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Gackernde Hühner und wuchernde Bildmotive

Wustrow Gackernde Hühner und wuchernde Bildmotive

Kunstscheune zeigt Arbeiten von Malte Brekenfeld, Rando Geschewski und Dirk Wunderlich

Wustrow. „Ein bisschen schräg, ein bisschen extravagant“ – treffender, als mit den Worten von Galeristin Gabriele Eymael lässt sich die zweite Sommerausstellung in der Kunstscheune Barnstorf bei Wustrow, die heute unter dem Titel „Blasentang & Waidmannsheil“ eröffnet wird, nicht beschreiben. Da gibt es Monster, die Geschichten erzählen, personifizierte Plastiken, die anmuten, wie Wesen aus einer anderen Welt und – nicht zuletzt – eine Installation mit lebenden Hühnern. Die letzte Idee ist buchstäblich auf dem Mist von Malte Brekenfeld, Rando Geschewski und Dirk Wunderlich gewachsen, die sich zum 50. Geburtstag von Brekenfeld in Scheune und Bauerngarten verwirklicht haben.

In letzterem sollen während der Ausstellung Hühnerrassen aus sieben Ländern in einem Freiluftgehege aus Baustahl unter einer vier Meter hohen Kuppel umherstolzieren, ihre Eier in einem weiß

gestrichenen „Eigenheim“ mit Kiesauffahrt und Blumenkästen legen und sich vertragen oder vielleicht auch mal ans Gefieder gehen. „Es ist eine kleine Persiflage auf die aktuelle Situation. Wer es auf die Gesellschaft übertragen möchte, darf das gerne tun“, sagt Brekenfeld.

Doch wie bei allen Arbeiten der drei Künstler geht es um weit mehr, ist es komplexer und hintergründiger, als es auf den ersten Blick scheint. Es geht um Spießbürgertum, um das Bedürfnis nach Sicherheit, das sich auch im Kampf gegen die Natur manifestiert, und um den Versuch, diese zu kultivieren wie Bauerngarten und Hühnerrassen, die auch in der Installation miteinander korrespondieren.

„Außerdem ist es ein toller Hingucker“, sagt Rando Geschewski und lacht.

Denn neben der Kreativität ist es vor allem eins, was die drei Künstler eint: Der Spaß an der Kunst. „Dass die beiden dabei sind, war für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt Brekenfeld, für den es nach Potsdam bereits die zweite Jubiläumsausstellung in diesem Jahr ist. Mitgebracht hat er elf neue großformatige Arbeiten, in denen er sich unter anderem mit Religion und Sinnfragen auseinandersetzt. Für den Künstler sind die teilweise überbevölkert wirkenden Bildwelten, eines seiner Markenzeichen, eine Metapher für die endlosen Kausalketten alles Irdischen, die sich nicht einfach kappen lassen. „Das Bild ließe sich an jeder Seite beliebig erweitern“, sagt Brekenfeld. Der Verlorenheit in Kosmos und Gesellschaft stellt Brekenfeld die Konzentration auf kleine Dinge im Bild gegenüber, ein Sinnbild das sich ebenfalls aufs Leben übertragen lässt.

Auch Dirk Wunderlich hat zu seinen Plastiken, die anmuten wie organische oder technische Wesen aus einer anderen Welt, eine besondere Beziehung: „Sie haben immer etwas Wesenhaftes, so dass ich mit ihnen kommunizieren kann“, verrät er. Ähnlich wie seine Ideen entstehen auch seine Arbeiten: „Sie wachsen von innen nach außen und werden immer größer“, sagt Wunderlich. Eine überlebensgroße Plastik hat er vor der Kunstscheune platziert. Entstanden ist sie aus einem Bambusgerüst, Industrieschaumstoff und mehreren Lagen Matten aus Glasfasergewebe, die Wunderlich mit einer Spachtelmasse aus Kunstharz liebevoll modelliert hat. „Sie stand vier Jahre bei mir rum und wollte nicht mit mir reden, aber im Frühjahr sind wir uns wieder begegnet und seitdem konnte ich nicht mehr von ihr lassen“, verrät er mit einem Lächeln. Seine Liebe zur Technik findet sich nicht nur als tätowiertes Detail eines Traktormotors auf seinem Arm wieder, sondern zeigt sich auch in seinen Plastiken, die sich teilweise in zwei Teile zerlegen und wieder zusammensetzen lassen.

Zerlegt hat auch Rando Geschewski etwas, und zwar sein geplantes Kinderbuch „Fairytails of Fertigmann“, zu dem er die Illustrationen mit in die Austellung gebracht hat. „Es ist für meinen Sohn Ferdinand, aber weil seine Freunde das nicht aussprechen konnten, sagten sie immer Fertigmann“, sagt Geschewski. Ähnlich ist es auch mit den Hauptdarstellern des Buches, den kleinen „Monkern“, die alle eine eigene Geschichte erzählen. „Statt Monster sagte Ferdinand Monker, das habe ich übernommen“, so der Künstler. Und: Die Arbeit habe ihm so viel Spaß gemacht, dass er bereits das nächste Buch plant.

Stefanie Büssing

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