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„Gewaltiger Intellektueller“ – Nobelpreisträger Dario Fo gestorben

Mailand „Gewaltiger Intellektueller“ – Nobelpreisträger Dario Fo gestorben

Er bezeichnete sich selbst als Clown – und gewann den Literaturnobelpreis. „Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ...

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Dario Fo

Quelle: Gabriel Bouys/afp

Mailand. Er bezeichnete sich selbst als Clown – und gewann den Literaturnobelpreis. „Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst“, sagte Dario Fo, als er 1997 die höchste literarische Auszeichnung erhielt. Mit seinem Sprachwitz, als Possenreißer, als Satiriker, als Pantomime wurde Fo berühmt. Im Alter von 90 Jahren ist der italienische Autor und Theatermacher nun gestorben.

Fo war der Ansicht, dass jede Macht nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott fürchte. Satire sei letztlich nichts anderes als das schlechte Gewissen der Macht. Schwere Kost, wie etwa Shakespeare sie schuf, lag ihm nicht.

Geboren am 24. März 1926 in der norditalienischen Gemeinde Sangiano nahe dem Lago Maggiore, wuchs Fo zwischen Fischern, Schmugglern und Geschichtenerzählern auf. Von ihnen lernte er das Schauspielern und Erzählen lieben. Später im Theater verkörperte er lüsterne Päpste, skurrile Politiker und redegewaltige Trunkenbolde. „Wir sind Flegel, und wie allen Flegeln dieser Welt gefällt es uns zu lachen und zu spotten, grotesk, vulgär und manchmal auch possenhaft zu sein“, sagte Fo einmal.

Sein außergewöhnliches Talent und seine politische und soziale Theaterarbeit wurden in Stockholm mit dem Nobelpreis gewürdigt – und die versammelte Literaturwelt staunte. Das Komitee aber hatte gute Gründe und bezeichnete ihn als Schriftsteller, „der in der Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wieder aufrichtet“.

Dafür zahlte er einen Preis: Dario Fo wurde rund 40 Mal wegen Beleidigung und Verhöhnung der Mächtigen vor Gericht geladen. Mehrmals wurde er gleich von der Bühne abgeführt. Über 70 Stücke hat er mit seiner 2013 gestorbenen Frau Franca Rame geschrieben, weshalb Fo stets von „unserem Nobelpreis“ sprach. Sie standen oft gemeinsam auf der Bühne, waren fast 60 Jahre lang ein eingespieltes Paar. „Dario ist ein Monument, ich bin seine Basis“, pflegte Franca zu sagen. Denn ohne Basis könne eine Statue nicht stehen. Noch Jahre nach Rames Tod sagte Fo in Interviews, er träume jede Nacht von ihr. Mehr als 30 Werke Fos wurden ins Deutsche übersetzt, darunter „Mistero Buffo“ (1969), „Die offene Zweierbeziehung“ (1983), „Sex? - Aber mit Vergnügen!“

(1994) und „Der Teufel mit den Titten“ (1997) – und die Titel verraten, wie schmunzelnd, beißend und obszön es da manchmal zugeht. Ob Mafia oder Waffenindustrie, Kirchenstaat oder Umweltsünden – Fo hatte sie alle im Visier.

Carola Frentzen

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