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Große Show für die Kleinen

Anklam Große Show für die Kleinen

Das Ensemble „Kinderland“ feiert morgen am Theater Anklam Premiere mit dem Stück „Der zerbrochene Zauberspiegel“.

Anklam. Geduldig sitzt die elfjährige Hely Joan Piskorski vor dem Spiegel, während Bianca Tautorus, die im Theater Anklam für die Maske zuständig ist, ihr mit ruhiger Hand knallroten Lippenstift aufträgt. Nebenan schlüpfen die letzten Kinder in ihre Kostüme. „Hier kratzt was“, sagt Nachwuchs-Troll Johannes Hempel und deutet auf seine Perücke. Für die jüngsten Schauspieler der Vorpommerschen Landesbühne vom Ensemble „Kinderland“ ist es die erste Probe in Kostüm und Maske, bevor ihr Stück „Der zerbrochene Zauberspiegel“ am Sonntag Premiere hat.

„Und bitte“, ruft Regisseurin Barbara Herrmann, während der Vorhang zur Seite gleitet und den Blick auf eine Szene am Küchentisch freigibt. Die 13-jährige Anne Glawe muss sich immer wieder das Lachen verbeißen. „Es gibt noch einiges, was ich falsch gemacht habe“, verrät sie danach. „Ich muss auf jeden Fall noch die Abgänge üben.“ Auch bei den anderen Nachwuchsschauspielern gibt es noch den ein oder anderen Patzer.

Einsatz verpasst, Texthänger oder die Frage, wer steht wo – immer wieder muss Barbara Hermann liebevoll einschreiten. „Lauter, Kinder, denkt dran, ihr spielt nach hinten“ oder „Stop, Laura, geh bitte nochmal ein Stück zurück“, kommt es zwischendurch aus der ersten Reihe, wo Hermann mit ihrem Ensemble mitfiebert.

Seit April vergangenen Jahres proben die 14 Jungschauspieler, die zwischen sieben und 13 Jahre alt sind und aus Anklam und Umgebung stammen, einmal pro Woche. Nun, wo es in den Endspurt geht, opfern sie sogar die erste Ferienwoche, um ihrem Projekt den letzten Schliff zu geben. „Ich mache das gerne, es ist aufregend und macht wirklich Spaß“, sagt Hely. Doch das ist nicht immer so.

„Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Kinder müde und lustlos sind“, sagt Herrmann. „Gestern war total die Luft raus.“ Ihr Geheimrezept: „Jacke anziehen und draußen fangen spielen oder Improvisationsübungen auf der Probebühne machen. Dann geht es gleich wieder“, sagt sie und lacht. Dass kurz vor der Aufführung eine Darstellerin ausgestiegen sei und Herrmann zweimal umbesetzen musste, haben Ensemble und Regisseurin gut gemeistert. Doch so gelassen, wie sie scheint, ist Herrmann nicht immer. „Ich bin selbst auch total aufgeregt“, verrät sie. Denn die Produktion ist auch für die gebürtige Dresdnerin die erste Regiearbeit.

2006 beendete Herrmann ihre Ausbildung an der Theaterakademie Vorpommern, seitdem ist sie freischaffende Schauspielerin und lebt in Wolgast. „Ich wollte schon immer das Pädagogische mit dem Theater kombinieren, bisher hat das aber nicht geklappt“, sagt sie. Bis 2016, als ihr die Leitung des Kinderensembles angeboten wurde, das bereits 1994 von der Schauspielerin Gerda Quies am Theater Anklam begründet wurde. Nach einer Pause existiert das Ensemble seit 2013 wieder in Anklam.

„Das Theater Anklam ist eines der wenigen Häuser, das so eine Gruppe im Haus integriert hat, und das seit 1994, zu der Zeit war das ja noch nicht üblich“, sagt Hermann. Dass die Kinder in einer kulturarmen Gegend freiwillig ins Theater kommen, sei wichtig, betont die zweifache Mutter. Auch, was den sozialen Aspekt betreffe: „Viele Kinder haben sich hier kennengelernt und angefreundet.“

Das Stück aus der Feder der Dortmunder Pädagogin Nicole Foß, in dem es um drei Geschwister geht, die per Zufall einen Zauberspiegel entdecken und damit das Tor zur Hexenwelt öffnen, hat Hermann gemeinsam mit den Kindern ausgewählt und bearbeitet. „Das hat praktische Gründe, weil im Sommer noch Kinder dazugekommen sind“, sagt Herrmann. Dazu gehört auch das jüngste Mitglied, der siebenjährige Johannes Hempel, dem Herrmann die Rolle des kleinen, vorwitzigen Trolls direkt auf den Leib geschrieben hat. „Ich habe Angst, dass ich aufgeregt bin und meinen Text vergesse, wenn so viele Leute zuschauen“, sagt er. Doch Gestik und Mimik beherrscht der kleine Anklamer schon fast perfekt. „Mein Vorbild ist Matthias Schweighöfer“, verrät der Steppke. „Wenn ich älter bin, will ich auch Schauspieler werden, genau wie er.“

Stefanie Büssing

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