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Kultur Gletscherschmelzen am Neuen Kunsthaus
Nachrichten Kultur Gletscherschmelzen am Neuen Kunsthaus
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00:00 13.10.2018
Starkow/Althagen

Zwischen dem Neuen Kunsthaus in Althagen und der Kiefern-Birken-Reihe leuchten auf dem Rasen vier weiße unterschiedlich große Quader. Die Bildhauerin Anne Hille hat sie geschaffen. Sie arbeitet mit der Sockelform, allerdings „ohne etwas drauf“, wie sie sagt. In die Oberfläche hat sie die Silhouetten von Gletschern hineingeschnitten, die extrem abschmelzen. Es sind der Malaspina in Alaska, der Campo de Hielo an der Spitze von Südamerika, der Vatnajökull auf Island und der Austfonna bei Spitzbergen.

Bildhauerin Anne Hille aus Starkow fokussiert mit ihren Arbeiten in Althagen auf bedrohliche Naturereignisse

Der Ausgangsgedanke für diese Arbeiten ist die Klimaveränderung, die auch die Wissenschaft bewegt. „Wir spüren das nicht so, weil keiner von uns am Gletscher wohnt“, sagt Anne Hille. Sie fokussiert auf das, was der Weltklima-Rat diskutiert: Die Erderwärmung nimmt zu, der immer mehr Treibhausgase werden von den Menschen in die Atmosphäre geblasen, die Autoindustrie betrügt ihre Käufer, Umweltkatastrophen mehren sich, die Politik versagt. Auch über die Halbinsel Fischland-Darß- Zingst rollt der Verkehr unaufhaltsam. „Ich möchte schon am Thema Umweltveränderung dranbleiben“, sagt Anne Hille. „Es geht mir darum darzustellen, was sie für uns alle ausmacht.“

Die Arbeiten der Künstlerin zeichnen sich durch formale Schlichtheit aus. Sie wirken wie ein Negativ-Scherenschnitt. Das Material selbst, Siebdruckplatten für den Außenbereich, sind die Positivform, der Ausschnitt die Negativform. Man guckt von oben in ein Loch, in das nun das Laub fällt, im Winter Schnee. „Die Objekte sollen für zwei Jahre stehen bleiben“, sagt Gerlinde Creutzburg, Direktorin vom Künstlerhaus Lukas. Dort stellte Anne Hille bereits zweimal aus.

Anne Hille wurde 1968 in Essen geboren. Sie studierte Bildende Kunst an der École de Beaux Arts in Montpellier an der französischen Mittelmeerküste sowie Bildhauerei, ästhetische Erziehung, Kunst- und Kunstwissenschaften sowie Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin. Dort war sie Meisterschülerin beim englischen Metallbildhauer David Evison. Seit 2004 lebt und schafft sie im vorpommerschen Starkow an der Barthe, wo sich auch der paradiesische Pfarrgarten befindet.

Am Eingang des Neuen Kunsthauses in Althagen steht ihre Aluminiumskulptur „Landmasse“. Diese bezieht sich direkt auf den Abbruch der Steilküste in Niehagen vor Ahrenshoop innerhalb der letzten zwei Jahre. „Die Skulptur ist nicht auf den Millimeter genau, aber ich habe mich schon an die Maße gehalten“, sagt die Künstlerin.

Der Ausgangspunkt für die Arbeit sei die Idee gewesen, manchmal auch der Ort, wenn es um Kunst am Bau geht. Sehen habe nicht nur etwas mit dem Auge zu tun, sondern auch mit der Rezeption. Anne Hille sagt: „Kunst ist für mich eine Übersetzung in Form und Material, um das Thema in den Blick zu bringen. Es geht um die Zwischentöne. Man arbeitet mit Assoziationen.“

Elke Erdmann

Bildhauerin Anne Hille aus Starkow fokussiert mit ihren Arbeiten in Althagen auf bedrohliche Naturereignisse. Der Klimawandel bewegt die Künstlerin tief.

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