Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° stark bewölkt

Navigation:
Frido Mann besucht Lübecker Exil-Schau

Lübeck Frido Mann besucht Lübecker Exil-Schau

Frido Mann wurde 1940 im Exil geboren. Jetzt besucht er in Lübeck eine Ausstellung über das Exil der Familie Mann. Das Leben im Ausland war auch für den Enkel eine besondere Situation.

Lübeck. Das Leben im Exil hat die gesamte Familie Mann nachhaltig geprägt. „Es war eigentlich immer ein Thema, und auch ich als kleiner Junge habe die Besonderheit der Situation unbewusst gespürt“, sagte Frido Mann, der Lieblingsenkel Thomas Manns, am Dienstag im Lübecker Buddenbrookhaus.

Der Schriftsteller und Psychologe besuchte die Ausstellung „Fremde Heimat“, die sich mit dem Exil der Familie Mann beschäftigt. Die Familie war mit Beginn der Nazi-Diktatur ausgewandert und lebte von 1933 bis 1952 in Frankreich, der Schweiz und den USA. „Besonders Heinrich und Klaus Mann haben unter dem Exil gelitten und wie viele Emigranten nach ihrer Rückkehr nicht richtig in die Heimat zurückgefunden“, sagte Mann.

Fridolin, genannt Frido, wurde 1940 in Monterey im US-Bundesstaat Kalifornien geboren. Sein Vater Michael (1919-1977) war das jüngste Kind von Thomas und Katja Mann. Da die Eltern sich wenig um Frido und seinen jüngeren Bruder Toni kümmerten, waren die Kinder häufig bei ihren Großeltern, die nach ihrer Rückkehr aus den USA 1952 wieder in der Schweiz lebten. „Ich habe mit meinem Großvater viel über die Zeit des Nationalsozialismus und des Exils gesprochen“, sagte Frido. Was jener berichtete, habe ihn in seiner Meinung über die Zeit nur bestärkt, ergänzte der Enkel.

In seinem im Exil entstandenen Roman „Doktor Faustus“ hat Thomas Mann seinen Enkel Frido, das „göttliche Kind“, in der Figur des Knaben Echo verewigt. Im Roman stirbt das Kind allerdings einen qualvollen Tod durch Hirnhautentzündung.

Nach Ende des Krieges entschloss sich die Familie Mann nur zögernd, nach Europa zurückzukehren. „Mein Großvater wollte weg aus den USA, aber er wollte unter keinen Umständen zurück nach Deutschland. Die Bundesrepublik Deutschland und Bundeskanzler Adenauer waren ihm fremd“, sagte Frido Mann. „Auch ich selbst habe lange gezögert und erst vor etwa fünf Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten“, sagte er. Heute lebt Mann in München.

Für eines seiner Bücher war Frido vor einiger Zeit in der ostböhmischen Stadt Prosec (Tschechien), in der die Manns nach ihrer Ausbürgerung aus Deutschland registriert wurden. „Der Bürgermeister der Stadt hatte damals den Plan, eine Städtepartnerschaft mit Lübeck zu schließen - als Partnerschaft zwischen den beiden Heimatorten der Manns gewissermaßen. Aber daraus ist bis jetzt leider nichts geworden“, sagte er.

Auch heute müssten wieder viele Menschen ihre Heimat verlassen und Zuflucht in der Fremde suchen, sagte der Mann-Enkel. „Doch im Vergleich zu den 1930er Jahren sind die Unterschiede zwischen Europa und den USA heute viel geringer, so dass die Umstellung viel leichter fällt als früher.“

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Mainz

„Tatort“-Schauspieler Felix Klare hat sich einen seiner Filme in einer „Tatort“-Kneipe angeschaut - und seine Wahl direkt bereut.

mehr
Mehr aus Kultur
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.