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Fünf Sterne: Über Leben im Hotel

Ahrenshoop Fünf Sterne: Über Leben im Hotel

Hotel „The Grand“ Ahrenshoop zeigt Schau von Annekatrin Hendel (52) und Ines Rastig (1965-2016)

Ahrenshoop. Im Februar noch sagte sie in Ahrenshoop im Hotel „The Grand“ der OZ: „Das Schicksal hat plötzlich zugeschlagen und mein Leben verändert. Dass ich jetzt hier sein kann, ist für mich wie Glück im Unglück.“ Jetzt ist Ines Rastig tot. Sie starb am 14. Mai 2016. Im November 2015 hatte sie die Diagnose erhalten, die ihr Leben veränderte: Lungenkrebs.

Die Ärzte sprachen von Wochen, nicht von Monaten oder gar Jahren.

Für die Filmemacherin Annekatrin Hendel (52) war da bereits klar, dass sie ihre Freundin, die sie seit 33 Jahren kennt, in der ihr verbleibenden Lebenszeit begleiten wird. Hendel, die 2013 den Grimme-Preis für den Dokumentarfilm „Vaterlandsverräter“ erhielt und von der Filme stammen wie „Fassbinder“ und „Anderson“ – über den Regisseur Rainer Werner Fassbinder und über den Stasi-Spitzel Sascha Anderson – , bewarb sich für das erste Stipendium im Grand Hotel Ahrenshoop – „The Grand Stipendium“ – und wollte ihre Freundin mitnehmen. „The Grand“ vergibt seit diesem Jahr zwei je einmonatige Hotelaufenthalte für Künstler. Hendel: „Im Januar hab’ ich Ines einfach mitgebracht und der Hoteldirektor hat das zugelassen. Ich find’ das immer noch grandios. Echt der Wahnsinn!“ Das Ahrenshooper Hotel gewährte der schwer kranken Ines Rastig sogar Aufenthaltsrecht auf Lebenszeit.

Ines Rastig war ein Multitalent. Fotografin, Malerin, Sängerin, Performance-Regisseurin, Kostüm- und Szenenbildnerin. Annekatrin Hendel sagt über sie: „Sie hat gemalt, fotografiert, in Bands gesungen, Theaterprojekte gemacht. Sie war immer schon, auch zu DDR-Zeiten, eine Vordenkerin, hat sich aber immer mehr zurückgezogen.“ In Ahrenshoop beschlossen die Frauen, nicht, wie geplant, ein Drehbuch zu schreiben, sondern mehr zu machen. Annekatrin Hendel: „Wir sind angekommen und haben gesagt: Wir machen eine Ausstellung, ein Buch und einen Film. Auch in dieser Reihenfolge.“

Die Fotoausstellung mit Arbeiten von Ines Rastig (1965-2016) ist nun im „The Grand“ zu sehen. Sie läuft bis 26. September. Eine Platte mit fünf Arbeiten aus dem Hotel unter dem Titel „Be water my friend“, dazu Porträts, Selbstporträts, Landschaftsausschnitte mit Vögeln im Baum oder der Ostsee vor Ahrenshoop – Rastigs Arbeiten wirken wie menschliche Stillleben. Ihr Lieblingskellner, ein Pianist, Selbstporträt mit Eis. Dazu hat Hendel ein Sonnenuntergangsfoto ihrer Freundin inszeniert und einen beeindruckenden Fotografienfries mit 2000 Bildern. Ines Rastig sagte dazu: „Die Bilder erzählen eine Geschichte, aber die Geschichte ist frei.“Annekatrin Hendel sagt: „Diese Ausstellung ist ein Anfang.“ Die Schau zeige Arbeiten einer verstorbenen Künstlerin, die es bewusst immer verhindert habe, dass sie ausgestellt wird. Hendel: „Dieses hier war das Mal erste, wo sie gesagt hat, sie will das. Hier war sie das erste Mal bereit dazu. Und da wird noch vieles folgen.“ Die Ausstellung habe der neu gegründete Ines- Rastig-Freundeskreis organisiert. Künstlerische Trauerbewältigung.

Gerlinde Creutzburg, Direktorin des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop, sagt über Ines Rastig: „All ihre Werke sind geprägt von großer Fantasie, von Selbstbewusstsein und Eigenwilligkeit. Immer sind ihre Werke geprägt von großer Poesie, von Humor, aber auch von Trauer und Verlust. Sie bestand auf ihrer eigenen Sphäre von Raum und Zeit, wo alles Bild wurde.“

Mit dem Künstlerhaus Lukas und den Stipendiaten dort haben Ines Rastig und Annekatrin Hendel von Januar bis Mai eng zusammengearbeitet. Die Filmemacherin hatte 2014 während eines Autoren-Stipendiums im Künstlerhaus ihren Film „Fassbinder“ vorbereitet und der Kontakt zu Gerlinde Creutzburg war nie abgerissen.

Michael Meyer

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