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Gucci im Rausch, Wunderkind im Widerstand

Mailänder Modewoche Gucci im Rausch, Wunderkind im Widerstand

Erster Tag der Mailänder Modewoche und gleich zwei Highlights. Gucci mixte über alle Grenzen hinweg. Und Wunderkind präsentierte sich mit einer politischen Botschaft.

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Der deutsche Designer Wolfgang Joop: „Es ist an der Zeit, erwachsen zu werden.“

Quelle: Britta Pedersen

Mailand. Wenn eine Inspirationskette vom alten chinesischen Kaiserreich bis zum Heavy Metal reicht, dann ist in Mailand Gucci-Zeit.

Das italienische Luxuslabel unterstrich am Mittwoch anlässlich der noch bis Montag laufenden Designerdefilees Herbst/Winter 2017/18 seine Bereitschaft, nahezu alle Moderegeln in Frage zu stellen. Sein Kreativdirektor Alessandro Michele wird dafür derzeit wie ein Popstar verehrt.

Durch um eine schwarze Pyramide gelegte gläserne Gänge liefen Frauen und Männer in einem Tempo, dass sich die Komplexität der einzelnen Looks kaum erfassen ließ. „Der Garten des Alchimisten“, so war die Show betitelt. Und wie ein solcher mixt Michele über alle Grenzen hinweg. Flora und Fauna, Orient und Okzident, Zimmermädchen und Rocker, Sportliches und Höfisches - alles geht. Und wenn es mal keine Muster gibt, dann Stickereien mit funkelnden Steinen. Mag sein, dass Gucci auf den ersten Blick wie ein opulentes Kostümfest aussieht, doch die Marke inspiriert im Moment den ganzen Modemarkt.

Wolfgang Joop hingegen holte die Politik auf den Laufsteg: „Die aktuellen Ereignisse verändern uns alle. Es ist an der Zeit, erwachsen zu werden.“ In der Show seines Labels Wunderkind präsentierte er am Mittwoch eine Modebotschaft, die kämpferisch wie auch optimistisch ist.

„Ich habe noch nie so viel gezeichnet und noch nie so viel verworfen wie in dieser Kollektion“, erklärt Wolfgang Joop im Backstage-Bereich sein Ringen um die richtige Antwort auf die politischen Geschehnisse. Und so hat er sich schließlich artikuliert: Japanische Kirschblüten-Drucke symbolisieren, dass die Gesellschaft erwachen soll. Verfremdete Camouflage-Muster, Hoodies und die bei vielen Models vermummten Gesichter rufen dazu auf, für die Freiheit und den Liberalismus zu kämpfen. Aufgestickte Namen großer Jazzmusiker wie Duke Ellington oder Charlie Parker erinnern daran, dass Amerika aus verschiedenen Kulturen besteht.

„Das Negative an Donald Trump ist das Positive“, findet Wolfgang Joop. „Denn er rüttelt uns aus der Lethargie wach.“ Und als zum Finale der Show alle Models, Frauen und Männer, sich mit entschlossenem Blick zu einem Demonstrationszug formierten, sah es fast so aus, als befänden sie sich auf direktem Weg Richtung Weißes Haus.

dpa

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