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Fromm und militant zugleich

Rostock Fromm und militant zugleich

In der Nikolaikirche erklang am Sonnabend, aufgeführt von der Rostocker St.-Johannis-Kantorei, das Oratorium „Judas Maccabaeus“ (1747) von Georg Friedrich Händel.

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Heinz-Jürgen Staszak über Händel-Oratorium in Rostock.

Rostock. Dieses gilt als eines seiner populärsten Oratorien, zumindest in England, und dennoch war es vermutlich eine Rostocker Erstaufführung.

Beides liegt möglicherweise an seiner nationalpatriotischen Patina als Huldigungsmusik im biblischen Gewand für einen militärischen Sieg der englischen Anglikaner über schottische Katholiken — wortreich, mit reflektorisch aufgeweichter Dramaturgie, aber zugkräftigen musikalischen Höhepunkten: fromm und militant zugleich.

St.-Johannis-Kantor Markus Johannes Langer war offenbar bestrebt, den patriotisch-triumphalen Charakter zurückzudrängen zugunsten einer „Verkündigungsmusik“ mit Gotteslob und -zuversicht. Dazu rückte er seine Gestaltung in den Horizont der historischen Aufführungspraxis, mit dem Rostocker Instrumentalensemble „Musica baltica“, das mit seinen historischen Instrumenten einen unpompösen filigranen Klang von feiner Farbigkeit erzeugte. Und damit wurde das erfahrene renommierte Solistenquartett in seiner melodisch erwärmten, koloraturreichen barocken Klangrede wirkungsvoll unterstützt: Bettina Pahn (Hamburg) mit ihrem geschmeidigen, aufblühenden Sopran, Anette Markert (Halle) mit ihrem dramatisch eingefärbten Alt, die beide auch in ihren zahlreichen Duetten zu ausdrucksvoller Gemeinsamkeit fanden, dazu der geradlinige Bass Gotthold Schwarz (Leipzig) und — neu in diesem Kreise — der energische, leicht metallisch glänzende Tenor Hans-Jörg Mammel (Freiburg). Sie — das Orchester und die Solisten — waren es besonders, die die fast meditative Seite des Oratoriums in den Vordergrund rückten.

Die handlungstragenden Chorpartien führte Langer mit dem riesigen Figuralchor der Kantorei aus, der hier zum ersten Mal mit einem Originalklangensemble musizierte, was dennoch leichte stilistische Differenzen ergab. Aber die Güte dieses Chores, seine dynamische Geschmeidigkeit und musikalische Intensität überspielten dies und rundeten die Aufführung zu einem eindrücklichen Erlebnis ab.

OZ

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