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„Geh nicht fort, Sacharka!“

Berlin „Geh nicht fort, Sacharka!“

Michail Gorbatschow hat seine sehr persönlichen Erinnerungen aufgeschrieben.

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Michail Gor- batschow (82).

Quelle: Action Press

Berlin. Am Ende ist es nur noch Schmerz. In der Nacht auf den 20. September 1999 stirbt seine Frau Raissa. Michail Gorbatschow, einst der mächtigste Mann der Sowjetunion, der Erfinder von Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit), steht ohnmächtig am Bett. „Geh nicht fort, Sacharka! Hörst Du?“, fleht er. Doch da ist seine geliebte Frau bereits tot. Sie stirbt zwei Tage vor einer geplanten Stammzellentransplantation in der Uni-Klinik Münster. Dorthin waren die Gorbatschows gereist, um Raissas Blutkrebs vielleicht doch besiegen zu können. Der Politiker, der den Weg zur Einheit Deutschlands ebnete, der den Kalten Krieg beendete, ist zurückgeworfen auf sein persönliches Leid.

Unter dem Eindruck des Verlustes seiner Raissa, mit der er fast 46 Jahre verheiratet war, hat Gorbatschow seine Memoiren geschrieben. Ein sehr persönliches Buch über die Liebe seines Lebens, über Politik, Macht, Zeitgeschichte, aber auch den Glauben an eine gute Zukunft. Er habe aufgeschrieben, was ihm „auf der Seele liegt“. „Alles zu seiner Zeit. Mein Leben“, heißt die Autobiografie, die Gorbatschow Dienstag im Berliner Ensemble in Deutschland präsentierte. Der 82-Jährige, der aus Priwolnoje stammt, ist fülliger geworden als in seiner Zeit als Generalsekretär der Kommunistischen Partei. Sein Verstand und seine Erinnerungen sind hellwach. Seine Stimme ist fest: „Jetzt komme ich zu Ihrer Frage“, sagt er dem Moderator nach einer zehnminütigen Einleitung. Das Publikum gluckst.

Schon als Gorbi auf die Bühne kam, gab es stehenden Beifall. Gorbatschow lächelt. Ein lebendes Denkmal.

Er schildert einfühlsam, wie aus dem Bauernsohn, der zum Jura-Studium nach Moskau aufbricht, der Polit-Funktionär, Generalsekretär und Präsident wurde. Raissa, die er im Studentenwohnheim in Moskau kennenlernte, immer an seiner Seite. Beide vereinte die Liebe und die Hoffnung, „dass es einmal besser wird“, im Land und in der Welt. Aber dass die attraktive „First Lady“ die Politik im Kreml bestimmt habe, sei ausgemachter Unsinn.

Gorbatschow beschreibt seinen Kampf gegen die Verkrustungen des Systems, den Aufbruch in den 80er Jahren. Der Kalte Krieg konnte beendet werden, doch den Kampf gegen die Beharrungskräfte des Systems konnte er nicht gewinnen. Nach dem Putsch der Reformgegner 1991 fegte Boris Jelzin den zaudernden Reformer von der Bühne. Für Jelzin hat er nur noch Verachtung. Mit Sorge blickt er auf das heutige Russland. „Die Gefahr von Nomenklatura und Bürokratie ist nicht gebannt“, sagt er, ohne Putin zu erwähnen. Wenn sich in Russland eine sozialdemokratische Partei gründen sollte, werde er sie unterstützen. Raissa hätte es sicher so gewolltBuchtipp: Michail Gorbatschow: „Alles zu seiner Zeit. Mein Leben.“ Hoffmann und Campe 2013

. Reinhard Zweigler

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