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Frauenbilder zwischen Sehnsucht und Mystik

Ahrenshoop Frauenbilder zwischen Sehnsucht und Mystik

Das Dornenhaus Ahrenshoop zeigt Arbeiten der Hannoveraner Malerin Gina Gass und der Restauratorin und Grafikerin Katrin Lau aus Baumgarten

Ahrenshoop. Das Licht ist noch frühlingsmild. Im Dornenhaus, dem mehr als 350 Jahre alten Rohrdachhaus in Ahrenshoop am Wallgraben zwischen Bodden und Ostsee, scheint die Mittagssonne zwischen dem Panoramafenster des alten Scheunentores und der Eingangstür hindurch. Dazwischen sortieren sich Frauenbilder. Mal mild. Mal geheimnisvoll. Mal traurig. Oft sehnsüchtig.

Galeristin Renate Löber (65) hat zwei Künstlerinnen zusammengepackt, die auf den ersten Blick sehr gegensätzlich scheinen, sich aber doch sehr nahe sind — wenn auch mit dominanten Differenzen. Gina Gass (69) und Katrin Lau (60). Malerei und Plastik, auch mal Grafik. Hier schaut uns eine „Dame in lila“ neugierig an. Dort erinnert eine „Schwebende“ sehr frech an Barlachs schwebenden Engel.

Harlekine tanzen gedankenversunken durch den Raum. Eine „Frierende“ schaut etwas unsicher. Ein „Blauer Akt“ leuchtet im Kabinett, ein „Rotes Kleid“ hängt vergessen an einem Schrank.

Renate Löber arbeitet mit Intensität an ihren Ausstellungen, backt Kirschkuchen, Pflaumenkuchen, Streuselkuchen für die Vernissages, läuft spät abends noch mal durch die Räume, um Bilder umzuhängen, wenn andere längst denken, alles sei schick, fein, schön. Jetzt freut sie sich über ihren Mix. Mal wieder: „Es ist mir, glaube ich, gelungen, beide angemessen zur Geltung kommen zu lassen.“

Gina Gass wurde 1946 in Köln geboren, die Familie wechselte 1948 nach Ost-Berlin, ihr Vater war Dokumentarfilmer in der DDR. 1975 zieht sie als Malerin nach Schwedt zu ihrem künstlerischen Lehrer Eberhard Hückstädt, ihrem späteren Ehemann. 1984 reist die Familie nach Hannover aus, wo sie nun lebt. Ihre Bilder, sagt Renate Löber, seien immer Fragen. Gina Gass wirft den Menschen aufs Existenzielle zurück. Die Brüche der Biographie zeigen sich in den Bildern. Renate Löber: „Aber sie deutet nur an, bietet keine fertigen, komplexen Bildaussagen. Die Symbolhaftigkeit der Harlekine, die Folienhaftigkeit der schlanken, leptosomen Gestalten, die auch schön sind.“ Schöne Frauen, verstörend, mystisch, stolz. Die Farbigkeit kam erst nach ihren Studienreisen nach Italien, Spanien, Frankreich in die Bilder hinein. Die Landschaft ist nur Folie.

Und da sei der Bogen zu Katrin Lau, so Löber. Die Mecklenburgerin ist in Nordhausen geboren, aufgewachsen in Bad Doberan. Ihr Vater Klaus Grösche baute die Fachschule für angewandte Kunst in Heiligendamm mit auf. Katrin Lau studierte Denkmalpflege, lebte, lernte und arbeitete in Berlin, Schwerin, Dresden. Jetzt lebt sie in einer Alten Molkerei in Baumgarten zwischen Bützow und Warin.

Ihre Plastiken weisen weniger Brüche auf. Aber was sie mit Gina Gass verbindet, ist die Sehnsucht im Ausdruck. Die Frauenbilder von Katrin Lau sind der Schönheit verhaftet.

Auch ihre Frauen sind geheimnisvoll, aber weniger verstörend, immer ein wenig ins Überindividuelle gesteigert. Sie gönnt dem Betrachter verschiedenste ästhetische Sequenzen — mal ernsthaft, mal lieblich, mal kindlich, auch frivol. Immer sehnsüchtig.

Gina Gass ist eine unverbogene Persönlichkeit, die nicht immer gefallen muss, nicht immer verstanden werden muss. Katrin Lau ist eine unverbogene Persönlichkeit, deren Kunst die guten Sseiten des Menschen anzurühren vermag,die den Menschen menschlicher machen könnte. „Beide sind beobachtende Künstlerinnen“, sagt Renate Löber. „Gute Beobachter aus der Distanz, aber nie distanziert. Und damit kommen sie dem Betrachter auch schon wieder nahe.“

 



Michael Meyer

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