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„Grässlich faul“ - Wenn Dichter baden gehen

Düsseldorf „Grässlich faul“ - Wenn Dichter baden gehen

Dichter in Badehose, das bringt einen oft zum Lachen. Stellt man sich die Schriftsteller doch meist als Denker am Schreibtisch vor. Eine Ausstellung in Düsseldorf zeigt Sommerfotos großer Autoren. Doch ihr „Urlaub“ war oft gar keiner.

Düsseldorf. Umringt von Freunden sitzt der erfolgreiche Schriftsteller Lion Feuchtwanger in Badehose 1935 am Strand der Côte d'Azur. „Ich sitze nackt in der Sonne, es ist sehr warm, und bin grässlich faul“, hatte Feuchtwanger einst über das vermeintliche „Eldorado“ an seinen Freund Bert Brecht geschrieben.

Doch lachen sieht man Feuchtwanger am Strand von Sanary-sur-Mer nicht. 1933 hatten die Nazis seine Bücher verbrannt, sein Haus geplündert und ihn ausgebürgert. Mit seiner Frau Marta zog Feuchtwanger nach Südfrankreich und floh später in die USA. Die Sommerfrische war ein Zwangsexil.

Das Foto ist eines von rund 20 Aufnahmen berühmter Autoren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die das Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut bis zum 11. September ausstellt. Passend zum Sommer kommt der Titel „Dichter in Badehose“ leicht daher. Doch die Hintergründe der Schnappschüsse seien oft bedrückend, sagt Institutsleiterin Sabine Brenner-Wilczek.

Hilde Domin etwa sitzt 1942 entspannt unter einem Trompetenblumen-Baum im Dschungel der Dominikanischen Republik. Ihre Füße sind in das kühle Nass eines Flusses getaucht. Sie lächelt. Urlaubsidylle? Wenn man weiß, dass die jüdische Dichterin erst zwei Jahre zuvor in das ebenfalls von einem Diktator regierte karibische Exil geflüchtet war, dort seelisch vereinsamte und 1954 nach Deutschland zurückkehrte, erscheint das Foto in einem anderen Licht.

1927 reiste der rheinische Autor Herbert Eulenberg nach Palästina und schrieb ein Buch über den Aufenthalt. Geblieben ist auch ein Foto, das ihn im schwarzen Badeanzug und die Arme stolz in die Hüften gestemmt im Jordan stehend zeigt. Wenige Jahre später entstand 1936 ein anderes Foto: Eulenberg sitzt mit ernstem Blick im Anzug und mit Baskenmütze in den Dünen des holländischen Noordwijk. Es war die letzte Reise, die die NS-Machthaber dem verfemten Pazifisten gestatteten, sagt Kurator Martin Willems, der für die Ausstellung wochenlang in Archiven recherchiert hat.

Durchaus üblich war es Anfang des 20. Jahrhunderts, sich Reisen sponsern zu lassen. So machte es etwa Hanns Heinz Ewers (1871-1943), Globetrotter und Bürgerschreck mit Vorliebe für Sex- und Skandalthemen. Er ließ sich Reisen von Schifffahrtsgesellschaften finanzieren. Ein Schnappschuss zeigt Ewers und seine nackte Frau Ilna 1903 auf Felsen an einem Wasserfall in Capri. Wenn das Foto nicht schwarz-weiß wäre, könnte man denken, jemand habe mit dem Smartphone die Szene genau in der Sekunde eingefangen, als Ilna Ewers-Wunderwald beim Eintauchen der Füße in das kalte Wasser vor Schreck aufschreit.

Züchtiger ging es bei Hermann Hesse 1908 am Bodensee zu. Er trägt Anzug und Hut, seine Begleiterin Blanche Schäfer ein langes weißes Kleid und ebenfalls Hut. Ganz das Gegenteil ist der Auszug aus einem Brief Hesses von 1910: Am Abend wolle er, der ja zu den stillen Leuten gehöre, den „Vollmond auf dem See in Booten feiern, mit Gesang und einer Flasche Wein“.

Gar nicht gut ging es wohl Mascha Kaléko 1930 auf Hiddensee. In eine lange dunkle Bluse gehüllt sitzt sie im Sand vor einem Strandkorb und starrt mürrisch aufs Meer. Später schrieb Kaléko auf das Foto: „Woher krieg ich bloß ein Retour-Billet?“

dpa

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