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Kultur Drohnenflug über Pyramiden: Künstler riskiert lange Haftstrafe
Nachrichten Kultur Drohnenflug über Pyramiden: Künstler riskiert lange Haftstrafe
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22:03 27.11.2018
Der belgische Künstler Boccanegra vor den Pyramiden von Gizeh – auf einer der Spitzen hat er ein kleines Päckchen hinterlegt. Quelle: Justine Cappelle
Cairo

Ein kleines Päckchen nur, eingepackt in groben Leinen, umwickelt mit robustem Bindfaden. In jenem altertümlich wirkenden Bündel ist nicht weniger enthalten als die Grabschrift der Menschheit, „The epitaph“, wie sie der belgische Künstler Boccanegra, mit bürgerlichem Namen Floris Caes, genannt hat. Darin befindet sich eine Scheibe aus Aluminium mit einigen Zeilen, gerichtet an fremde Wesen der Zukunft, wenn die Menschheit also längst untergegangen ist. Und welcher Ort könnte bei einer derart großgedachten Nachricht besser aufbewahren als – genau, die Spitze einer der größten Pyramiden von Gizeh, die ohnehin bereits 4500 Jahre überdauert haben und also sicherlich noch eine Weile stehen werden. Bereits am 13. Oktober hat der 30-jährige Belgier das Päckchen dort abgelegt.

Inspiriert wurde er von der 1977 von der NASA gestarteten Raumsonden Voyager 1, die das inzwischen am weitesten entfernte, von Menschen erschaffenen Objekt im All ist. An Bord befinden sich die Golden Records, Datenplatten mit Bildern und Geräuschen von der Erde, um anderen Lebewesen über die Menschheit und ihre Position im All zu informieren.

Ein performativer Akt, ebenso ein „Akt der Menschheit“, wie der Künstler sagt, wichtig und groß genug gedacht, um sich über das ägyptische Gesetz hinwegzusetzen, das keinen Einsatz von Drohnen erlaubt. Wer erwischt wird, dem droht angeblich eine bis zu mehrere Jahrzehnte angesetzte Haftstrafe. Doch Boccanegra, von seiner Idee überzeugt, setzte sich darüber hinweg und legte das kleine Päckchen dort oben ab. „In Anbetracht des Militärregimes in Ägypten habe ich nicht nach Erlaubnis gefragt, sie hätten es ohnehin nicht erlaubt“, sagt er. Er habe die Drohne also bei Tageslicht geflogen, als keine Touristen zugegen waren. „Die Idee dieser Arbeit ist für mich wesentlich bedeutender als ins Gefängnis zu gehen.“

Hier legte der Künstler Boccanegra sein kleines Päckchen ab. Quelle: Boccanegra

Was also in Anbetracht von Botschaft, Performanz und überschaubarer Reichweite des Künstlers als Größenwahn daherkommt, hat tatsächlich eine tiefgründige Botschaft: Natürlich sei es keine Form, Aliens der Zukunft eine Nachricht zu hinterlassen, nein, er versteht es vielmehr als Weg, mit den Menschen im Hier und Jetzt über die aktuelle Situation zu kommunizieren. „Auch wenn ich die Idee mag, eine Nachricht für wen auch immer da draußen zu hinterlassen, mag ich nicht die Art, wie die Scheibe unsere Spezies porträtiert“, so Boccanegra. Denn in der Tat: Die Menschheit, so steht es dort, sei „Opfer ihres eigenen evolutionären Erfolgs geworden“.

Diese Nachricht hat der Künstler in dem Päckchen versteckt. Quelle: Boccanegra

Woran die Menschheit aussterben wird, hat er jedoch nicht geschrieben. „Ich habe das offen gelassen, damit jeder selbst darüber nachdenken kann. Einige werden an Krieg denken, andere an globale Erwärmung oder künstliche Intelligenz“. Nichts an der Nachricht ist jedoch positiv, keine Hoffnung auf einen guten Ausgang – und das ist Absicht: „Die Zeit des Hoffens sollte inzwischen vorbei sein, wir müssen stattdessen anfangen, zu handeln“, sagt Boccanegra. Die Menschen sollten zusammen arbeiten, über Grenzen und Rassen hinweg. Ihm ist gleichzeitig aber das Paradoxon bewusst: „Ich selbst habe noch immer Hoffnung. Sonst hätte ich nicht das Risiko auf mich genommen, diese Arbeit zu vollenden.“

Von Katharina Derlin/HAZ/RND

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