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00:10 30.09.2016

Bereits seit 20 Jahren pflegen die drei Künstlerinnen ein Ritual. Einmal im Jahr, im Spätsommer nämlich, treffen sich Lisa Jürß, Lydia Kalt und Luise Hartmann zum gemeinsamen Malen, ganz in der Tradition der Schwaaner Künstlerkolonie. Der Ort inspiriert also immer noch. „Malweiber“ nennen sich die drei Frauen selbstironisch.

Und so ist auch ihre Ausstellung überschrieben, die ab Sonnabend im Kunstmuseum Schwaan ausgewählte Werke der drei Malerinnen zeigt, aus den letzten 20 Jahren des gemeinsamen Schaffens. Nicht alle Werke aus dieser Zeit sind noch erhalten. Denn natürlich verkauften die Künstlerinnen auch einige Bilder. Ausgestellt werden in Schwaan derzeit 60 Bilder, die in den drei getrennten Räumen im Obergeschoss der Kunstmühle zu sehen sind. Stilistisch stehen diese Naturansichten auch in einer impressionistischen Tradition. Sie wollen „dem Wesen der Dinge bei intensiver Beobachtung der Realität nachspüren“, so das Selbstverständnis der Gruppe. Die Werke sind Ergebnisse der künstlerischen Erkundung der Landschaft vor den Toren Schwaans.

Dabei entstanden beeindruckende Landschaftsansichten, aber auch kleinteilige Stillleben. Der Betrachter kann sich diesen oft mit kräftigen Farben geschaffenen Bildern hingeben und eigene Eindrücke gewinnen.

Der Titel „Malweiber“ ist übrigens auch das Ergebnis einer langen Emanzipation. Denn diese Bezeichnung für malende Mädchen und Frauen war auch am Beginn des 20. Jahrhunderts noch von einer männlichen Nichtachtung und Unverständnis geprägt. Das Malen war damals noch eine Männerdomäne. „Wir sind keine Malweiber“, hatte sich die Künstlerin Henni Lehmann bereits in den 1920er Jahren empört, damals war sie Mitglied im Hiddensoer Künstlerinnenbund, der ausschließlich aus Malerinnen bestand.

Die Zeiten der Verunglimpfung sind längst überwunden. Und was die jetzigen Schwaaner „Malweiber“ angeht: Lisa Jürß, Lydia Kalt und Luise Hartmann kennen sich aus ihrer gemeinsamen Studienzeit an der Universität Greifswald, als sie dort zu Kunstpädagoginnen ausgebildet wurden. Schon damals waren sie mit ihren Malutensilien in der Umgebung von Greifswald und auf Rügen unterwegs, um die Natur künstlerisch zu erkunden. Lisa Jürß ist die zentraler Figur der Dreiergruppe. Die in Schwaan lebende Kunstwissenschaftlerin und Malerin hat sich nach der Beendigung ihrer Arbeit als Kuratorin am Staatlichen Museum in Schwerin verstärkt der eigenen Malerei zugewandt. Lydia Kalt lebt in Pinnow bei Schwerin, Luise Hartmann in Rostock, wo sie von 1988 bis 1991 die Direktorin der Kunsthalle war.

„Dann wird zusammen gewohnt, gekocht und gemalt“, beschreibt Museumschef Heiko Brunner den Schaffensprozess, alles ganz im Geist der Schwaaner Künstlerkolonie. Die Künstlerinnen malen nicht nur, sie schauen sich gegenseitig über die Schulter und diskutieren über das Entstehende. Ein Teil davon ist jetzt in Schwaan zu sehen.

Thorsten Czarkowski

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