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Großes Kino in der Villa Papendorf

Papendorf Großes Kino in der Villa Papendorf

Klaus Maria Brandauer und Maria Magdalena Wiesmaier verneigten sich vor Luis Buñuel

Papendorf. Er hatte noch die Ära der Stummfilme erlebt und zählte seit den 1920er zur künstlerischen Avantgarde, und für seinen Film „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“

erhielt der spanisch-mexikanische Filmemacher Luis Buñuel (1900-1983) 1972 den Oscar. Klaus Maria Brandauer zählt zu den begnadetsten Schauspielern unserer Zeit, und für seine Rolle in „Jenseits von Afrika“ bekam er den „Golden Globe“ und eine „Oscar“-Nominierung. Beide Männer sind Filmbesessene, und sie sorgten am Sonnabend in der Villa Papendorf für ganz großes Kino.

Brandauer, ganz in Schwarz auf kleinem Podest an einem antiken Tischchen, las aus Buñuels Autobiografie „Mein letzter Seufzer“, die Drehbuchautor Jean-Claude Carrière aufgezeichnet hat. Es sind Erinnerungen an seine Kindheit in einer wohlhabenden Familie in Saragossa („Wir lebten wie im Mittelalter“), an seine im Alter demente Mutter, er erzählt Anekdoten über Frauen, erinnert sich an Freunde, singt ein Hohelied auf den Alkohol (und verrät das weltbeste Rezept für Martini Dry), erinnert an die subversiven Aktionen der Surrealisten – seine Filme „Ein andalusischer Hund“ und „Das goldene Zeitalter“ gelten als die wichtigsten surrealistischen Filme. Und während Brandauer aus dem Manuskript in einer großen blauen Mappe liest, wird der 73-Jährige für eine gute Stunde Buñuel, der über das Leben und den Tod sinniert und über Gott und die Welt philosophiert und sich selbst als „Atheist in Gottes Gnaden“ beschreibt. Mal sehr still und versonnen, dann wieder kraftvoll und amüsant nimmt er die Zuhörer in der voll besetzten Villa mit auf die Lebensreise des Regisseurs. Die junge Cellistin Maria Magdalena Wiesmaier übersetzt die Stimmungen in Musik, sie spielt Variationen von Pablo Casals und eigene Kompositionen, verbindet klassische und moderne Musik unaufgeregt und federleicht. Seit 2001 arbeiten Brandauer und Wiesmaier zusammen, und diese Verbundenheit schafft eine große Einheit zwischen Musik und Wort.

Die entzückten Besucher forderten mehrere Zugaben und gingen nach einem weiteren Solo und dem Gedicht „Der Pflaumenbaum“ von Bertolt Brecht beglückt in die laue Septembernacht.

Petra Haase

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