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„Happy End“ im französischen Calais

Berlin „Happy End“ im französischen Calais

Der Film erzählt die Geschichte einer Unternehmerfamilie und von Flüchtlingen / Kinostart ist am 12. Oktober

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Szene aus „Happy End“, u.a. mit Fantine Harduin, Jean-Louis Trintignant, Isabelle Huppert, Laura Verlinden (v.l.) und Mathieu Kassovitz (r.).

Quelle: Foto: Dpa

Berlin. . Michael Haneke ist eine feste Größe im europäischen Kino. Seinen Ruf erarbeitet hat sich der in München geborene Österreicher über einen Zeitraum von bald drei Dekaden: mit Kino- und auch TV-Werken wie dem verstörenden „Funny Games“ oder der Kafka-Adaption „Das Schloss“. Nicht zuletzt aber mit dem epochemachenden, mehrfach preisgekrönten, in schwarz-weiß fotografierten „Das Weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ aus dem Jahr 2009. Zuletzt war Haneke im Kino präsent mit seinem Drama „Liebe“, das war vor fünf Jahren.

Nun legt der 75-jährige Regisseur und Drehbuchautor einen neuen Film vor: „Happy End“ (Kinostart: 12. Oktober) ist mit großen Namen des europäischen Kinos besetzt, darunter auch Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant.

Haneke, der auch diesmal fürs Skript verantwortlich zeichnet, erzählt von einer moribunden französischen Unternehmerfamilie. Auch in seinem neuen Film hat er ein ganz feines Auge für die Insignien des Großbürgertums: Die Laurents, die ein Bauunternehmen ihr Eigen nennen, residieren im küstennahen Calais, das üppige Anwesen ausstaffiert mit großen Gemälden, stets frischen Blumensträußen, exquisitem Porzellan, raumgreifenden Sofas und großen Statuen. Beim Frühstück darf die teure Orangenmarmelade nicht fehlen, serviert vom marokkanischen Hausangestellten Rachid.

Das feine Äußere aber kann hier niemals darüber hinwegtäuschen, wie marode es im Inneren der Familie aussieht: Es gibt zwei Selbstmordversuche in diesem Film, der unterkühlte Umgang der Familienmitglieder miteinander macht immer wieder frösteln. Haneke streift die Einzelschicksale seiner Figuren mehr, als dass er sie einem wirklich näher bringen würde.

Hie und da mengt der Regisseur stattdessen seiner Familien-Geschichte so etwas wie Gesellschaftskritik bei. Etwa, indem er die vielen afrikanischen Flüchtlinge ins Bild rückt, die sich in der französischen Hafenstadt aufhalten. In einer so skurrilen wie traurigen Szene sehen wir das von Trintignant gespielte, lebensmüde Familienoberhaupt in einem Rollstuhl, umringt von ratlosen Migranten.

Interessant auch, welch große Rolle Haneke in „Happy End“ den digitalen Medien einräumt: So beginnt der Film mit einem Handy-Video der 13-jährigen Eve (Fantine Harduin). Sie ist die Enkelin vom Patriarchen. Zwar wartet diese „Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie“ mit einem fulminanten Ensemble auf. Einen bleibenden Eindruck aber hinterlässt ein Schauspieler:

Franz Rogowski ist der einzige Deutsche unter den Hauptdarstellern. Haneke, dessen Film im Mai seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes feierte, muss sich auch nach „Happy End“

nicht sorgen um seine Stellung als einer der wichtigsten Autorenfilmer in Europa.

Matthias von Viereck

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