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„Früh aufstehen, nicht aufgeben“

Lübeck „Früh aufstehen, nicht aufgeben“

Die Deutsche Filmakademie zeichnet Kinoproduzentin Regina Ziegler für ihr Lebenswerk aus – ein Gespräch über ihr Geschäft, Lebenslust und Udo Jürgens

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Die kurzen roten Haare sind ihr Markenzeichen: Regina Ziegler (72), erfolgreichste deutsche Filmproduzentin, wird heute für ihr Lebenswerk geehrt.

Quelle: Karin Kohlberg

Lübeck. Berlin Sie ist seit 1972 Filmproduzentin und räumte vom Bundesfilmpreis bis zum Grimme-Preis so ziemlich alle großen Preise ab. Mehr als 400 Filme hat Regina Ziegler produziert – vom Tatort bis „Weißensee“. Heute zeichnet die Deutsche Filmakademie die 72-Jährige für ihr Lebenswerk aus.

Frau Ziegler, wir reden am Telefon: Wo stecken Sie gerade?

Regina Ziegler: Auf Mallorca. Ich bereite die Dreharbeiten für den ZDF-Film „Von Erholung war nie die Rede“ nach dem Roman von Andrea Sawatzki vor. Der erste Teil „Tief durchatmen, die Familie kommt“ hatte 6,5 Millionen Zuschauer. Bei so viel Erfolg sollte es eine Fortsetzung geben. Ich habe Mallorca als Drehort ausgesucht, und alle waren sofort dafür.

Was machen Sie auf Mallorca?

Ziegler: Ich führe Verhandlungen mit den Besitzern der verschiedenen Drehorte.

Sie reisen viel an Drehorte – weil Sie Angst haben, dass die Filmemacher zu viel Geld ausgeben?

Ziegler: Nein, so sind die meisten Regisseure nicht. Ich fahre auch nicht zu jedem Drehort. Zum Beispiel dreht Volker Schlöndorff gerade in New York „Return to Montauk“ mit Nina Hoss, Susanne Wolff und Stellan Skarsgård. Da freue ich mich auf die Dreharbeiten in Berlin. Es ist aber auch nicht leicht, Kunst und Kasse in Übereinstimmung zu bringen. Qualität kostet oft mehr, als Budgets hergeben.

Schaut eine Produzentin immer nur aufs Geld?

Ziegler: Ich habe in erster Linie nie aufs Geld geguckt, sondern auf Qualität. Natürlich schaut eine Produzentin täglich auf die Muster. Wenn ich den Rohschnitt sehe, weiß ich, ob er gelungen ist.

Wie haben Sie sich über 43 Jahre Ihre Begeisterung bewahrt?

Ziegler: Das hat mit meiner Lust am Leben zu tun.

Wie war das damals, so ganz allein unter Männern?

Ziegler: Ich bin ausgesprochen skeptisch beäugt worden. Aber dann habe ich gemerkt, dass die Männer mich gut leiden können. Der Regisseur Ulrich Schamoni hat gesagt: Die Ziegler ist wie ein Silberstreif am Männerhorizont. Geholfen hat mir, dass schon mein erster Film „Ich dachte, ich wäre tot“ 1973 für Furore gesorgt hat.

Und heute? Leben wir im Goldenen TV-Zeitalter?

Ziegler: Kommt drauf an. Wenn Sie das Binge Watching von Serien meinen, ja. Für mich ist Fernsehen interessant, wenn es Geschichten zeigt, die mich betreffen und berühren.

Das können auch Serien sein.

Wie oft berührt Sie denn ein Film?

Ziegler: Eigentlich immer. Ich denke etwa an „Der Mann mit dem Fagott“, „Weissensee“, „Im Schatten der Macht“ oder „Der Verleger“. Oder nehmen Sie „Kommissarin Heller“, die jüngste ZDF-Folge hatte sieben Million Zuschauer.

Hat das Kino Zukunft?

Ziegler: Wenn ich nicht daran glauben würde, würde ich keine Kinofilme produzieren. Dann würden meine Tochter Tanja und ich auch kein Kino besitzen. Wir betreiben die „Filmkunst 66“ in Berlin.

Sie lehren auch an der Filmuniversität Babelsberg: Welches ist Ihr wichtigster Rat für Studierende?

Ziegler: Ich mache ihnen klar, dass Produzieren Teamarbeit ist und dass die Bretter in diesem Geschäft besonders dick sind. Man braucht Fantasie und Geduld, Ideen und ein Gefühl für Routine.

Also: früh aufstehen, professionell arbeiten, nicht aufgeben!

Sie haben viele Preise gewonnen. Zählen Sie Ihre Auszeichnungen?

Ziegler: Ich zähle nicht meine Preise, ich zähle lieber meine Produktionen. Und da bin ich bei 492.

Erinnern Sie sich an einen besonders bewegenden Moment Ihrer Karriere?

Ziegler: Als ich das Leben von Udo Jürgens verfilmt habe, wollte Udo zwischendurch aufgeben. Es ist kompliziert, eine Familiengeschichte zu verfilmen, wenn die Familie noch lebt. Am liebsten hätte er die Filmrechte von „Der Mann mit dem Fagott“ zurückgekauft.

Aber als wir bei der Rohschnittabnahme in Hamburg zusammensaßen, haben wir schließlich Händchen gehalten, und er hatte feuchte Augen.

Interview von Stefan Stosch

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