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Heidenspaß im Auftrag des Herrn

Greifswald Heidenspaß im Auftrag des Herrn

Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt, das nicht wahrhaben wollte, dass die 70er zu Ende sind. Also galt: Lasst uns mal so weitermachen, nur in noch bescheuerteren Klamotten.

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Claudia Lüftenegger als Nonne — Pinguin in der Sprache von Jake und Ellwood Blues. Fotos (2): Gunnar Luesch

Greifswald. Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt, das nicht wahrhaben wollte, dass die 70er zu Ende sind. Also galt: Lasst uns mal so weitermachen, nur in noch bescheuerteren Klamotten. Welcher Film symbolisiert das besser als „Blues Brothers“. Ein Musical von 1980, in dem zum ersten Mal weiße Sänger schwarze Musik machen — ganz in Schwarz-Weiß: schwarze Anzüge, schwarze Schuhe, schwarze Hüte, schwarze Sonnenbrillen, weiße Hemden. Ein Outfit, das Maßstäbe gesetzt hat für extrem coole Auftritte mit deutlichem Hang zur Blödelei — siehe all die Mr.

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Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt, das nicht wahrhaben wollte, dass die 70er zu Ende sind. Also galt: Lasst uns mal so weitermachen, nur in noch bescheuerteren Klamotten.

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Aufführungen: Stralsund 2. 4. (19.30), 3. 4. (16 Uhr), 17. 4. (18 Uhr), 14. 5. (19.30); Greifswald 11., 12.,

20. und 26. März (19.30); Heringsdorf 18. 3. (19.30);

Putbus 15. 4. (19.30), 12. und 17. 6. (20 Uhr).

Smith in „Matrix“, siehe Agent K und Agent J in „Men in Black“.

Wer darin irgendeinen gesellschaftskritischen Ansatz sehen will — so what! Es geht um andere Dimensionen. Es geht um Rhythmus! Um Spaß, Unterhaltung, Blödelei. Aber in erster Linie wirklich nur um Rhythmus. Timing ist alles! Egal welche saublöde Lebenslage gerade eintritt: cool bleiben, cool gucken, maximal mal mit der Hüfte wackeln. Okay? Kapiert?

Exakt so ist das Musical „Blues Brothers“ am Theater Vorpommern inszeniert und zu verstehen, das am Freitagabend im ausverkauften Großen Haus des Greifswalder Theaters Premiere feierte: „Play it, Steve! I‘m a soul man“ (Isaac Hayes).

Spaß, Unterhaltung, Musik also. Im Zentrum stehen Jake „Joliet“ Blues (Markus Voigt) und sein schlaksiger Bruder Elwood Blues (Alexander Frank Zieglarski). Aufgewachsen im Heim, landet Jake schnell im Knast und will, wieder auf freiem Fuß, mit Bruder Elwood möglichst schnell die Band wiedervereinigen, um auf ehrliche Weise 5000 Dollar zu verdienen. Denn die braucht der Pinguin, die Nonne (Claudia Lüftenegger), die das Haus leitet, wo die beiden Brüder als Waisenkinder aufgewachsen sind. Sonst ist die Bude weg und all die kleinen Kinderchen obdachlos.

So beginnt ein rasantes Road Movie auf der Bühne. Da ist zuweilen sehr viel Gewusel, Gerenne, Traffic und Trallafitti. Und zuweilen sehr viel Kostümfest mit Hippies, Punks, Petticoatmädchen, knallgelben Bikinischönheiten, Cowboys, Cowgirls, derangierten Polizisten und demolierten Polizeiautos. Da fliegen Teddybären und BH‘s, da rasen Spielzeugautos, explodieren Telefonzellen (fast wie im Film) und gegen Ende wird die Verfolgungsjagd — Jake und Elwood werden nicht nur von der Polizei, sondern auch von einer geprellten Bardame und einer ebenso geprellten Countryband verfolgt — auch noch mit der Titelmusik von Bonanza unterlegt.

Aber: diese Musik. Eigentlich kann man zu dieser Musik gar nichts falsch machen: „Shake A Tail Feather“ von Ray Charles (gesungen von Manfred Ohnoutka), „Think“ von Aretha Franklin (Claudia Lüftenegger), James Browns „The Old Landmark“ (Chiaretta Schörnig) und Bluesklassiker wie „Everybody Needs Somebody To Love“ und „She Caught The Katy“, Countryklassiker wie „Sweet Home Chicago“, Rockklassiker wie „Jailhouse Rock“, Jazzklassiker wie „Minnie the Moocher“. Das bedeutet mehr als zwei Stunden richtig gute Laune.

Das heißt, einen dämlichen Fehler könnte man doch machen. Den Versuch zu wagen, als Blues Brothers so megacool daherzukommen wie John Belushi (Jack) und Dan Aykroyd (Elwood). Aber diesen Fehler vermeiden Markus Voigt, der als Jake an Heinz Hoenig leicht bekifft erinnert, und Alexander Frank Zieglarski, der als Elwood ein Wiedergänger von Frank Zander aus der Plattenküche sein könnte. Alles easy also, Alter. Schöner Abend in Greifswald.

Von Michael Meyer

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