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00:05 11.12.2017
Kunstpreisträger Felix Baxmann in der Rostocker Kunsthalle vor seinen Zeichnungen. Quelle: Foto: Ove Arscholl

Felix Baxmann gewann am Samstag den Rostocker Kunstpreis 2017. Der 30-Jährige, geboren in Ludwigsfelde, heute in Berlin lebend und mit Wurzeln in Mecklenburg-Vorpommern, habe trotz seiner Jugend bereits eine große zeichnerische Meisterschaft erreicht, hieß es aus der Fachjury, die den Preisträger in vier Wahlgängen ermittelt hatte.

Felix Baxmann nahm den Rostocker Kunstpreis 2017 für Handzeichnung entgegen

Die Auszeichnung mache ihn stolz und glücklich, sagte Baxmann nach der Preisverleihung am Samstag in der Kunsthalle Rostock. Der mit 10000 Euro dotierte Preis war in diesem Jahr für Handzeichnung ausgelobt, 74 Künstler hatten sich beworben, die Jury hatte neben Baxmann auch Nils Dicaz, Ramona Seyfarth, Barbara Camilla Tucholska und Christin Wilcken für die Endrunde ausgewählt. Die Werke der fünf Nominierten sind bis zum 7. Januar in der Kunsthalle ausgestellt und bieten einen interessanten und vielgestaltigen Überblick über Möglichkeiten und Wege moderner Zeichenkunst heute.

Die Werke des Preisträgers entstehen in einem Prozess, der ohne vorausgegangenes Denken abläuft und frei den Gefühlen, Gedanken oder forschender Neugier folgt. Unter Baxmanns ausgestellten Bildern, alle aus den letzten beiden Jahren, alle ohne Titel und lediglich mit einer Bezeichnung zur Technik versehen, ist eines, das er mit Handbohrmaschine und Buntstift schuf. Die Handbohrmaschine gewährleistet, dass auch das eine Handzeichnung ist.

Dass die Zeichnung auf dem gegenwärtigen Kunstmarkt wenig Aufmerksamkeit findet und eher im Verborgenen blüht, darauf verwies der Künstler, Galerist und Kurator Norbert Weber in seiner Laudatio als Jury-Mitglied. Auf seiner Suche nach Methoden, wie Zeichenkunst auf sich aufmerksam macht, um aus der „Wunderkammer“ herauszukommen, diagnostizierte in der Ausstellung den Einsatz von „mixed media“

und dabei zwei Extrem-Positionen. Die eine stützt sich als pure Zeichnung auf die Linie, vertreten durch eindrucksvolle Zeichnungen von Barbara Camilla Tucholska. Als den „Antipoden“ zu dieser Möglichkeit der darstellenden Linie charakterisierte er den Preisträger Felix Baxmann. Bei dem folge die Linie nicht einem Gedanken oder darstellerischer Absicht, vielmehr sei sie „direkter Ausdruck von Emotionen“. Baxmanns Kunst zu erfahren, sei nicht mehr möglich über Deutungen, betonte der Laudator und forderte die Betrachter auf, sich mit Zeit und Geduld auf die Bilder einzulassen. Zeit und Geduld – das hatte das Publikum des Preisverleihungs-Abends zuvor in anderer Hinsicht bewiesen. Zwar sorgte die Norddeutsche Philharmonie in Kammerorchesterbesetzung mit zwei Händel-Sätzen für festlichen Schwung. Doch zu den Sonderbarkeiten der Rituale unserer Kulturszene gehört, dass Kunstpreise nicht nur die Preisträger schmücken, sondern nicht minder – und manchmal scheint‘s: noch mehr – die Vergeber des Preises. So musste sich das Publikum sehr lange gedulden bis zur Bekanntgabe des Gewinners, nahm tapfer zur Kenntnis, wie der Begrüßungs-Applaus für jedes anwesende Mitglied des Bundestages, des Landtages, der Landesregierung und der Stadtveraltung erzeugt wurden, wie Danksagungen, Lob und Komplimente für kulturpolitisches Engagement hin und her flogen.

Hervorhebenswert davon, dass der Verein „Freunde und Förderer der Kulturstiftung Rostock“, der den jährlich mit der Hansestadt und der Provinzial-Versicherung vergebenen Preis ins Leben gerufen hatte, nun das Preis-Dutzend vollgemacht hat, wie der Vereinsvorsitzende Prof. Wolfgang Methling mitteilte. Mit den zwölf Auszeichnungen wurden bisher 120000 Euro an Künstler vergeben, bereitgestellt von der Provinzial-Versicherung. Und die ist, so kündigte Provinzial-Vorstand Matthew Wilby an, auch nächstes Jahr wieder mit dabei.

Preisträger Felix Baxmann

Felix Baxmann wurde 1987 in Ludwigsfelde geboren, wohnt heute in Berlin. Teile seiner Kindheit und Arbeitsaufenthalte hat er auf dem Fischland und dem Darß verbracht. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter für Ton und Bild studierte er ab 2012 Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, ab 2015 an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Mark Lammert fort, dessen Meisterschüler er wurde.

Ausstellung der fünf Nominierten in der Kunsthalle Rostock

bis zum 7. Januar, Dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Dietrich Pätzold

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