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Rostock Haltung und Herzblut

4800 Fans feiern die Broilers auf der Tour zum neuen Album in Rostock

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Die Broilers in der ausverkauften Stadthalle Rostock. Das Publikum ging „durch die Decke“.

Quelle: Fotos: Sebastian Heger

Rostock. Das Rezept ist so einfach, wie wirkungsvoll: Man nehme Punkrock als Basis, füge Elemente wie Ska und Pop und einen Hauch Rockabilly dazu und mische das Ganze mit Pathos, Emotionen und jeder Menge Herzblut: So lässt sich nicht nur die musikalische Entwicklung der Broilers über die letzten 23 Jahre verkürzt zusammenfassen, sondern auch ihre Erfolgsformel, mit der sie sich vom ehemaligen Szene-Act in große Hallen hochgespielt haben: Auf der Tour zu ihrem im Februar erschienenen Album „Sic!“ machten die Band am Sonnabend in der ausverkauften Rostocker Stadthalle Station, wo die Punkrocker von rund 4800 Fans frenetisch gefeiert wurden.

OZ-Bild

4800 Fans feiern die Broilers auf der Tour zum neuen Album in Rostock

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Als die Broilers um Frontmann und Sänger Sammy Amara um 21 Uhr endlich auf die Bühne stehen, gibt es kein Halten mehr im Publikum. Waren die Reaktionen auf die Psychobilly-Show der Kalifornischen Vorband STiger Army" eher verhalten, lagen bei den Broilers bereits beim ersten Lied die ersten Oberkörper frei und die Menge pulsierte. „Wir werden zusammen durch die Decke gehen, der Himmel ist das Limit“, versprach Amara, während die ersten vollen Plastebecher durch die Luft flogen und einige Fans unfreiwillig abduschten. Zu stören schien das niemanden, viel zu sehr war die Masse damit beschäftigt, den größten Circle Pit Rostocks zu bilden oder sich beim Crowdsurfen über die Menge tragen zu lassen. Prominente Unterstützung gab es auch im Publikum von den Punkrockerkollegen der Rostocker Band „Feine Sahne Fischfilet“. „Wir waren vor zwei Jahren auf Tour. Heute hat unsere Band geprobt, daher sind wir geschlossen hier“, sagt Sänger Jan Gorkow alias „Monchi“.

Dass die Broilers noch weit mehr können, als zu unterhalten, beweisen sie mit ihren Texten, die ihren Liedern Tiefe und Substanz verleihen. In ihrer mehr als zweistündigen Show spielte die Band neben Klassikern wie „Tanzt du noch einmal mit mir“ oder „Ich sah kein Licht“ Stücke des neuen Albums. Mit Liedern wie „Bitteres Manifest“ oder „Keine Hymnen heute“ setzen die Broilers ein politisches Zeichen gegen Rassismus und Faschismus. Damit macht sich die Band nicht nur Freunde: „Es gab Reaktionen, die gesagt haben, dass wir uns aus der Politik raushalten sollen. Aber wir haben eine Meinung.

Wenn es darum geht, die Freiheit zu verteidigen, muss man besonders laut schreien“, betonte Frontmann Sammy Amara.

„Ich finde es gerade gut, dass sich die Band politisch engagiert", sagt Steffi Jahn (36), die aus Bützow angereist ist. „Ansonsten mag ich die Musik und finde den Sänger auch ganz windschnittig.“

Und das stimmt, auch wenn man dem diplomierten Grafikdesigner, der mit der Punk-Attitüde kokettiert, das Revoluzzertum der Subkultur nicht mehr so richtig abnimmt. Vielleicht folgt er damit aber auch nur Vorbildern wie den „Toten Hosen“, die ihm als jugendlicher Nachwuchspunk den Weg wiesen – immerhin sind die Tage, in denen Campino besoffen in Talk-Shows sitzt, auch längst passé. Genauso wie die Düsseldorfer haben sich auch die Broilers mittlerweile in die großen Hallen hochgespielt – vom Szene-Act zum Mainstream. Vorwerfen kann man ihnen den Erfolg nicht. Vor allem, weil man spürt, dass sich die Band dafür nicht verbiegt. Sie steht zu ihrer Entwicklung. Das zeigt schon der Titel des neuen Albums. „Sic!“ – genau so und nicht anders."

Stefanie Büssing

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