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Geht‘s auch mit weniger Klamauk?

Geht‘s auch mit weniger Klamauk?

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OZ-Autor Michael Berger über den Tatort „Ein Fuß kommt selten allein“ aus Münster

Jetzt sind sie zu kühn und unvorsichtig geworden: Weil der „Tatort“ aus Münster seit Menschengedenken unfehlbar hohe Einschaltquoten hat, scheinen Drehbuchautoren und Regisseure nicht mehr auf Logik, Wahrscheinlichkeit und Nachvollziehbarkeit zu achten. Der jüngste, 29. Münster-Krimi mit Axel Prahl als Kommissar Thiel und Jan Josef Liefers als Rechtsmediziner Boerne, hat schon einen albernen Titel: „Ein Fuß kommt selten allein“. Ein Tänzer hat sich im Wald so schwer verletzt, dass der untere Teil seines rechten Beins an Ort und Stelle amputiert wurde. Doch das erfuhr man zum Schluss.

Ganz und gar konstruiert ist, dass sich Boerne zu einem Tanzkurs nötigen lässt, in dem sich der Verdacht erhärtet, dass im Tanzclub ein Mord passiert ist und der Verdächtige aus dem Kreis der Tänzer kommen muss. Eine Koinzidenz wie aus einem verstaubten Edgar-Wallace-Plot. Dass Thiels Vater Herbert die als Beweismittel entscheidenden Fußknochen findet, dass der Vereinspräsident und Orthopäde Steul überall seine Finger im Spiel hat, dass sich nach Jahren im Wald ein Stein findet, der einer Frau den Schädel gespalten hat — das alles ist zu dick aufgetragen. Und dann das Personal: Vadder Herbert als Fliegenpilz-User, Boerne als obereitler Geck, Silke „Alberich“ Haller als kecker Gegenpart, Staatsanwältin Klemm als Tango tanzende Domina mit Bassstimme (Darstellerin Mechthild Großmann war mal Star in der Truppe von Pina Bausch) — die Stereotypen des Münster-Teams verfestigen sich immer mehr ins Absurd-Skurrile.

Die Drehbuchautoren Stefan Cantz und Jan Hinter sind die Urväter des Paares Boerne/Thiel. Sie haben 2002 im ersten Münster-Tatort „Der dunkle Fleck“ die Grundlage geschaffen für die weitere Entwicklung des Proleten-Kommissars, Anhänger des FC St. Pauli, und des Schnösel-Professors, Anhänger von Wagner und edlen Tropfen.

Ein schöner Dialog kam dann doch noch vor. Als Thiel reklamiert, dass Boerne seine DNA-Proben anpreist, als befinde er sich auf dem Hamburger Fischmarkt, fragt der Kommissar trocken: „Geht‘s auch mit etwas weniger Klamauk?“ Darauf Boerne: „Dann müssen Sie sich einen anderen Rechtsmediziner suchen.“ Wie wäre es mit anderen Autoren?

OZ

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