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Gottes Museum am Ende der Welt

Mona in Tasmanien Gottes Museum am Ende der Welt

Weiter weg von den Kunstmetropolen der Welt geht kaum: Auf Tasmanien hat der Millionär David Walsh ein Museum hingestellt, in dem es viel um Sex und den Tod geht. Der Erfolg ist enorm. Jetzt gibt es neue Pläne.

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Worte im Wassefall: „Bit.fall“ von Julius Popp.

Quelle: Christoph Sator

Berriedale. Allein schon der Parkplatz. Gleich hier wird einem klar, dass man es bei David Walsh, dem Gründer von Tasmaniens Museum of Old and New Art (Mona), mit keinem gewöhnlichen Menschen zu tun bekommt.

Oder wie sonst darf man es verstehen, wenn sich einer den Platz für die Limousine mit der Mahnung „Reserved God“ („Reserviert für Gott“) freihält? Und den daneben mit „Reserved God's Mistress“ („Reserviert für Gottes Geliebte“)?

Übertriebene Bescheidenheit ist die Sache des Australiers nicht. Aber warum auch? Aus ärmlichen Verhältnissen hat es Walsh, Jahrgang 1961, mit Glücksspiel und sonstigen Geschäften zum xxx-fachen Millionär gebracht. Und dann am anderen Ende der Welt, inmitten von Weinbergen, viele Tausend Kilometer entfernt von allen Kulturmetropolen, mit Beständen aus seiner Privatsammlung ein spektakuläres Museum hingestellt.

Seit der Eröffnung 2011 hat sich das Museum für Alte und Moderne Kunst - für Walshs Verhältnisse ein erstaunlich gewöhnlicher Name - zu einem Haus entwickelt, das regelmäßig Schlagzeilen macht. Die „Sunday Times“ nannte das Mona den „aufregendsten Beitrag zu Australiens Kultur seit Fertigstellung der Sydney-Oper“ 1973. Auf der Weltkarte der Kunst hat es heute seinen festen Platz.

Im vergangenen Jahr fanden mehr als 370 000 Besucher den Weg nach Berriedale, einem Kaff in Tasmanien. Viel mehr Einwohner hat die Insel im Süden des australischen Festlands auch nicht. Für ihre Tourismusindustrie ist das Mona zur wichtigsten Sehenswürdigkeit geworden. Drei Viertel der Besucher kamen vom Festland oder von noch weiter her, viele auch aus Europa.

In dem Bau, der tief in die Erde reicht, bekommen sie ein merkwürdiges Sammelsurium alter und moderner Kunst zu sehen - mit einem Schwerpunkt auf Tod und Sex und anderen Dingen, die die Menschheit immer schon beschäftigen und immer weiter beschäftigen werden. Walsh, ein Mitt-Fünfziger mit Galeristenbrille, wildem weißen Haar und weißem Bart, hat seinen Spaß an der Provokation.

Zum Beispiel mit der „Cloaca“, einer Verdauungsmaschine des belgischen Konzeptkünstlers Wim Delvoye. Das Ding wird regelmäßig gefüttert und sondert täglich Punkt 14.00 Uhr vor großem Publikum einen übel stinkenden Haufen aus. Oder eine lange Wand, an der der Australier Greg Taylor nicht weniger als 151 Porzellanabgüsse von Vaginas aneinandergereiht hat. Der Titel: „Cunts ... and other conversations“. Auf die deutsche Übersetzung verzichtet man lieber.

An anderer Stelle befindet sich ein künstlicher Wasserfall, in dem für Bruchteile von Sekunden Wörter sichtbar werden und dann gleich wieder verschwinden, die derzeit häufig gegoogelt werden. Der „Bit.fall“ ist eine Idee des Leipziger Künstlers Julius Popp. Aktuell liest man besonders oft den Namen Trump.

Alle paar Monate kommt im Mona auch der Schweizer Tim Steiner vorbei, setzt sich still auf einen Sockel und präsentiert seinen tätowierten Rücken. Wenn er einmal tot ist, bekommt ein Sammler die Haut. Damit das Museum dem Alte-Kunst-Teil im Namen gerecht wird, zeigt Walsh aber auch antike Funde, bis hin zu einem Grab mit ägyptischer Mumie, das man begehen kann. Rein darf man nur allein oder zu zweit.

Für das Mona hat Walsh fast nur Lob bekommen. Darauf ausruhen will er sich nicht. Soeben hat er die „nächste Phase der Entwicklung“ angekündigt. Ein Erweiterungsbau ist fast schon fertig, aber dann soll auf dem Gelände des Museums auch ein Fünf-Sterne-Hotel hochgezogen werden: mit 172 Zimmern, einem Theatersaal für tausend Leute und einem Casino. Der Name: Homo, zusammengesetzt aus den ersten Silben von Hotel und Mona.

Im Unterschied zum Museum soll der Neubau (geplante Eröffnung: Januar 2022) weithin sichtbar sein. Geplant ist, dass er wie eine Art umgedrehte Hängebrücke nach draußen ragt. Die Leute, die es mit Walsh nicht so gut meinen, spotten, dass er eher aussieht wie ein gigantischer Einkaufswagen. „Man darf auf seinen Lorbeeren nicht sitzen bleiben“, sagt der Millionär. „Aber dieses Mal könnte man auf den Gedanken kommen, dass uns das etwas aus den Händen geraten ist.“

Tatsächlich fallen die Reaktionen auf den Entwurf recht unterschiedlich aus. Viele sind der Meinung, dass man den erfolgreichen Mona-Gründer mit seinen Ideen gewähren lassen soll. Es gibt aber auch Leute wie die Architekturstudentin Penny Cutler, die meint: „Das 'Mona' passt wunderbar in die Landschaft. Und jetzt will er so ein Monstrum da hinstellen und alles ruinieren?“ Die Entscheidung liegt jetzt bei den Inselbehörden.

Walsh ist sich auch noch nicht sicher, ob er für den Bau eine Genehmigung bekommt. Plötzlich lässt der Mann mit dem „Gott“-Parkplatz sogar Selbstzweifel erkennen. „Ich wollte ein Museum bauen, das die Museumsindustrie kritisiert. Und jetzt bin ich, was ich immer kritisiert habe. Das habe ich nicht kommen sehen.“

dpa

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