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Harry Potter ist zurück - „Happy Harry Day“ in Deutschland

Hexen und Zauberer Harry Potter ist zurück - „Happy Harry Day“ in Deutschland

Magisches für Muggel um Mitternacht: Für den Verkaufsstart von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ öffneten Buchhändler zur Geisterstunde. Das englische Original erschien vor acht Wochen und hat es bereits in den deutschen Bestsellerlisten nach oben geschafft.

Hamburg. Für Harry-Potter-Fans war es fast wie Eulenpost aus Hogwarts.

Als wartete ihr persönlicher Aufnahmebrief aus der Schule für Hexerei und Zauberei auf sie, haben sich viele Ungeduldige in Deutschland pünktlich um Mitternacht das neue Buch aus dem von Joanne K. Rowling geschaffenen Universum gesichert.

Die achte Geschichte rund um Harry, Hermine und Ron und neuerdings deren Kinder ist in der Nacht zu Samstag auf Deutsch erschienen - knapp acht Wochen nach dem englischen Original. Für den Verkauf der ersten Exemplare von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ öffneten Buchhändler teils schon in der Nacht oder früher als sonst am nächsten Morgen.

Magisches für Muggel um Mitternacht - damit hatte zuletzt 2007 das Erscheinen des siebten und letzten Bandes der Reihe um den berühmtesten aller Zauberschüler einen Hype ausgelöst. Das neue Hogwarts-Abenteuer ist ein Skriptbuch zum Theaterstück, das seit dem 30. Juli in London aufgeführt wird.

Seit dem 31. Juli - dem Geburtstag von Harry und seiner Erfinderin J.K. Rowling - ist es auf Englisch auch in Deutschland erhältlich und führte zwischenzeitlich auch hierzulande die Bestsellerlisten an. „Harry Potter auf Platz 1 aller Bestsellerlisten - noch nie zuvor hat das ein Theaterstück jemals geschafft“, sagte Renate Herre, Chefin des Carlsen Verlags.

Mit 800 000 Exemplaren auf Deutsch startete der Hamburger Verlag nun, weitere 100 000 sind in Arbeit. Doch geht die Zauberformel auf, wenn das englische Original bereits seit Wochen gekauft wird und es in Dialogform mit Regieanweisungen geschrieben ist? „Wir sind sehr positiv überrascht“, sagte Andrea Weiß, Leiterin Einkauf und Verkauf der Mayerschen Buchhandlung.

Rund 40 ihrer Filialen hätten um Mitternacht für etwa 45 Minuten geöffnet gehabt - „und auch sehr ordentlich verkauft“. Dabei hatte sie die Sorge, dass die Fans von damals inzwischen lieber ausschlafen würden. „Sie sind ja auch alle ein bisschen erwachsen geworden.“ Auch am Tag sei das Interesse groß gewesen. „Das hat heute Morgen noch mal richtig Fahrt aufgenommen.“

An der Buchhandlung Mayersche Droste an der Düsseldorfer Königsallee etwa standen nachts rund 50 Fans Schlange. Auch etliche andere Buchhandlungen knipsten zur Geisterstunde das Licht an. In Berlin drängten sich gut 100 Fans im Kulturkaufhaus Dussmann, um zu den Ersten zu gehören. Der echte Harry-Hype wollte jedoch nicht mehr aufkommen. Dennoch zeigte Dussmann-Pressesprecherin Bianca Krömer sich zufrieden mit dem nächtlichen Fan-Auftrieb. „Harry Potter verkauft sich immer, das geht jetzt durch bis Weihnachten.“

Dutzende verkleidete Fans fieberten auch im Haupthaus der Hamburger Heymann-Filiale um Mitternacht dem Verkaufsstart entgegen. „Die Stimmung unter den Kindern und Erwachsenen war klasse“, sagte Friederike Wolters. „Wer wollte, der bekam auch einen Zaubertrank ausgeschenkt.“ Auch tagsüber sei die Nachfrage groß geblieben. „Wir sind absolut zufrieden, das läuft richtig gut.“

In Deutschlands Harry-Potter-Zentrale beim Carlsen Verlag kam Silvesterstimmung auf, als Verlagschefin Herre um Mitternacht den ersten Bücherstapel enthüllte - mit Countdown im Goldkonfetti-Regen und unter dem Jubel der Fans. Zur Lesenacht hatte das Haus mehr als 200 Gäste geladen, darunter viele Blogger im Hexen- oder Zauberer-Kostüm. „Als Harry Potter 1997 zu Carlsen kam, waren wir ein kleiner Verlag. „Mit dem riesigen Erfolg, der mit jedem Band noch größer wurde, hatte keiner gerechnet“, erinnerte Herre an die Anfänge. „Carlsen hat sich seit 1997 mehr als verdoppelt“, sagte sie. „Wir verdanken Harry Potter sehr viel.“

Die Nacht der Nächte feierte Carlsen ganz stilecht: vom „sprechenden Hut“, aus dem sich die Gäste ihre Hogwarts-Hauseinteilung zogen, über Vielsafttrank und Amortentia-Liebestrank bis hin zur Warnung vor der „Maulenden Myrte“ an der Toilettentür. Zur Einstimmung gab es ein Trimagisches Turnier, bei dem sich Vertreter der Häuser Gryffindor, Slytherin, Hufflepuff und und Ravenclaw im Potter-Quiz, in Zaubersprüchen und im Tisch-Quidditch beweisen mussten. „Nach den Publikationen in England und den USA sind wir der erste Verlag, der eine Übersetzung herausbringt“, betonte Herre.

Die Übersetzer Klaus Fritz und Anja Hansen-Schmidt feierten mit. Beide hatten jeweils zwei Wochen Zeit für ihre Arbeit. Besonders die gereimten Rätsel seien vergleichsweise schwierig gewesen, erzählte Fritz. „Die Dialoge gingen ganz gut von der Hand.“ Das Buch habe ihn in vielerlei Hinsicht überrascht.

Ein Beispiel: „Harrys Sohn entwickelt sich ganz anders als Harry selber denkt und freundet sich mit dem Sohn des Konkurrenten Malfoy an.“ 19 Jahre später spielt „Harry Potter und das verwunschene Kind“. Harry ist Angestellter des Zaubereiministeriums. Während seine Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft Sohn Albus mit dem Vermächtnis seiner Familie.

Potter-Entdecker Barry Cunningham schickte seinen Hamburger Verleger-Kollegen eine Videobotschaft und wünschte per SMS allen einen „Happy Harry Day“. „Die Serie verbindet eine ganze Generation von Lesern“, sagte Verlagschefin Herre. Viele von ihnen hätten früher dem Erscheinen des nächsten Bandes mehr entgegengefiebert als ihrem eigenen Geburtstag. „Und waren doch letztendlich todtraurig, dass sie nie einen Brief von Hogwarts bekommen haben.“

Immerhin magische Luftpost gab es für ein Geschwisterpaar in München: Die Schnee-Eule Hedwig lieferte Sarah (7) und ihrem Bruder Noah (5) pünktlich um Mitternacht die Fortsetzung in den Garten - allerdings als E-Book auf Reader. Ein richtiges Buch wäre für die Eule zu schwer gewesen.

dpa

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