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Salzburg Geschlossene Gesellschaft in Salzburg

Die Uraufführung der Oper „The Exterminating Angel“ des britischen Komponisten Thomas Adès eröffnet Festspiele

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Charles Workman als „Edmundo“ und Christine Rice als „Blanca“ in der Oper „The Exterminating Angel“ Fotos (2): Barbara Gindl/AFP

Salzburg. Keiner verlässt den Saal. So lässt sich verkürzt der Inhalt der Oper „The Exterminating Angel“ von Thomas Adès zusammenfassen, die die Salzburger Festspiele eröffnet hat. Das hätte man auch als Durchhalteparole fürs Publikum verstehen können – schließlich ist es nicht üblich, das glamouröse Festival mit einer Uraufführung zu starten. Aber solche Bedenken erwiesen sich bald als überflüssig: Die Klänge des 1971 in London geborenen Komponisten fügen sich perfekt in ein eher kulinarisches Musikverständnis ein, wie es die Salzburger Festspiele traditionell pflegen. Am Ende wurde der Brite, der die zweieinhalbstündige Aufführung selbst dirigiert hatte, einhellig und begeistert gefeiert.

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Die Uraufführung der Oper „The Exterminating Angel“ des britischen Komponisten Thomas Adès eröffnet Festspiele

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Trotz eines schmalen Werkes ist Adès einer der erfolgreichsten Komponisten der Gegenwart. Seine Stücke, die nicht selten wie ein wildes Konglomerat unterschiedlicher Musikstile erscheinen und doch eine eigene und eigenwillige Sprache sprechen, werden regelmäßig aufgeführt.

Für seine dritte Oper hat Adès sich einen Film zur Grundlage genommen: Der spanische Regisseur Luis Buñuel machte in „El ángel exterminador“ („Der Würgeengel“) 1962 ein Abendessen zum surrealen Katastrophenszenario. Im Anschluss an eine Opernaufführung lädt ein Ehepaar zum Empfang in seine Villa. Neben der Primadonna und dem Dirigenten kommen ein Oberst, ein Arzt, eine Pianistin, einige Adlige und andere Mitglieder der gehobenen Gesellschaft, während die Dienerschaft flieht. Nach dem Essen kann plötzlich niemand mehr den Raum verlassen. Alle Türen stehen offen, doch findet keiner mehr den Weg nach draußen: eine geschlossene Gesellschaft.

Bald fehlt es an Essen und Trinken, ein Greis stirbt. Nach und nach fällt die Schutzschicht der Zivilisation. Tiere brechen in den Salon ein, und der alte Mann bleibt nicht der einzige Tote. Dann plötzlich scheint alles wieder vorbei: Die Gruppe kann den Raum verlassen. Doch kaum befreit, ist sie in der nächsten Raum- und Zeitfalle gefangen. Gemeinsam mit dem irischen Regisseur Tom Cairns entwickelte Adès ein Libretto, das sich eng an Buñuels Vorlage hält. Entsprechend unübersichtlich erscheint die Zahl der Akteure mit 15 Hauptpartien. Diese extreme Besetzung dürfte einen langfristigen Erfolg der Oper erschweren, selbst wenn die nächsten Aufführungen in London, New York und Kopenhagen feststehen.

Buñuels Kinoversion kommt ohne Soundtrack aus, Adès überflutet den Stoff mit Klängen. Das beginnt mit dem Glockengeläut, das den Saal erfüllt, ehe das Stück richtig beginnt: ein tönendes Symbol der Ewigkeit. Dann lässt Adès das groß besetzte Orchester in die Vollen gehen. Unterschiedliche motorische Rhythmen überlagern einander und türmen sich zu gewaltigen Tonmassen auf, die sich in Schlägen entladen. Diese seismische Rhythmusgestaltung prägt die Harmonik, die weder klar atonal noch tonal ist. Eine typische Farbe des Stückes ist die des Wiener Walzers, der immer wieder in verfremdeten Motiven durchklingt und wunderbar die Panik der auf Amüsement geeichten Gesellschaft illustriert. In der zentralen Arie, die den Kreislauf der Gefangenschaft zu durchbrechen scheint, greift Adès auf die vorharmonische Musik des 12. und 13. Jahrhunderts zurück. Mit einer gewaltigen Chaconne, die die ausweglos kreisende Handlung in Töne fasst, demonstriert er souveränen Umgang mit großen Formen. Adès’ Musik ist kühl und kühn konstruiert, und auf eine so mitreißende Art emotional, dass man die Technik dahinter kaum bemerkt.

Von eigener Qualität ist der Umgang mit den Stimmen: Der Komponist verlangt seinen Sängern viel ab. Die Partitur ist eine anspruchsvolle, aber dankbare Aufgabe für das luxuriös besetzte Salzburger Ensemble, zu dem Stars wie Anne Sofie von Otter, Thomas Allen und John Tomlinson gehören. Audrey Luna macht als Primadonna ihren Namen mit astronomischer Höhe Ehre, Charles Workman und Amanda Echalaz sind stimmlich ein exquisites Gastgeberpaar. Das Radio-Sinfonieorchester Wien, zu dem sich arachaische elektronische Instrumente wie die Ondes Martenot gesellten, meisterte unter Leitung des Komponisten alle Schwierigkeiten souverän.

Thomas Adès

1971 wurde Thomas Adès in London geboren. Er ist als Pianist, Komponist und Dirigent bekannt. Vor „The Exterminating Angel“, einem Auftragswerk der Salzburger Festspiele, hatte er zwei Musiktheaterwerke komponiert: die Kammeroper „Powder Her Face“ (1995) und die Oper „The Tempest“ (2004).

Mehrere Kammermusikstücke und Orchesterwerke: das erste, „Asyla“ von 1997, gab Sir Simon Rattle bei seinem Einstand als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker 2002 in Berlin.

Stefan Arndt

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