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00:00 09.12.2017
Güstrow

Die Idee zu diesem kleinen Ausflug entstand ganz spontan. „Wir wollten den Deutschkurs einfach mal woandershin verlegen“, sagt Inga Schwarz. Sie ist Dozentin bei der AWO Güstrow und betreut in ihrem Kurs zweimal in der Woche 20 Syrerinnen. Das ist ein reiner Frauenkurs, vier ihrer Kursantinnen kamen am vergangenen Mittwoch ins Schloss Güstrow, wo derzeit die Ausstellung „Land in Sicht“ zu sehen ist.

Die seit dem 2. Dezember dort laufende Kunstausstellung stellt in 116 Arbeiten die Kunstankäufe des Landes Mecklenburg-Vorpommern aus den Jahren 2015, 2016 und 2017 vor. „So bringen wir ihnen nicht durch die deutsche Sprache näher, sondern auch ein Stückchen deutscher Kultur“, sagt Inga Schwarz.

Die sehr abwechslungsreiche Schau in Güstrow bietet einen interessanten Querschnitt durch die aktuelle Kunstszene im Land. Und sie ist für jeden Besucher eine gute Gelegenheit, sich mit zeitgenössischer deutscher Kunst zu befassen. Auch für die vier Syrerinnen, die hier die Gelegenheit wahrnehmen, die neuen Eindrücke mit eigenen Kunsterfahrungen abzugleichen. Raghad Alobiea, Rasha Sadga, Najlaa Tawil und Fadia Aboog schauen sich neugierig in der Ausstellung um, oft zücken sie ihre Smartphones und machen Fotos. Sie selbst wollen lieber nicht frontal fotografiert werden. Erst langsam legen sie ihre Scheu ab, sie wollen etwas mitnehmen aus dieser Ausstellung, die neuen Eindrücke festhalten.

Angetan haben es ihnen zum Beispiel die fünf Arbeiten der Fotoserie „Biometric Copy II“ der Künstlerin Jacqueline Duhr. Besonders das letzte Motiv der Serie betrachten sie lange intensiv, denn es hat mit ihnen zu tun. Das Bild heißt „You Can’t Stop The Spring“ und thematisiert den Arabischen Frühling. Dafür hat sich Jacqueline Duhr mit Selbstauslöser aufgenommen, sich zu diesem Zweck in arabische Kleidung gehüllt. Raghad Alobiea deutet die Geste der Künstlerin schnell: „Sie bedeutet Veränderung“, sagt Raghad Albiea, sie freut sich über die selbstbewusste Haltung, die die Künstlerin auf der Fotografie eingenommen hat. Sie spiegelt auch den Freiheitswillen des syrischen Volkes wider. „Freedom“, übersetzt Raghad Alobiea die Aufschrift, die hier zentral platziert ist.

Die vier Syrerinnen diskutieren immer wieder miteinander, länger verharren sie vor dem großformatigen Bild „Night Train“ von Sven Ochsenreiter, das eine vieldeutige Szenerie zeigt. Auch das Werk „Hügelwald“ von Matthias Wegehaupt, das eine lichte Landschaft zeigt, weckte bei den Betrachterinnen wohl Erinnerungen an die eigene Heimat, so Museumsleiterin Regina Erbentraut.

Hatten die syrischen Besucher nun einen besonderen Blick? Regina Erbentraut schüttelt den Kopf. „Ich hatte eher den Eindruck, als würde ich mit Freunden durch eine Ausstellung gehen“, sagt sie, „da hat ja auch jeder seinen persönlichen Blick.“ Regina Erbentraut macht zum Schluss ein Angebot: „Kommen Sie gerne wieder!“

Die Stunde ist um. Die vier Syrerinnen brechen auf, nun voller Eindrücke. Bereichernd war dieser Besuch für alle Beteiligten.

Thorsten Czarkowski

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