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Kultur Gänsehaut-Konzert in Sternberger Kirche
Nachrichten Kultur Gänsehaut-Konzert in Sternberger Kirche
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04:19 12.07.2013
70 Sänger des Leipziger Thomanerchores in der St.-Maria- und St.-Nikolaus-Kirche Sternberg. Quelle: Michael Schwertner
Sternberg

Johanna Roth sitzt in Reihe vier der St.-Maria- und St.-Nikolaus-Kirche in Sternberg. Sie lebt seit 21 Jahren hier, stammt aus Leipzig. Johanna Roth ist 100. Sie hat also schon ein gehöriges Stück Geschichte des Chores, der da wenige Meter vor ihr Kirchenlieder singt, miterlebt. Rund ein Achtel. „Es ist einfach wunderbar. Ich habe die Thomaner oft in Leipzig gehört und gesehen. Nun hier in Sternberg. Wunderschön“, sagt sie. Ein Gänsehautmoment? „Junger Mann, ich feiere nächstes Jahr im Februar meinen 101. Geburtstag — da kriegt man nicht gleich Gänsehaut.“

Da ist sie eher die Ausnahme unter den 680 Gästen dieses Festspiel-Konzertes. Harald Ringstorff, Mecklenburg-Vorpommerns einstiger Ministerpräsident, auch schon 73 — und einige Politikerjahre zählen bekanntlich doppelt — streicht sich, als er mit Ehefrau Dagmar zur Pause geht, über den Arm: „Da kriegt man Gänsehaut!“ Ringstorff bewundert die Disziplin der jungen Leute, die auf der Bühne in vier Reihen singen. „Das ist für Eltern eine sehr schwierige Entscheidung, seine Kinder in so jungen Jahren dahin zu geben“, meint er. Eine Lebensentscheidung.

Einer der 70 Sänger ist Johannes Hildebrandt (12). Seit vier Jahren singt er im Thomanerchor Leipzig. Sein Bruder Cornelius (8) ist Thomaner-Anwärter. Professor Guido Hildebrandt, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie der Universität Rostock und Vater der Jungen, sagt: „Das ist eine bewusste familiäre Entscheidung, beide Jungs zum Thomanerchor gehen zu lassen. Johannes ist mit fünf Jahren in den Kindergarten gegangen, der mit den Thomanern kooperiert. Wir sind eine musikalisch sehr interessierte Familie.“

Johannes gibt sich nach dem Konzert im Gespräch auf dem Sternberger Marktplatz abgeklärt: „Das war Routine, was wir gesungen haben.“ Täglich werde mindestens einmal, meist mehrmals geprobt. Seinen Stundenplan für die Woche hat der Junge auswendig im Kopf. Kürzlich, als er in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan vor dem Papst gesungen habe, „na, das war schon was Besonderes“, sagt Johannes.

Thomaner kommen herum. Nach dem Auftritt in Sternberg ging es in die Jugendherberge bei Schwerin, heute steht ein Konzert in Magdeburg an, dann geht‘s zurück nach Leipzig. „Und dann fliegen wir mit der Familie in die Ferien in die Türkei. Danach noch Badeurlaub an der Ostsee“, sagt Johannes. Ein schöner Sommer. Das Programm der Thomaner in Sternberg schlug einen Bogen über die Kirchenmusik vom 16. bis ins 21. Jahrhundert. Es orientierte sich am Raum dieser über 700 Jahre alten Kirche und an der Liturgie eines Gottesdienstes.

Die 70 Thomaner sangen Werke von Johann Sebastian Bach und von Christian T. Weinling, von 1823 bis zu seinem Tod 1842 Thomaskantor. Auch moderne Chorwerke wie die „Variationen über Gott“ des griechischen Komponisten Dimitri Terzakis (75), der in Leipzig lebt, oder des polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki (79) aus Debica.

Georg Christoph Biller (57), Leiter des Konzerts, seit 1992 Thomaskantor in Leipzig, der 16. seit Bach, steuert seine „St. Thomas Motette“ bei. Ein Chorabend, der einen Eindruck vom Sinn künstlerisch-kirchlicher Dreifaltigkeit entstehen ließ: Musik, Raum, Kunst — wie sie in den 1895 von Gotthilf Ludwig Möckel gestalteten Kirchenfenstern sichtbar wird. Die Fenster zeigen die kirchlichen Feste Weihnachten, Ostern, Pfingsten — ein musikalischer Abend, der sich dem Raum anpasst. Und Gänsehaut bereitet — wenigstens für jüngere Semester.

Weltbekannter Knabenchor

800 Jahre alt wurde der Leipziger Thomanerchor im Jahr 2012.
Zum 1212 mit der Thomasschule des Klosters St. Thomas in Leipzig gegründeten und inzwischen protestantisch geprägten und weltbekannten Knabenchor gehören knapp 100 Jungen zwischen neun und 18 Jahren.

Wichtige Aufgabe ist auch die Pflege der Werke von Johann Sebastian Bach (1685 — 1750). Bach leitete den Chor als Thomaskantor von 1723 bis 1753.

Michael Meyer

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