die aktuelle Sinfoniekonzert-Saison der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Denn es ist ihre 120. Saison und das soll gefeiert werden.

Nicht mit einem spektakulären Jubiläumsevent. Die Festivität soll die ganze Saison durchziehen. „Eine Serie, in der das Orchester wie immer das ganze Jahr der Stadt zur Verfügung steht,“ sagt die Konzertdramaturgin Corina Wenke (53), „eine Saison, in der wir das tun, wofür wir da sind – aber in jedem Punkt mit besonderer Festlichkeit.“

So wird in jedem der kommenden Philharmonischen Konzerten ein großes beliebtes Klavierkonzert erklingen – von Chopin, Mendelssohn, Schumann, Reger, Brahms und Gershwin etwa, dazu solche von Schönberg und Schostakowitsch, gekrönt vom „Tripelkonzert“ Beethovens.

All das gespielt von Meisterpianisten wie Lars Vogt, Bernd Glemser oder Gerhard Oppitz – auch Florian Krumpöck wird wieder kommen – unter der Leitung jener bedeutenden Gastdirigenten, die hier in den letzten Jahren hervorragende künstlerische Akzente gesetzt haben.

Seit seiner ersten Saison 1897 hat das Stadt- und Theaterorchester, unter wechselnden Namen, mit stetig wachsendem Personal und zunehmender Qualität, über wechselnde geschichtliche Zeitläufte – in Kaiserreich, Weimarer Republik, Nazideutschland und DDR- Zeit – Jahr für Jahr den Rostockern die Gefilde der hohen klassischen Musik geöffnet.

Die „Wende“ von 1989/90, an der auch Musiker des Orchesters mutig und tatkräftig mitgewirkt haben, wurde zu einem neuen Startpunkt – als Befreiung aus subventionsgeschützter ideologischer Gängelung zu einem marktwirtschaftlich basierten demokratischen Kulturbetrieb. Dabei haben sich nicht alle Erwartungen eingelöst. 1997 feierte die Norddeutsche Philharmonie ihr 100. Jubiläum noch unter dem Motto „90 werden 100“, weil sie damals noch 90 Planstellen hatte. Jetzt sind es nur noch 73, obwohl das Orchester, mit finanziellem Verlust für die Musiker, 2014 einen Haustarif-Vertrag abgeschlossen hat, der, wie Hans-Michael Westphal (56), Solofagottist und Orchesterdirektor, formuliert, „den Spagat zwischen der Senkung der Personalkosten und der Sicherung der künstlerischen Qualität des Orchesters, besonders der Verjüngung durch Neubesetzungen, ermöglichen sollte.“ Durch die permanenten Sparzwänge ist das Orchester mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren deutlich überaltert.

„Aber das, was eingetreten ist, war nicht nur negativ“, erinnert sich Corina Wenke. Dazu gehöre die künstlerisch-musikalische Entwicklung der Philharmonie. Westphal resümiert: „Das Orchester ist deutlich besser als in den 80er Jahren“. Dazu gehört endlich ein neuer Probenraum im „Haus der Musik“, aber die Aufführungsbedingungen im Großen Haus des Rostocker Volkstheaters sind immer noch unangemessen wie zu DDR- Zeiten. Dazu gehört vor allen Dingen eine neue Vielfalt und Breite des Konzertbetriebes. Die Philharmonie gibt rund 70 Konzerte mit 33 verschiedenen Programmen in der Saison, bei nur 40 Musiktheater- Vorstellungen. Wenke sagt: „Im Vergleich zu anderen Viersparten- Theatern ist bei uns der Konzertbetrieb stärker ausgeprägt“. Damit erreicht sie gut 37000 Zuhörer, was gegenwärtig immerhin fast 40 Prozent aller Theaterbesucher sind.

Die notwendige Verjüngung versuchen die Philharmonie und ihre Unterstützer durch eine Orchesterakademie zu erreichen, die durch eine großzügige anonyme Spende im unteren sechsstelligen Bereich möglich geworden ist. Es gibt weitere Hoffnungszeichen. Dennoch sieht die Zukunft nicht nur rosig aus, wenn auch nicht finster-schwarz. „Wir arbeiten daran“, versichert Orchesterdirektor Westphal. So mag denn die Philharmonie nicht nur in dieser Fest-Saison flügelfest bleiben und nicht flügellahm werden.

Heinz-Jürgen Staszak

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