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Füreinander gemacht: Bruckner in der Konzertkirche

Neubrandenburg Füreinander gemacht: Bruckner in der Konzertkirche

Kent Nagano und das Philharmonische Staatsorchester in Neubrandenburg

Neubrandenburg. Seit 15 Jahren ist die Marienkirche Neubrandenburg vorzüglicher Gastgeber für Konzerte aller Art. Als Konzertkirche mit blendender Akustik entwickelt bietet sie jede Saison Highlights im Programm der Festspiele MV. Am Mittwoch wünschte sich Festspiel-Intendant Markus Fein (45) vor 850 Besuchern einen „fulminanten Abend, einen großen Abend“. Fein sagte: „Wenn die Festspiele MV das Wohnzimmer für die Künstler sind, dann ist diese Kirche die gute Stube. Für mich einer der bemerkenswertesten Konzertsäle in ganz Nord- und Ostdeutschland.“

 

OZ-Bild

Dirigent Kent Nagano (64) gastierte in Neubrandenburg.

Quelle: FMV

Den fulminanten, den großen Abend bekam Fein vom Philharmonischen Staatsorchester Hamburg und Martin Helmchen am Klavier unter Leitung von Kent Nagano. Mit Beethovens Konzert Nr. 4 für Klavier und Orchester und vor allem mit Anton Bruckner. Wäre man esoterisch veranlagt, könnte man dem Impuls erliegen, Bruckner habe das 1879 geahnt: Seine sechste Sinfonie, dieses Orchester und diese Konzertkirche. Diese drei gehören irgendwie zusammen.

Die Struktur mit den immer wiederkehrenden Perioden, den sich wie Wogen aufbauenden Rhythmen – mal leuchtend voller Lebenslust, wimmernd voller Sehnsucht, trauernd im Marsch und anklagend im Klang der Oboe – und dem donnernden Schluss scheint wie gemacht für diesen Kirchenraum. Bruckners Sinfonien, sowieso für großes Orchester angelegt, mussten sich immer ihren Weg suchen. Und der war nie einfach. Die Sechste gehört zu den am seltensten gespielten Stücken, wohl auch, weil sie den Übergang zur Moderne mit Gustav Mahler vorwegahnt. 1881 wurde Bruckners Sechste in Wien in Teilen uraufgeführt und zerrissen. Gustav Mahler ließ sie – selbst gekürzt – 1899 mit den Wiener Philharmonikern hören. Vollständig uraufgeführt wurde die Sinfonie erst 1901 in Stuttgart. So viel zum schwierigen Weg.

Kent Nagano hat sie 2005 mit dem Deutschen Symphonie-Orchester (DSO) Berlin eingespielt, dessen Dirigent er von 2000 bis 2006 war. Seit 2015 ist der 64-Jährige Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Seit mehr als 30 Jahren drückt der Amerikaner mit japanischen Wurzeln dem Klassikbetrieb mit Engagements in nahezu allen großen Orchestern von New York, Los Angeles, Berkeley, Boston, Lyon, Manchester, London, Berlin, Wien, Rom, Zürich, Köln, Helsinki, Montréal, Salzburg, natürlich München (2006 bis 2013) seinen markanten Stempel auf. Nun ist er wieder im Norden und lässt sich mehrfach in MV blicken.

Am 27. und 28. August leitet Nagano den Hamburger Klangkörper beim Pavillon Moderne in Ulrichshusen durch ein Programm mit Hindemith, Boulez, Strawinski, Schönberg, Wagner und Messiaen und gibt eine Einführung in Messiaens „Turangalîla-Sinfonie“.

Das gesamte Konzert am 14. August ab 11 Uhr auf NDR Kultur

Literatur, Kunst, Musik

Pavillon Moderne – Musik in der Zeit verorten. Vom 26. bis 28. August auf Schloss Ulrichshusen. Mit Markus Fein, visions string quartett, Lucas und Arthur Jessen, Martin Heckmann, Mitgliedern des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, Kent Nagano und Dieter Rexroth.

Programm: Gesprächskonzert, Lesung, Klangatelier, Kaleidoskop der Moderne, Kuriosenkabinett, Konzerteinführung und Konzerte Tickets: erhältlich in Ihrem OZ-Service-Center, unter shop.ostsee-zeitung.de oder unter

☎ 0381/38303017

Michael Meyer

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