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Hausmusik als Flashmob auf offener Straße

Berlin/Rostock Hausmusik als Flashmob auf offener Straße

Musik zum Mitmachen: Spontanorchester nach dem Vorbild von Kent Nagano und dem DSO am 30. Juli in Rostock

Berlin/Rostock. „Wenn da eine Horde 20-Jähriger auf dem Rostocker Uniplatz spontan Musik macht, ist Klassik nicht mehr elitär“, sagt der Musik-Manager Karl Heinrich Wendorf (26), selbst Posaunist. Der Klassikbetrieb versucht seit Jahren, das verstaubte Image abzuschütteln und mit allerlei Ideen junge Leute für klassische Musik zu begeistern. Vorreiter sind Dirigenten wie Kent Nagano und Daniel Barenboim, der Violinist Daniel Hope, der Pianist Igor Levit, der Bratschist Nils Mönkemeyer oder der Klarinettist Matthias Schorn – Musiker, vor denen eigentlich keine Location und kein Format sicher sind.

Der Berliner Dirigent Kent Nagano (64) hatte die Idee musikalischer Flashmobs. Spontane Zusammenkünfte von Menschen zum Zwecke des öffentlichen und gemeinsamen Musizierens von Laien und Profis. Die sozialen Medien sind voll von kleinen Videos, in denen junge Musiker in Parks, Fußgängerzonen oder Shopping Malls Cup Song oder Brahms aufführen, trommeln, trällern, geigen. Ganze Orchester begeben sich auf die Straßen, um, wie 2012 das WDR Radio Orchester auf dem Kölner Wallrafplatz die Titelmelodie von „Star Wars“ zu spielen.

Naganos Idee des Symphonic Mob wurde 2014 in Berlin Wirklichkeit. Die Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters, das der Stardirigent leitet, haben seitdem bereits drei Symphonic Mobs in der Hauptstadt organisiert. Die Profis geben dabei Laien und Hausmusikern die Chance, mit ihnen gemeinsam zu musizieren. Symphonic Mobs unter Leitung von Nagano wie am 16. Mai auf der Piazza der Mall of Berlin begeisterten Musiker wie Passanten gleichermaßen. Rund 1000 Musiker trafen sich mit den DSO-Profis zum öffentlichen Spielen von Bizet, Verdi und Wagner. Nun also auch Rostock. Hintergrund: Die Idee, die von der Kulturstiftung des Bundes gefördert und finanziert wird, soll in die Fläche getragen werden. Als weitere Orte für Symphonic Mobs sind Köln mit dem Orchester Gürzenich, Bremen mit den Bremer Philharmonikern, Frankfurt an der Oder mit dem Brandenburgischen Staatsorchester und Rostock mit der jungen norddeutschen philharmonie ausgewählt worden.

Am 30. Juli treten die die jungen Philharmoniker auf dem Rostocker Uniplatz mit möglichst vielen Menschen aus der Region auf. Noten und Programm kann man sich unter symphonic-mob.de im Internet herunterladen. Leiten wird diesen musikalischen Flashmob der Dirigent Christoph Altstaedt (36). Gespielt werden zwei ungarische Tänze von Johannes Brahms und zwei slawische Tänze von Antonín Dvorák.

Das öffentliche Proben beginnt um 15 Uhr. Gegen 17 Uhr soll ein erster Durchlauf starten und um 18 Uhr das Flashmob-Konzert gespielt werden. Karl Heinrich Wendorf, der die junge norddeutsche philharmonie 2010 mal mitgegründet hat, sagt, es gebe keinen Grund für Schwellenangst oder zuviel Respekt: „Keine Angst vor großen Tieren! Gerade, da es auch vereinfachte Noten gibt, kann wirklich jeder mitmachen. Und: Das wird für jeden Musiker richtig gut – versprochen!“ Auch reine Zuhörer seien willkommen: Urlauber die zufällig vorbeikommen, Passanten, die shoppen und einfach mal stehen bleiben, und Besucher, die bewusst wegen der Musik kommen. Wendorf: „Das soll sich schön durchmischen.“ Ende 2016 soll Bilanz mit den Orchestern und der Kulturstiftung gezogen werden.

Ziel der Events sei kein kommerzielles, sondern Musikvermittlung: „Ich sehe das Potenzial als sehr hoch an, um dieses verstaubte Klassikimage zurechtzurücken und mehr junge Leute für unsere Musik zu erreichen.“ Es gehe auch darum, dieses kulturelle Erbe der Klassischen Musik zu bewahren und auf neue Weise in die Gesellschaft zu tragen. „Über Partizipation, sei es als Zuhörer, sei es als Musiker und auch auf der vitalen Ebene, da der Mob natürlich in sozialen Medien dargestellt wird, erreicht man die meisten Menschen“, erklärt Wendorf. Er selbst will gemeinsam mit seinem Vater auch dran teilnehmen.

Michael Meyer

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