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Getragen von reformatorischem Geist

Greifswald Getragen von reformatorischem Geist

Die 71. Bachwoche in Greifswald ist eröffnet. Mit rund 40 Veranstaltungen wird sie nun sieben Tage lang in so vertrauter wie bewährter Breite und Vielfalt 500 Jahre ...

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Ekkehard Ochs zum Eröffnungstag der 71. Greifswalder Bachwoche

Greifswald. Die 71. Bachwoche in Greifswald ist eröffnet. Mit rund 40 Veranstaltungen wird sie nun sieben Tage lang in so vertrauter wie bewährter Breite und Vielfalt 500 Jahre Reformation thematisieren und auf die vielfältigen musikalischen Impulse verweisen, die die „Wittenbergisch Nachtigall“ auszulösen vermochte. Dass – wie Ralf Waldner (Nürnberg) eröffnend am Clavichord eindrucksvoll demonstrierte – reformatorischer Geist auch die Tastenkunst des 15. bis 17. Jahrhunderts prägte, verwunderte da nicht. Ebensowenig die Spezifik eines der Leipziger Gottesdienstordnung von 1710 nachgestalteten lutherischen Vespergottesdienstes – mit abschließendem Bach’schen „Magnificat“ (BW 243) durch Bachwochenorchester, Domchor und Solisten (Leitung Jochen A.

Modeß) im Dom St. Nikolai. Bei Debussy hätte man einen Lutherbezug eher nicht vermutet. Aber die marginale, wenngleich bedeutsame Verarbeitung des Chorals „Ein feste Burg“ im 2. Satz seines „En blanc et noir“ verhalf dem Eröffnungstag gleich zu einem abendfüllenden klavieristischen Höhepunkt: mit dem Klavierduo Volker und Hans-Peter Stenzl (HMT Rostock), das vierhändig beziehungsweise an zwei Klavieren die spezifische Kunst einer eher seltenen Besetzung auf ganz fabelhafte Weise präsentierte. Klangsensibler, verinnerlichter, elastischer, auch eleganter und scheinbar körperlos schwebend kann man Debussy („Petite Suite“; „En blanc et noir“), Ravel „(La Valse“) und György Kurtág (Játétok/Spiele) nicht musizieren. Aber auch kaum strukturiert intellektueller, kraftvoller, ja rauschhafter sowie thematisch hinter- und abgründiger. Letzteres gerade dort, wo man es nicht vermutet: in Debussys durchweg programmatisch zitat- und widmungsorientierten, auch den Ersten Weltkrieg (!) thematisierenden Stücken (Luther-Choral) oder Ravels geradezu bildhaft choreographiertem „bacchantischen Wahnsinn“ einer Hommage an den Wiener Walzer. Beste Kunst sind aber auch Kurtágs so geniale wie raffinierte „Spiele“, Auszüge aus einer vielbändigen Sammlung höchst anspruchsvoller, im weitesten Sinne pädagogischer Stücke. Die Begeisterung in St. Jacobi war riesig: vier Zugaben von Poulenc, Ligeti und Brahms!

OZ

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Greifswald
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