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Heimspiel der Weltmusiker

Rostock Heimspiel der Weltmusiker

Studenten der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) und Gäste entführen mit dem Projekt „Yolele – The Spirit of Africa“ 330 Besucher auf den Schwarzen Kontinent

Rostock. Dass das hier ein Heimspiel wird, machte der tosende Applaus deutlich, der einsetzt, bevor der erste Ton erklingt, als die Musiker die Bühne betraten.

Dass hier keine Gefangenen gemacht werden, machen die Bläser und Schlagwerker mit der Wucht in den ersten Tönen klar. Volles Rohr! Getreu nach dem Motto: Dynamik? Ich kann nicht lauter!

Doch die Instrumentalisten auf der Bühne grooven sich schnell ein. Auf der Bühne des Katharinensaals in der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) stehen zuweilen 20 Musiker mit Marimbaphon, Trompeten, Saxophon, Bässen, Gitarren, Schlagzeug, Percussion, Congas und Trommeln, Keyboard, Querflöte und afrikanischen Rhythmusinstrumenten. Und natürlich Gesang. Ein buntes Ensemble von Studenten des Studiengangs Pop- und Weltmusik unter Leitung der Dozenten Benjamin Köthe, Dietrich Wöhrlin und Niko Meingold, das die Besucher auf eine lautstarke und sehr rhythmuslastige Abenteuerreise zum Schwarzen Kontinent mitnahm. Dorthin, wo Musiker erst mal tanzen lernen müssen, bevor sie ein Instrument in die Hand kriegen. Das hatte was: Während Europa um den Ball kämpft, in Selbstzweifeln badet und sich in seinen Ängsten vor Flüchtlingen zerreißt, führen junge Musiker die Kultur eines Kontinents vor, in dem Lieder existieren, die sehr gut gelaunt klingen, deren Texte aber fragen: Was ist eigentlich Frieden?

Dass das ein Wagnis ist, zeigt sich im Vokalen. Erst recht, als Gastmusiker wie Guy One aus Ghana mit einer afrikanischen Laute auf die Bühne kommen. Der groovt dann doch noch mal anders. Aber Professor Köthe (53), Lehrstuhlinhaber der Pop- und Weltmusik, sagt: „Die sollen ja gar nicht so klingen wie afrikanische Sänger. Das wäre ja vermessen.“ Es gehe viel mehr um die Beschäftigung mit der Musik und der Kultur auf hohem musikalischem Niveau. Das gelang. Junge Musiker, die eine klassische Ausbildung genießen, wie der hochtalentierte Schlagwerker Maximilian Schwarz (18) aus Wien, waren an fünf, sechs Instrumenten zu erleben.

Einige der Studenten waren erst vor einer guten Woche am Strand von Warnemünde zu erleben, wo sie den Soundtrack für das Fotofestival „Horizonte“ lieferten. Da ging es mit Chillout-Mucke ruhiger zu.

Nun afrikanisch, tanzbar. Aber dass Bassisten trotz allem die Coolsten sind, beweist der Rostocker Andreas Böhm (28), der auf der Bühne den Bass bedient und zwischendurch auf der Tribüne die Kamera.

Das Highlight kam nach der Pause mit dem Auftritt von Kaz Kasozi aus Uganda an Bass und Gitarre. Das klingt mal schwer nach Marcus Miller, dann wie Country und wechselt ins Afrikanisch-Erdige. Da kriegen die Musiker mit Schlagzeug, Conga, Trommeln und Percussion plus Bass und vier Gitarren – zwei elektrische, halbakustisch und akustisch – so viel Volumen auf die Straße, als wären die Bläser längst dabei. Und als die einsetzen, müsste eigentlich der Saal tanzen, wären da nicht diese blöden Sitzplätze. Benjamin Köthe: „Tja, ich kann ja nicht die Sitze rausreißen lassen . . .“

Warum das denn nicht!

Michael Meyer

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