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Gelungene Eröffnung der Ruhrfestspiele Recklinghausen

Recklinghausen Gelungene Eröffnung der Ruhrfestspiele Recklinghausen

Zum 70. Jubiläum der Ruhrfestspiele zieht es die Spitze der deutschsprachigen Theaterkunst nach Recklinghausen. Den Auftakt machten das Wiener Burgtheater und Regisseur Christian Stückl: Der kann nicht nur Oberammergau, sondern auch Ruhrgebiet.

Recklinghausen. Die Wiener „Burg“ mit ihren berühmten Schauspielern von Peter Simonischek bis Mavie Hörbiger zu Gast in Recklinghausen - das gab es schon lange nicht mehr. Zum 70. Jubiläum der renommierten Ruhrfestspiele zieht Intendant Frank Hoffmann alle Register.

Die Eröffnungspremiere „Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni mit dem Wiener Burgtheater als Kooperationspartner wurde am Dienstagabend zu einem Riesenerfolg. Und zugleich kehrten die Festspiele zurück zu ihren Wurzeln: dem Volkstheater.

Denn die Geburtsstunde des Festivals liegt im eisigen Nachkriegswinter 1946/47. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erinnerte zum Auftakt der Jubiläums-Festspiele an die bewegende Geschichte: Theaterleute aus Hamburg fuhren ins Ruhrgebiet, um Kohle für ihre frierenden Schauspieler und Zuschauer zu erbitten - und die Kumpel der Zeche König Ludwig 4/5 luden in illegalen Aktionen die Wagen voll.

Die dankbaren Theaterleute vergaßen die Kumpel nicht, fuhren im Sommer 1947 nach Recklinghausen und spielten vor den Bergleuten und ihren Familien. Unter dem Motto „Kunst gegen Kohle“ war ein Theaterfestival für das Volk geboren. Noch heute ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) einer der Träger - und der Geist des Volkstheaters ist weiter lebendig.

Das bewies Regisseur Christian Stückl (54) mit dem „Diener zweier Herren“. Das Werk Goldonis (1707- 1793) gilt als Juwel der Commedia dell'arte, also der weltberühmten Spielart des italienischen Volkstheaters. Der Held steckt in der prekären Lage eines arbeitenden Menschen. Er muss zwei Jobs haben und schlau sein gegenüber den eingebildeten, reichen, geizigen und engstirnigen Herren, um sich erfolgreich durchzumuddeln.

Zur Premiere gelang Hoffmann eine Traumkonstellation: Das Burgtheater aus Wien bildet die Spitze deutschsprachiger Theaterkunst. Dazu kam mit Stückl, dem Leiter des Münchner Volkstheaters und Erneuerer der Oberammergauer Passionsspiele, der derzeit wohl profilierteste Vertreter des Volkstheaters in Deutschland ins Revier.

Stückl verlegte die Komödie aus der Republik Venedig Mitte des 18. Jahrhunderts irgendwo ins 20. Jahrhundert. Das Ensemble ist brillant: Mavie Hörbiger aus dem legendären Wiener Schauspieler-Clan gelang es als Kindermädchen, sogar Markus Meyer als Diener Truffaldino zu überflügeln. Meyer legte ein irres Tempo vor und riss das Publikum mit; dieser Truffaldino sprach beiläufig auch mal von Gewerkschaften und Tarifverträgen – die ersten Lacher brachten das Publikum in Schwung. Hörbiger verkörperte die mit Hässlichkeit geschlagene Amme Smeraldina, die sich rächt, indem sie Feministin wird. Hörbiger raste dabei so überzeugend, dass sie Szenenbeifall für sich verbuchen konnte.

Der große „Burg“-Schauspieler Peter Simonischek spielte Pantalone, den alten Herrn, der so vertrauenserweckend aussieht wie Mackie Messer. Die Maske hatte ihm ein gigantisches Gebiss verpasst - schon das groteske Gehege seiner Zähne verführte zum Lachen. Immer wieder überschritten Derbheiten und sexuelle Anzüglichkeiten die Grenzen des guten Geschmacks – wie es sich für saftiges Volkstheater gehört. Das Publikum im Festspielhaus bedankte sich mit viel Beifall und lautem Jubel für die gelungene Jubiläums-Premiere.

dpa

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