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„Fünf Deutschland und ein Leben“: Historiker Fritz Stern ist tot

München/New York „Fünf Deutschland und ein Leben“: Historiker Fritz Stern ist tot

. Professor, Ausnahme-Historiker, Brückenbauer: Fritz Stern war ein „nationaler Schatz“.

München/New York. . Professor, Ausnahme-Historiker, Brückenbauer: Fritz Stern war ein „nationaler Schatz“. Vor den Nazis in die USA geflohen, machte er dort Karriere und setzte sich doch lebenslang für Deutschland ein. Jetzt ist Stern im Alter von 90 Jahren gestorben. Er sei gestern friedlich zuhause in New York eingeschlafen, teilte eine Sprecherin des Verlags C.H.Beck in München mit. Stern gehörte zu den berühmtesten Historikern der Gegenwart. Seine Geschichtswerke wurden zu Klassikern des Fachs, seine Memoiren „Fünf Deutschland und ein Leben“ zum Bestseller. Der Historiker reist darin von der Weimarer Republik und von Nazi-Deutschland in die Nachkriegs-Bundesrepublik, die DDR und letztendlich ins vereinte Deutschland. Bei der Schaffung eines vereinigten und demokratischen Europas habe Deutschland eine „zweite Chance“ bekommen, sagte Stern gerne. 1989 sei das „glücklichste Jahr eines grausamen Jahrhunderts“ gewesen.

1926 wurde Stern in Breslau in eine traditionsreiche Arztfamilie jüdischer Abstammung hinein geboren. 1938 floh die Familie nach New York. Stern studierte an der Columbia Universität und wurde dort schließlich Professor. Er forschte über die Geschichte des modernen Europa im 19. und 20. Jahrhundert, insbesondere die Entstehung des Nationalsozialismus, und veröffentlichte dazu zahlreiche Werke. Stern, der in zweiter Ehe mit der Autorin Elisabeth Sifton verheiratet war und aus seiner ersten Ehe zwei Kinder hat, galt als großer Kenner Deutschlands – fühlte sich aber „als amerikanischer Bürger“.

Sein Leben lang setzte er sich für Deutschland ein. 1990 überzeugte er sogar die britische Premierministerin Margaret Thatcher, dass man vor einem wiedererstarkenden Deutschland keine Angst zu haben brauche. Der frühere US-Botschafter in Deutschland, Richard Holbrooke, nannte ihn einmal einen „lebenden nationalen Schatz“. Bis zuletzt arbeitete Stern und meldete sich in der Öffentlichkeit zu Wort.

Nur wenige Monate vor seinem Tod warnte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur angesichts des Rechtsrucks in vielen europäischen Ländern vor einem bevorstehenden „Zeitalter der Angst“. „Ich habe mich manchmal beschwert, dass ich aufgewachsen bin mit dem Ende einer Demokratie und jetzt, am Ende des Lebens, die Kämpfe um die Demokratie noch einmal erleben muss. Eigentlich eine traurige Bilanz.“

Der frühere Professor der Columbia Universität in New York wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet und war mehrfacher Ehrendoktor.

OZ

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