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Genets „Zofen“ in Stralsund: Subtiles über die Ohnmacht der Elenden

Stralsund Genets „Zofen“ in Stralsund: Subtiles über die Ohnmacht der Elenden

Sobald die gnädige Frau das Haus verlässt, trainieren die Zofen ihre Befreiung. Im Rollenspiel — eine als Herrin, die andere als Zofe — erhitzen sie sich mit Sätzen der lebenslangen Demütigung, auf der Dienstbotenverhältnisse beruhen.

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„Die Zofen“ in Stralsund. Im Bild (v.l.): Susanne Kreckel (Claire) und Josefine Schönbrodt (Solange).

Quelle: Gunnar Luesch

Stralsund. Als man zur Sache kommt, bricht das Spiel ab — vor dem Mord an der Herrin. Und wie im Spiel, so scheitert dann im wirklichen Leben der raffiniert vorbereitete Privataufstand beider Zofen.

Was den Aufruhr unmöglich und sein Scheitern zwangsläufig macht, ist seit Donnerstagabend in einer sehr klaren, eindringlichen und intensiven Inszenierung der Tragödie „Die Zofen“ von Jean Genet (1910-1986) am Theater Vorpommern zu erleben. Regisseurin Sabine Kuhnert hat das Stück mit Susanne Kreckel und Josefine Schönbrodt als Zofen Claire und Solange sowie Gabriele M. Püttner als Gnädige Frau im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal (Kulturkirche St. Jacobi) inszeniert. Die Vergeblichkeit ihres Aufruhrs liegt an den Zofen selbst, an ihrer Zerrissenheit; daran, dass ein Untertanen-Leben deformiert und die Sehnsüchte korrumpiert. Zeigt die Herrin majestätisch ihre Wünsche an, eilen die Dienerinnen, ihr Bedürfnis zu befriedigen. Doch schenkt ihnen die Herrin ein Kleidungsstück, dann vergessen die Zofen ihren unterdrückten Hass auf sie, sind dankbar — aber untereinander neidisch.

In unseren Zeiten der Dienstleistungsgesellschaft, der Debatten um Pflegedienste oder Mindestlöhne erscheint das Stück jung, unverbraucht und radikal. Letzteres nicht wegen vordergründiger Aktualität, sondern mit subtilen Einblicken in die Hoffnungslosigkeit „der Verworfenen“, wie die Zofen ihre Schicht einmal nennen.

Im Zentrum der Bühne ein drehbares Podest, das viel benutzt wird. Für die Zofen ist es Spielplatz, Duellplatz, Tatort. Am Ende statt des geplanten Herrschaftsmordes ein Selbstmord: die Tragödie der Ohnmacht im Elend. Premieren: 14. März, 20.00 Uhr, Greifswald (Rubenowsaal), 23. März, 15.30 Uhr, Putbus

Dietrich Pätzold

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