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Ganz groß im Kino und auf der Bühne

Berlin Ganz groß im Kino und auf der Bühne

Der Schauspieler Bruno Ganz wird 60

Berlin. Bruno Ganz zählt zu den besten deutschsprachigen Schauspielern. Die Berufung für diese Profession spürte der gebürtige Schweizer schon in seiner Jugend. Aber Schauspieler zu werden, streifte, wie Ganz selbst einmal sagte, „in der kleinbürgerlichen Sphäre, aus der ich komme, die Grenze zum Unmöglichen“. Ganz aber überwand diese Hürde: Ein Jahr vor dem Abitur ging er von der Schule ab, jobbte tagsüber in einem Kaufhaus und besuchte abends die Schauspielschule. Seine Hartnäckigkeit hat sich gelohnt ohne den Schauspieler Bruno Ganz, der heute 60 Jahre alt wird, wäre nicht nur die Theaterwelt, sondern auch die Filmwelt um einen bedeutenden Künstler ärmer.

Ganz spielte in den vergangenen Jahrzehnten auf Leinwand und Theaterbühne unter Regisseuren wie Wolfgang Petersen, Volker Schlöndorff, Luc Bondy, Dieter Dorn und Wim Wenders. Besonders prägte ihn die Zusammenarbeit mit Peter Zadek und Peter Stein, in dessen Mammut-Inszenierung von Goethes „Faust I“ und „Faust II“ er den alten Faust spielt. Anfangs musste Steins rund 22 Stunden dauernde Inszenierung, die 2000 bei der Expo in Hannover Premiere hatte, noch ohne Ganz ausgekommen. Er hatte sich bei den Proben verletzt. Erst im Oktober vergangenen Jahres bei den Berliner Aufführungen stieg Ganz ein, und die Kritik jubelte: „Jetzt spielt Bruno Ganz, und auf einmal kann man sich dem Text nicht mehr entziehen“. Und das, obwohl Ganz in einem „Spiegel“-Interview über Goethes Vorzeige-Werk sagte, das Stück sei ihm „nicht nah“.

Als 19-Jähriger spielte Ganz seine erste Filmrolle in Karl Suters „Der Herr mit der schwarzen Melone“. Den Start zur Theater-Karriere legte er 1962 im Jungen Theater Göttingen. Danach ging es 1964 zu Peter Zadek nach Bremen. 1972 arbeitete der Schauspieler erstmals mit Claus Peymann zusammen: Bei den Salzburger Festspielen wirkte er in der Uraufführung von Thomas Bernhards „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ mit. Bernhard war von der Interpretation so begeistert, dass er Ganz später sein Stück „Die Jagdgesellschaft“ widmete. 1970 bis 1975 gehörte Ganz zum Ensemble der Berliner Schaubühne.

Cineastische Höhepunkte in Ganz' Karriere waren die Filme von Wim Wenders. 1977 spielte er die Hauptrolle in „Der amerikanische Freund“, zehn Jahre später einen Engel in „Der Himmel über Berlin“ sowie 1993 in der Fortsetzung „In weiter Ferne, so nah!“. 1982 versuchte sich Ganz selbst als Filmregisseur und drehte ein Porträt der Schauspieler Curt Bois und Bernhard Minetti.

Am Samstag wird Ganz wieder in Berlin in Steins Jahrhundert-Projekt auf der Bühne stehen, das hier noch bis zum 15. Juli zu erleben ist. Ab September gibt Ganz den Doktor Faust dann in Wien.



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