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Großes Herz und große Stimme: Bonnie Tyler

Rostock Großes Herz und große Stimme: Bonnie Tyler

2300 Zuschauer erlebten in Rostock eine musikalische Zeitreise

Rostock. Bonnie Tyler legt die Latte für ihre Altersgenossen hoch: Mit 65 Jahren vor Energie strotzend 90 Minuten lang die Bühne auszumessen, mit der unnachahmlichen Reibeisenstimme ein Song-Repertoire durch viele Musikgenres zu bieten und dabei noch unverschämt gut auszusehen, muss der Frau erst mal einer nachmachen. Und der Auftritt am Sonntagabend in der Rostocker Stadthalle war erst der Anfang ihrer aktuellen Tournee.

 

OZ-Bild

Der hat mich echt verrückt gemacht.“Bonnie Tyler über Dieter Bohlen, der mit ihr Alben in den 80ern aufgenommen hat

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Mit „Have you ever seen the rain?“, dem Megahit von C.C.R., eröffnet sie mit ihrer grandios aufgelegten Live-Band die Show. In Lederkluft und mit dem markanten Blondschopf animiert sie die 2300 Zuschauer in der Halle zum „I wanna know“-Mitgrölen. Welch eine Bühnenpräsenz, welch Stimmgewalt und – bei allem Respekt – welch eine Rampensau.

Nach dem Coversong zeigt sie ihre Country-Einflüsse, um dann mit einem Liebeslied anzuschließen. Das sie allerdings auf dem emotionalen Höhepunkt unterbricht – zwangsweise. „Entschuldigung!“, ruft sie einem Ordner auf Englisch hinterher, der in den ersten Minuten so oft Leuten das Fotografieren untersagt hat, dass sein Verhalten die Konzertatmosphäre beeinträchtigt. „Ich habe kein Problem damit, dass meine Fans Fotos von mir machen, das ist völlig okay“, ruft sie dem übereifrigen Aufpasser zu. Das Publikum jubelt – sofort schießt die doppelte Menge Handys nach oben. Nach der Ansage setzt sie bei „To Love Somebody“ cool wieder in der Mitte ein.

Die Auswahl ihrer Lieder deckt ein Schaffen ab, dessen Vielfalt die bekannten Charterfolge nicht widerspiegeln. Die Rocknummer „Hide your heart“ etwa aus den 80er Jahren, die Paul Stanley von Kiss geschrieben hat und die sie fabelhaft interpretiert. Ihre Bringer baut sie geschickt um unbekanntere Stücke herum, ohne einen Hit-Medley-Charakter zu erzeugen. „Lost in France“, den sie bei der Aufnahme 1976 gar nicht so mochte, „It’s a Heartache“, bei dem sie den Strophenpatzer charmant wegschmunzelt und natürlich die Jim-Steinman-Klassiker „Total eclipse of the heart“ und „Faster“ – bombastische Melodien und Theatralik.

Ein anderer Songschreiber ist dem Publikum geläufiger: Dieter Bohlen. „Der hat mich echt verrückt gemacht“, sagt die Engländerin über den Produzenten, der mit ihr Alben in den 80er Jahren aufgenommen hat. Die Shanty-Nummer „Bitterblue“ gibt sie aus dieser Zeit zum Besten. Zugaben als Zeitreise: Einen Janis-Joplin-Blues, „River deep mountain high“ von Ike and Tina Turner. Und die Originalversion von „Simply the best“: Den hatte Bonnie Tyler erfolglos eingespielt, zwei Monate bevor Tina Turner damit einen Welthit landete.

Claudia Tupeit

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