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Kultur Gewalt, Martyrium, Verklärung
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00:05 14.08.2017
Ekkehard Ochs zum Oratorium „Brigitte“ in Loitz

Gewusst haben es wohl nur die Loitzer selbst: Ihr Peene-Städtchen hat eine nach allen katholischen Regeln bestätigte Märtyrerin: Brigitte Irrgang, slowakische Kriegsvertriebene, 1954 – elfjährig - in Loitz Opfer einer Sexualstraftat, als „Blutzeugin Christi“ 1999 in das Verzeichnis „Zeugen für Christus“ der 700 deutschen Märtyrer des 20. Jahrhunderts aufgenommen und auch in einer Feier in Rom (2000) durch Papst Johannes Paul II. geehrt. In Loitz gibt es einen Brigitte-Verein, eine Gedenkstätte (2004) und – am vergangenen Freitag in St. Marien zu Loitz uraufgeführt – „Brigitte – Ein Loitzer Oratorium in sieben Szenen“ des in der Nähe Salzburgs lebenden Komponisten Nikolaus Schapfl. Das 100-Minuten-Werk (Text: Nikolaus Schapfl/Peter H. Irrgang) für Sprecher (Claudia und Michael König), Solisten, Chor und Klavier (LukᚠMichel) kommentiert vorwiegend Biographisches in Prosa sowie Versform und versteht sich – tiefreligiös – als Werk „von Licht, Hoffnung und Zuversicht“. Die Akzeptanz der Verklärung einer Elfjährigen zur „Lichtgestalt“ und die eines Mordes zum „Reinheitsmartyrium“ bleibt allerdings eine individuelle Glaubensfrage! Der kommentierende, also vertonte Großteil des Textes verweigert sich emphatischer Nähe zur Person Brigittes nicht, bietet aber auch jenen mentalen Abstand, der dem Komponisten Raum für stilistisch breite chorische wie solistische Entfaltung ermöglicht. Und den hat Schapfl professionell und wirkungsvoll genutzt, indem er eine durchgängig tonale, traditionsorientierte Klangsprache vorsichtig, aber durchaus reizvoll erweitert, Arioses und periodisch Liedhaftes – genrebetont, nicht selten im Volkston und auch mal scherzhaft ausgelassen - jeweils ausdrucksgerecht einsetzt sowie hier auch halbszenisch genutzter Gestaltunsgsvielfalt alle Möglichkeiten offen lässt. Für alles das besaß der vielbeschäftigte, auch die Solisten stellende Gemischte Chor des Permoník-Chorstudios Karnivá (Nordmähren) unter Leitung Martina Jurikovás beste Voraussetzungen: bestechend in Intonation, variabler, leichter Tongebung und einer alle Dynamik differenziert nutzenden Klangviefalt. Für Loitz ist das Werk sicher ein willkommenes, wichtiges Dokument zur eigenen Geschichte; für katholische Gläubige vielleicht eine Offenbarung. Dem nicht direkt involvierten Betrachter erschließt sich das Werk möglicherweise eher aus gewisser Distanz – und dann vielleicht dezidiert musikalisch.

OZ

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