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Kultur Großes Kino auf der Theaterbühne
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03:42 22.02.2018
Femke Soetenga (2. v. l.) ist in der Schweriner Inszenierung als Lucy zu sehen. Quelle: Foto: Silke Winkler
Schwerin

Die unversöhnlichen Zwillinge Gut & Böse sind das Motiv im 1990 uraufgeführten Musical „Jekyll & Hyde“ von Steve Cuden und Frank Wildhorn, das am Freitag im Mecklenburgischen Staatstheater Premiere hatte. Mit der gelungenen Schweriner Produktion setzt Regisseur Kay Kuntze die Erfolgsgeschichte des Stücks fort.

„Drum schonet mir an diesem Tag Prospekte nicht und nicht Maschinen! Gebraucht das große und das kleine Himmelslicht“, fordert der Theaterdirektor in Goethes Drama „Faust“. Eine Forderung, der Duncan Hayler mit seiner Ausstattung (Bühne und Kostüme) unter Ausnutzung aller Möglichkeiten der Werkstätten und der Bühnentechnik nachkommt: eine gemalte Kathedrale, die riesige Laborwand voller Gläser und Retorten, Metallgestänge, die von der Drehbühne herumgewirbelt werden, dazu kommen Nebel, eine Glitterkanone sowie Schnee, Regen und Feuerwerk per Video. Statt auf das Himmelslicht setzt die Ausstattung auf ein stimmungsvolles Lichtdesign, das mit Blau-, Rot- und Grautönen die drei Hauptfiguren charakterisiert: Blau – das für Treue und Hoffnung steht – für Lisa, die großbürgerliche Verlobte von Dr. Jekyll, das Rot ist die Farbe von Lucy, dem Freudenmädchen und das Grau widerspiegelt in allen Schattierungen den widersprüchlichen Charakter von Dr. Jekyll.

Ein Mediziner, ein Wissenschaftler , der überzeugt ist, dass er das Gute vom Bösen im Menschen trennen kann. Um seine Theorie zu bestätigen, wagt Jekyll einen Selbstversuch, verwandelt sich in Edward Hyde. Mit schrecklichen Folgen: Als Hyde wird er zum mordenden Ungeheuer, er vergewaltigt und tötet Lucy – die Frau, die sich in ihn verliebt hat und dank dieser Liebe Hoffnung für eine bessere Zukunft fand. Jekyll wird die Bestie Hyde nicht mehr los, sie besiegt ihn und bei der Trauung mit Lisa kommt es zum Eklat – und nur der Tod kann die Erlösung sein

Hat das Gute am Ende verloren? Was ist überhaupt gut und was ist böse? Wo wäre die Menschheit ohne fanatische, ausdauernde Forscher wie Dr. Jekyll? Sind die braven Töchter wie Lisa die Guten und die Mädchen der Nacht wie Lucy die Bösen? Die Gesellschaft meint nicht, was sie sagt und sagt nicht, was sie meint – sie bewahrt eine Fassade. Eine Fassade, eine Maske, hinter die Dr. Jekyll schauen will. „Jekyll & Hyde“ ist ein melodramatisches, abwechslungsreiches Musical. In der Schweriner Inszenierung klug ausbalanciert zwischen Show und Geschichte und von fabelhaft agierenden Solisten interpretiert: Marc Clear moduliert ohne große äußerliche Effekte, nur mit Körpersprache und seiner facettenreichen Stimme die Doppelfigur Jekyll/Hyde. Er differenziert zwischen den Charakteren, zeigt aber auch, dass Jekyll und Hyde immer eine Person sind.

Femke Soetenga spielt die Lucy als schrilles Vollblutweib, eine starke Frau mit einer verletzlichen Seite und innigen Momenten. Von zart zu kraftvoll-entschlossen entwickelt Marie-Therese Anselm ihre Lisa, aus dem Püppchen wird eine selbstbewusste Frau. Cornelius Lewenberg als Gabriel John Utterson, Anwalt und Freund von Jekyll, erzählt feinfühlig, verhalten die Geschichte seines Freundes – voller Entsetzen, aber auch Mitgefühl. Chor, Ballettensemble, die unter Leitung von Michael Ellis Ingram swingende Mecklenburgische Staatskapelle und die Solistinnen und Solisten des eigenen Ensembles – rund 100 Akteure – tragen diesen tempo- und spannungsreichen Abend, den das Premierenpublikum mit viel Szenen- und langem Schlussapplaus feierte.

Musical nach Romanvorlage – weitere Vorstellungen

„Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (1886) ist eine Novelle des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson (1850–1894). Neben vielen Verfilmungen hatte 1990 das Musical „Jekyll & Hyde“ in den USA Premiere, die Broadwaypremiere folgte 1997. Deutschsprachige Erstaufführung war 1999 in Bremen.

Weitere Termine von „Jekyll & Hyde“ in Schwerin:

22. Februar, 19.30 Uhr; 23. Februar, 19.30 Uhr; 24. Februar, 19.30 Uhr;25. Februar, 18 Uhr; 8. März, 19.30 Uhr;

9. März, 19.30 Uhr. Alle Vorstellungen finden im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin statt.

Karin Gustmann

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