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Kultur Große Oper mit großen Stimmen
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00:01 20.03.2017
„Maskenball“-Premiere in Greifewald. Der Beifall für das Ensemble des Theaters Vorpommern war gewaltig. Quelle: Foto: Vincent Leifer
Greifswald

Fast hätte es geklappt, und das historische pommersche Stettin wäre Schauplatz einer nachmals berühmten Verdischen Königsmord-Oper geworden. Zensoren aber zwangen den Meister aus politischen Gründen zu Orts- und Personal-Kompromissen. So wurde das ursprüngliche Schweden-Drama um Gustav III. erst pommersch, dann florentinisch und endlich in Boston (!) zum „Un ballo in maschera“. Als solcher ist er nun in Greifswald zu hören: ohne Schweden-Bezug und in italienischer Sprache (mit Untertiteln). Mithin ist der Inszenierung Horst Kupichs der historisch belegbare Bezug – als revidierte Fassung zugänglich – weniger wichtig als die Überzeugungskraft eines ortsunabhängigen, zeitlosen Geschehens um politische Kabale und eine tragische Dreiecksbeziehung.

Und das ist zu begründen: mit einer Aufführung, die im traditionellen auf vertiefende, auch zuspitzende Einfälle nicht verzichtenden Rahmen ganz auf Verdis Gespür für die Musikträchtigkeit des szenisch zugespitzten Wortes und seiner psychologisch vertiefenden, musikalischen Gestaltung setzt. Auf karger, meist schwarzer Bühne und in kontrastierend farbenüppiger Ausstattung (Jakob Knapp a.

G.) vollzieht sich ein Geschehen, das seine Glaubwürdigkeit als Kunstform Oper – zwingend als Idee, aber nur unvollkommen realisierbar (Oscar Bie, 1913) – aus der so emphatisch wie kontrastscharf ausgespielten Brisanz dramatischer Situationen, erregender individueller Konstellationen und dem Wirken starker Charaktere bezieht: große Oper eben! Und die kann sich das Theater Vorpommern locker leisten: Karo Khachatryan ist als Graf Riccardo ein heldentenoral unangestrengt glänzender, leichtgläubiger Menschenfreund, Thomas Rettensteiner sein die riesige, raumfüllende Stimme schon mal beängstigend wenig schonender Freund – und Mörder – Renato. Ganz groß sind Kristi Anna Isene als stimmlich ungemein affektgeladene, leidenschaftliche Amelia, Anne Møllers alt-dramatisch unheilverheißende Zigeunerin Ulrica und Jardena Flückigers zitronengelber, quirliger Soubretten-Page Oscar. Auch kleinere Rollen sind mit Maciej Kozlowski, Andrey Valiguras sowie Chormitgliedern bestens besetzt.

Der Chor selbst (Julija Domaševa) – agierte wieder hinreißend. GMD Golo Berg, wie immer souverän und mit den Philharmonikern auf ganzer Linie hochdramatischer orchestraler „Mitredner“, konnte genau das vermitteln, was ihn erklärtermaßen besonders bewegte: die Freude, mit solch einem Ensemble musizieren zu können. Der Beifall war gewaltig!

Ekkehard Ochs

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