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00:00 03.02.2018

„I’m eighteen and I like it“ (Ich bin achtzehn und es gefällt mir), singt Alice Cooper 1970, der damals noch Vincent Furnier heißt, und die Band landet damit ihren ersten Hit. Vorausgegangen sind zwei Alben, die noch keinen kommerziellen Erfolg brachten.

Inzwischen hat Alice Cooper 27 Studioalben veröffentlicht, ist eine der prägenden Gestalten der Rockmusik der vergangenen Jahrzehnte, gibt immer noch gefeierte Konzerte und wird morgen 70 Jahre alt.

Im Geschäft mit Frank Zappa

Auf der Suche nach einem Plattenvertrag trifft die Highschool-Band aus Detroit, die zunächst „The Earwigs“, dann „The Spiders“, später „The Nazz“ und schließlich „Alice Cooper“ heißt, 1968 auf den Plattenproduzenten und Musiker Frank Zappa. Der hat sie zu sieben Uhr zu sich bestellt. Als die Band statt abends um sieben Uhr morgens auf der Matte steht und ihre Musik präsentiert, soll Zappa – im Bademantel – gesagt haben: „Ich verstehe weder Eure Musik noch wie Ihr solche Freaks sein könnt. Ich gebe Euch den Vertrag.“ Diese Verbindung zu Zappa macht Alice Cooper im Sommer 2012 zum Star-Gast beim „Heavy Guitar Day“ der „Zappanale“ in Bad Doberan – einem Festival, das sich der Musik und dem Schaffen Frank Zappas verschrieben hat. In Zeiten der Hippie-Bewegung schwimmt Alice Cooper nicht auf der Peace & Love-Welle, sondern macht das Gegenteil. Sie entwickelt sich zur Skandal-Band, die mit reichlich Theaterschminke, Kunstblut und einer chaotischen Attitüde auf die Bühne tritt.

„Damals wollten alle die Welt verbessern. Niemand hätte sich hingestellt und gesagt, er sei nur Rockstar, um Geld für Ferraris zu beschaffen und Blondinen abzuschleppen“, erzählt Alice Cooper in seiner Autobiographie. „Wir haben genau das getan.“ Ein wahres Horrorkabinett gehört zur Bühnenshow, in der der Frontmann mit Schlangen hantiert, gewalttätig wird und dafür regelmäßig hingerichtet wird – mal auf dem elektrischen Stuhl, mal am Galgen, immer wieder auch per Fallbeil.

Der Hühnchen-Vorfall

Die Band lernt schnell, die mediale Aufmerksamkeit für sich zu nutzen. „Einmal warf jemand ein lebendes Huhn auf die Bühne“, erzählt Cooper. Er habe keine Ahnung gehabt, dass Hühner nicht richtig fliegen können, und das Tier zurück ins Publikum geworfen, wo es von den Fans zerrissen wurde. In der Zeitung habe am nächsten Tag nichts von John Lennons Plastic Ono Band oder den Doors gestanden, zwischen denen Alice Cooper aufgetreten war. Frank Zappa habe ihn angerufen und gefragt, ob es denn stimme, was in der Zeitung steht: „Alice Cooper tötet Huhn und trinkt sein Blut“. Als er das verneint, habe Zappa gesagt: „Erzähl es keinem. Alle hassen Dich jetzt deswegen, also wird die Jugend dich lieben.“

Die Zusammenarbeit mit Produzent Bob Ezrin führt schließlich zum internationalen Erfolg, zunächst mit der Single „I’m eighteen“, später mit den Alben „Love it to Death“ (1971), „Killer“ (1971), „School’s out“ (1972) und „Billion Dollar Babies“ (1973). Für die Veröffentlichung von „School’s out“ in den Sommerferien 1972 hat die Band eine neue Provokation parat: Die Platte soll nicht in den üblichen Papiertüten stecken, sondern in pinken Papier-Unterhöschen. Eltern sollen es hassen, Kinder lieben. Doch die Erstpressung des Albums wird von den US-Behörden verboten. Begründung: Die Höschen seien nicht feuerfest. Heute sind sie begehrte Sammlerstücke.

Alice Cooper wird Solokünstler

Nach sechs anstrengenden Jahren mit Liveauftritten und Studioproduktionen ohne Pause geht die Band 1974 schließlich getrennte Wege, die Mitglieder kümmern sich um Solo-Projekte. Sänger Furnier übernimmt den Namen Alice Cooper für sich selbst und arbeitet weiter mit Produzent Ezrin zusammen, der bis heute für zwölf Cooper-Alben verantwortlich ist. „Er ist mein George Martin“, sagt Alice Cooper und vergleicht Ezrin so mit dem langjährigen Beatles-Produzenten. Das erste Soloalbum Coopers ist das Konzeptalbum „Welcome to my Nightmare“ (1975) und liefert einen dazugehörigen Musikfilm, der den „Albtraum“ auf Video bannt, Jahre bevor der Musiksender MTV auf Sendung geht.

Alice auf Entzug

Ende der Siebziger Jahre hinterlässt das Rockstar-Dasein seine Spuren an Coopers Körper. Einem ersten Alkoholentzug folgt ein Rückfall. Experimentelle, aber erfolglose Alben entstehen, an deren Produktion sich Cooper heute kaum zu erinnern glaubt. Als seine Frau Sheryl ihn schließlich vor die Wahl stellt, sich von ihr oder endgültig vom Alkohol zu trennen, gewinnt sie. Der zweite Entzug 1983 wird zum Erfolg und Cooper – Sohn und Enkel von Pastoren – wird zum bekennenden Christen. Immerhin könne es ihm nur mit Gottes Hilfe gelungen sein, die Lust auf Alkohol zu verlieren. Das Golfspielen wird zu Coopers neuer Sucht. Mit dem Single-Hit „Poison“ vom Album „Trash“ (1989) gelingt schließlich das Comeback. Seine Bühnenshows gelten als Wegbereiter moderner Produktionen und enthalten bis heute die Guillotine, mit der am Ende das Böse auf der Bühne vernichtet wird. „Dann stirbt der böse, arrogante Alice, der sich nie beim Publikum bedankt, sondern den Applaus für selbstverständlich hält“, sagt Cooper. Der Alice, der dann für die Zugaben auf die Bühne zurückkehrt, sei ihm selbst viel ähnlicher. Der freut sich über die Rock’n’Roll-Party, die jetzt bereits seit 50 Jahren andauert und immer noch ein großes Publikum hat. Seit Jahrzehnten an seiner Seite ist auch seine Frau Sheryl Cooper, die auf der Bühne in verschiedenen Rollen schlüpft und bereits in den 70ern als Tänzerin zur Alice-Cooper-Band gehörte.

Tribut an alte Saufkumpane

Inzwischen arbeitet Cooper wieder mit seinen Bandkollegen aus der Originalband zusammen. Außerdem hat er gemeinsam mit seinen Freunden Joe Perry von Aerosmith und dem Schauspieler Johnny Depp eine neue Band namens Hollywood Vampires gegründet. Die gedenkt auf ihrem Debütalbum der Rockstars, mit denen Cooper in den 70ern regelmäßig in einer Bar in Los Angeles Alkoholexzesse erlebt hat – mit Coverversionen von deren Hits. Cooper nennt Keith Moon von The Who, Harry Nilsson oder John Lennon als Mitglieder des Trinkklubs „Hollywood Vampires“. In der Rainbow-Bar von Los Angeles soll es noch heute eine Plakette geben, auf der „Lair of the Vampires“ (Höhle der Vampire) steht.

„Das Projekt ist reiner Spaß“, sagt Cooper. „Johnny ist an der Gitarre so gut, dass er Joe gelegentlich Nachhilfe gibt.“ 2018 sind Cooper, Perry und Depp auf Tournee – auch in Deutschland. Ans Aufhören denkt der Vater von drei Kindern und Großvater von Zwillingen noch lange nicht. „Wenn ich glaube, dass ich meinen besten Song geschrieben und meine beste Show gespielt habe, dann könnte ich ans Aufhören denken. Aber das ist noch lange nicht der Fall.“

Ove Arscholl

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