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Kultur Geburtsstunde des klingenden und singenden Mecklenburgs
Nachrichten Kultur Geburtsstunde des klingenden und singenden Mecklenburgs
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00:01 27.06.2016

Als Kind hat Erika Hagel (81) hier im Schulchor gesungen. Nun ist die Leipzigerin zu Gast in ihrer alten Heimatstadt Wismar und sieht in der Großen Stadtschule Schülern und dem Wismarer Kammerchor „Perlmutt“ zu, die beim Musikfest Wismar musikalisch Lokalkolorit und Heimatverbundenheit einbringen mit ihren Volksliedern über das schöne Wismar. Erika Hagel und ihr Mann wären 1958 gern in Meckelbörg geblieben, doch das Wismarer Theater war geschlossen worden und der Orchestermusiker hatte keine Anstellung mehr. Also zog es die Familie nach Halle und später nach Leipzig.

Um Heimatverbundenheit und Weltoffenheit geht es bei diesem Musikfest im Kern. Erika Hagel wandelt wie viele andere der 600 Besucher auf einem musikalischen Spaziergang ihrer eigenen Erinnerungen.

Das Musikfest hatte sie zwar nicht mehr miterlebt. Das gab es bis in die 20er Jahre. Aber in den Chorbearbeitungen fand es stets Erwähnung. Erika Hagel steht auf dem Hof ihrer alten Schule. Die Spielgeräte gab es damals nicht. „Die Leute, die zum Bahnhof wollten, liefen immer quer über den Schulhof.“ Zwei Straßen weiter zeigt sie auf ein Fenster über der Ladenzeile: „Dort hat meine Schulfreundin gewohnt.“ Gleich singt im Bürgerschaftssaal der Rostocker Montagschor. Im Rathaus durften Landesjugendchor, Motettenchor Rostock, Theodor-Körner-Chor Schwerin, Jugendchor und Kantatenchor Waren auftreten. Zuvor gab es in der Heiligen-Geist-Kirche Musik, die das Herz berührt. The King Singer’s präsentierten das Spiritual „Down by the Riverside“ oder musikalische Postkarten wie „Es dunkelt schon in der Heide“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“.

Im Hotel „Fründs“, dort wo vor 200 Jahren die Gründungsveranstaltung für das Musikfest Wismar beschlossen hatte, zum Auftakt Schubert und Haydn aufzuführen, lud das Brüderpaar Lucas und Artur Jussen (19 und 23) aus dem holländischen Weesp zu Schuberts „Liebessturm“.

200 Jahre später ziehen 600 Menschen in 17 Gruppen kreuz und quer durch die Stadt – auf den Spuren der Musik. Es treten Chöre und Ensembles aus MV im Wechsel mit King Singer’s, David Orlowsky Trio, der Stimmkünstlerin Frauke Albert und Musikern der „Jungen Elite“ wie dem Busch Trio oder dem Flötenquintett Seldom Sene auf. Und das Publikum darf mitsingen „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „Heideröslein“. Eine musikalische Graswurzelbewegung auf Kopfsteinpflaster. Musikververmittlung auf hohem Niveau. Was so leicht daherkommt, ist in Wahrheit ein trojanisches Pferd. Als Unterhaltung getarnt springt aus seinem Bauch hochanspruchsvolle Musik mit Einzelkönnern mit Musikhistorie im Beipackzettel. Auch dieses populäre Format geht auf einen musikwissenschaftlichen Ansatz zurück.

Als sich Markus Fein 2012 auf seine erste Intendanz bei den Festspielen vorbereitete, stieß er im Berliner Staatsarchiv auf das Musikfest Wismar, dass 1816 gegründet, als Geburtsstunde heutiger Orchester- und Theaterstruktur gilt. Nach der bürgerlichen Revolution habe es keine Orchester-Strukturen in Deutschland gegeben. Mit dem Musikfest und der Theatergründung in Mannheim seien die Anfänge dafür erst geschaffen wurden.

Markus Fein sagt: „Musik war zuvor eine rein feudale, höfische Angelegenheit. Die Herzöge hielten sich Orchester, die dann spielten, was den Herzögen gefiel.“ Aber die Bürgerbewegung habe sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, welche Musik man zu hören habe.

Zum Abschluss des Musikfests spielte die Neubrandenburger Philharmonie mit regionalen Chören und Solisten Haydns „Schöpfung“ – mit Einschüben, die Kompositionsstudenten der Rostocker Hochschule für Musik und Theater komponiert haben. Wismar als „Geburtsstunde des klingenden und singenden Mecklenburgs“ vor 200 Jahren und nun wieder.

Michael Meyer

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