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Kultur Hat ein Soldat Grimmen anno 1916 auf Papier gebannt?
Nachrichten Kultur Hat ein Soldat Grimmen anno 1916 auf Papier gebannt?
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00:00 26.09.2018
Grimmen

Es ist das Jahr 1916: Grimmen ist eine kleine Ackerbürgerstadt. Das Leben spielt sich innerhalb der Stadttore ab. Außerhalb der Stadtmauer befinden sich Felder und Wiesen. Der 1. Weltkrieg ist allgegenwärtig. Im Kreis Grimmen gibt es keine gute Kartoffelernte, zum Teil sind die Ergebnisse katastrophal, schreibt Kurt Noske in seinem Buch „725 Jahre Grimmen – Ein Streifzug durch die Geschichte“. Es ist das Jahr in dem die Bleistiftzeichnung entsteht, die das Grimmener Museum kürzlich von Norbert Lorenz aus Reutlingen (Baden-Württemberg) geschenkt bekommen hat.

Grimmens Museumsleiterin Dr. Sabine Fukarek zeigt die Zeichnung, die der Stadt kürzlich von Norbert Lorenz geschenkt wurde. Quelle: Foto: Anja Krüger

Datiert ist die teilweise colorierte Bleistiftzeichnung auf festem Papier auf den 30. August 1916, signiert mit dem Monogram „OR“. Die Zeichnung vermittelt einen idyllischen Eindruck von der Trebelstadt. Eine Ansicht „vom Zuge“ aus, wie eine Aufschrift auf dem rechten unteren Rand der Zeichnung vermuten lässt. „Vielleicht von einem Soldaten während der Truppenbewegung gezeichnet“, vermutet Dr. Sabine Fukarek, Grimmens Museumsleiterin und Historikerin. Zwar passt die Anordnung von Kirche und – vermutlich – Mühlentor nicht zueinander, „aber es ist unverkennbar die Grimmener Marienkirche“, meint sie.

Das Monogram „OR“ gibt Rätsel auf. „In der Beschreibung heißt es, der Zeichner sei Otto Freiherr Rechenberg. Über diesen haben weder Herr Lorenz noch ich bislang etwas herausgefunden“, erzählt Grimmens Stadthistorikerin. Sie habe bei den Initialen auch an Otto Riemann gedacht. „Er hat 1926 eine Mappe mit fünf Blättern, Zeichnung von Grimmen, herausgegeben. Sie ähneln dieser aber nicht in der Art. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass dieses Bild von ihm ist“, schätzt Sabine Fukarek ein. Sie wolle nun Ralf Waschkau vom Koserower Kunstsalon um Hilfe bitten. „Vielleicht kann er etwas zu dem Monogramm sagen“, hofft sie und auch Norbert Lorenz.

Der Mann aus Reutlingen, selbst Heimat- und Ahnenforscher, besuchte im August die Stadt Grimmen. „Ich bin in Grimmen geboren, aufgewachsen und auch noch eingeschult worden“, erzählt er. Seine Eltern seien dann Weihnachten 1960 „in den Westen geflohen“. „Aber mein Herz hat immer für Grimmen und die Region geschlagen“, sagt er. Deshalb habe er auch die Zeichnung vor zehn Jahren ersteigert. „Sie war ein Schnäppchen“, sagt er. Heute würden noch seine Taufpatin und ein Cousin seines Vaters in der Trebelstadt leben. Er und Sabine Fukarek lernten sich 1992 kennen. „Gehört habe ich schon vorher von ihm. Zu DDR-Zeiten gab es eine Heimatstube von Grimmen in Diepholz, die Norbert Lorenz mit anderen betreute“, berichtet die Museumsleiterin. 1998 organisierten sie und der Reutlinger dann eine gemeinsame Ausstellung in Grimmen. Titel: Gruß aus Grimmen – historische Postkarten. Der Kontakt riss nie ab. „Manchmal hören wir nur etwas länger nichts voneinander“, erzählt die Museumsleiterin.

Anja Krüger

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